Trotz Intervention der Bundesregierung hat China den Schriftsteller Liao Yiwu an der Reise zur LitCologne gehindert und unter Hausarrest gestellt. Kurz vor dem Start seines Flugzeugs ist der 50-Jährige Autor am Montag aus der Maschine geholt worden.
Peter Sillem, Programmleiter Sachbuch/Wissenschaft bei S. Fischer sagt dazu: „Liao Yiwu wollte in Deutschland nichts anderes als aus seinen Büchern und Gedichten lesen und mit seinen Lesern, mit deutschen Autoren und Intellektuellen zusammentreffen, um sich mit ihnen auszutauschen. Nach drei Wochen wäre Liao Yiwu zurück nach China gereist. Es ist völlig unverständlich, warum die chinesischen Behörden diese Künstlerreise auf solch krasse Weise unterbinden. Wenn es sich bestätigen sollte, dass er nun auch noch unter Hausarrest steht, wäre es entsetzlich.“
Der 50-Jährige hatte ein deutsches Visum und wollte mit einer Zwischenstation in Peking am Freitag nach Deutschland fliegen. Schon im Herbst durfte er nicht zur Frankfurter Buchmesse, bei der China Ehrengast war, ausreisen. Er wollte am Literaturfest vom 10. bis 20. März in Köln (lit.Cologne) teilnehmen. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Liao Yiwu Anfang Februar um Hilfe bei seiner Ausreise gebeten: «Sie sind deutsche Kanzlerin und Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Diktatur bedeutet.»
Der Schriftsteller ist in Deutschland unter anderem bekannt für sein in China verbotenes Buch «Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten», das auf Deutsch bei S. Fischer erschienen ist. Liao Yiwu steht auf der schwarzen Liste, weil er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung ein Gedicht «Massaker» publiziert hatte. Damals hatte Liao Yiwu vier Jahre in Haft gesessen.