
Im ausverkauften Saal der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt stellten gestern Abend Autor Jan Seghers und Schauspieler Miroslav Nemec den neuesten Marthaler-Krimi Die Akte Rosenherz vor, der soeben im Wunderlich Verlag erschienen ist.
In ihrer Begrüßung freute sich die Direktorin der Bibliothek, Ute Schwens, das „Dreamteam“ zum dritten Mal zu einer Buchpremiere, eine Kooperation der DNB mit dem Verlag und der Frankfurter Buchhandlung Schutt, hier zu haben.
Jan Seghers alias Matthias Altenburg informierte zunächst über den 1966 geschehenen Mord an der Prostituierten Helga Matura in Frankfurt. Den damals ermittelnden Beamten gehen die Bilder der grausam zugerichteten Frau jahrelang nicht aus dem Kopf.
Dann beginnt Miroslav Nemec zu lesen, rutscht dabei auf dem Stuhl hin und her, setzt nicht nur die äußerst wandlungsfähige Stimme ein, sondern seinen ganzen Körper, spielt das, was er liest. Selbst die pointiert eingefügten Pausen, in denen er Wasser trinkt, vergehen nicht ohne Regieanweisungen: „Jetzt husten!“, ruft er dem gebannt lauschenden Publikum zu.
Der als Tatort-Kommissar Ivo Batic aus vielen Filmen bekannte Miroslav Nemec erzählt von den letzten Augenblicken einer Lebedame, von Kommissar Robert Marthaler, der auch mal mies drauf ist, seiner Chefin mit Kopf- und Magenschmerzen sowie extrem schlechter Laune begegnet. Das Publikum begleitet den Ermittler auf nicht immer legalen Wegen, lernt einen schmierigen Chefreporter – herrlich in Mimik, Gestik und Stimme gezeichnet – kennen und eine neue Frau, die auftaucht, um Marthaler zu helfen, während seine schwangere Freundin Tereza schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Für Frankfurter ein zusätzliches Plus ist wieder jede Menge Lokalkolorit im vierten Marthaler-Fall.
Im Anschluss an die Lesung moderiert Kathrin Blum, Programmleiterin im Wunderlich Verlag, eine kleine Diskussion. Wie kam Jan Seghers zu diesem Fall? Ein Buch spielte eine Rolle, Peter Kupers Hamlet oder die Liebe zu Amerika, 1980 im März-Verlag erschienen. Da findet er Spuren von Helga Matura. Jan Seghers forscht weiter, hat Glück und gelangt an die noch nicht beseitigten Akten, fast ein eigener Krimi. Es sind an die 10.000 Seiten, die er in Wiesbaden durchsieht. „Man bekommt ein Stück Zeitgeschichte geschenkt“, so haben die Unterlagen auf ihn gewirkt.
Natürlich wird Miroslav Nemec gefragt, ob er sich die Rolle des Robert Marthaler vorstellen könnte. „Wenn ich nicht Hessisch sprechen muss“, antwortete der Schauspieler.
Übrigens hat er seinem Freund Matthias zwei eigene Zitate beim Lesen in den Text geschmuggelt, weil sie ihm so gut gefielen. Und gepasst haben sie auch.
JF