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Letzte Liebe

Dorothea Razumovsky

Als gestern Abend Verleger Rainer Weiss, weissbooks.w, die Gäste zu Dorothea Razumovskys Lesung aus Letzte Liebe im Frankfurter Holzhausenschlösschen begrüßte, bemerkte er, dass eine junge Autorin und ein junger Verlag sich gefunden haben.

Dorothea Razumovsky hat bei weissbooks ihr erstes literarisches Werk veröffentlicht. Ihr erstes Sachbuch erschien bereits 1978. Als Journalistin ist sie viel gereist, schrieb über Jugoslawien, Südafrika, den Balkan, arbeitete für Zeitungen, Zeitschriften und den Rundfunk.

Begonnen hat die Zusammenarbeit folgendermaßen: Rainer Weiss riet seiner charmant plaudernden Tischnachbarin Dorothea Razumovsky bei einem Glas Wein, Prosa zu schreiben. War das ernst gemeint? Sie nahm nach reiflicher Überlegung den Rat an, Kapitel für Kapitel flatterte weissbooks auf den Tisch und überraschte die Verleger Rainer Weiss und Anya Schutzbach: Ein interessantes Manuskript – das machen wir!, entschieden sie.

Die Ausgangssituation des Buches ist nicht ungewöhnlich. Soll die Mutter in ein Altenheim? Eine Frage, die viele Familien beschäftigt. Dorothea Razumovsky schildert die Geschichte einer alten Dame, witzig, selbstironisch, kritisch und unkonventionell. Die Ich-Erzählerin gefällt sich nicht in larmoyantem Selbstmitleid, sondern agiert – heimlich, listig, auch mit einer gehörigen Portion Hass und noch mehr Misstrauen ihrer Stieftochter gegenüber, die die Mutter zunehmend an den Rand drängt. Die Ältere aber zieht sich nicht zurück, sondern trifft Entscheidungen, schließt neue Freundschaften, ist neugierig auf Menschen und ihre Lebensumstände.

Auf die Frage, warum sich Dorothea Razumovsky erst jetzt der Literatur zuwendet, antwortet die Autorin: „Wenn Journalisten Romane schreiben, kann das gründlich schief gehen. Deshalb hatte ich Hemmungen.“ Sie wehrt sich außerdem gegen das in Deutschland typische Schubladen-Denken; da die Sachbücher, dort die Romane. In England werde das unkomplizierter gehandhabt.

Am Ende des Buches verschwindet die alte Dame. „Ich weiß, wo sie ist“, sagt Dorothea Razumovsky schelmisch. Man darf also auf eine Fortsetzung gespannt sein.

JF

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