Der Historiker und Publizist György Dalos, Preisträger des diesjährigen Leipziger Buchpreises für Europäische Verständigung [mehr…], war gestern Abend Gast einer Podiumsdiskussion im Internationalen Club des Auswärtigen Amtes in Berlin.
Mit auf dem Podium saßen Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt und der EU-Abgeordnete Enrique Barón Crespo. Aus Anlass der spanischen EU-Ratspräsidentschaft 2010 hatten das Auswärtige Amt, die spanische Botschaft, die DirectGroup Bertelsmann und 3sat dazu eingeladen. Im Gespräch mit Tina Mendelsohn sprachen die Gäste über das Thema „Zwanzig Jahre Wiedervereinigung“ und ost-westliche Wahrnehmungen im neuen Europa.
Europa war nie ein leichtes Thema. Und es wurde mit der Wiedervereinigung nicht leichter. Wenn aber immer so gelassen und klug über Geschichte und Visionen diskutiert wie gestern Abend, muss einem um die Zukunft Europas nicht bange sein.
Wie in seinem neuen Buch Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa (C. H. Beck) erzählte Dalos auch davon, wie aus dem Ostblock hinter dem Eisernen Vorhang ein östliches Europa werden konnte. Die Beteiligung der osteuropäischen Staaten an den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig in den 90er Jahren sei damals einer Rehabilitation der geistigen Elite gleichgekommen.
Den Beitritt der Länder zur EU als Osterweiterung zu bezeichnen, lehnte Dalos allerdings als zu einseitig ab. Damit werde ausgeklammert, was Osteuropa im vergangenen Jahrzehnt für die europäische Kultur geleistet hat. Die Verleihung des Literaturnobelpreises an Herta Müller beispielsweise müsse dann als kulturelle Westerweiterung umschrieben werden.
ML