
Der Andrang der Presse zur gestrigen Buchpräsentation des B3 Verlages Frankfurt war groß. Ob das am Veranstaltungsort, dem legendären Bordell „Sudfass“, lag?
Herausgeber und Mitautor Peter Zingler stellte das Buch am Ort des Geschehens vor. Rotlicht im Kopf ist ein Denkmal für den „Sudfass“-Gründer Dieter Engel und für das Haus, dessen Mythos verblasst. Leider war die Hauptperson, Dieter Engel, nicht anwesend; ihm liegt der Presserummel nicht mehr, er hat sich zurückgezogen – und das Haus vor einigen Jahren verkauft.
Zu den Mitautoren des Buches gehört Dr. jur. Torsten Schiller, der ehemalige Leiter des Ordnungsamtes in Frankfurt informiert über die Rechtslage der Prostituierten.
Diplom-Pädagogin und Sexualberaterin Monika Büchner geht der Frage nach, warum Männer ins Bordell gehen.
Stadt-Historikerin Silke Wustmann liefert einen interessanten und amüsanten Überblick zu geschichtlichen Aspekten der Prostitution.
Autorin und Cartoonistin Doris Lerche steuerte einige Bilder aus ihrem 1987 im Eichborn Verlag erschienen Buch Ich mach’s Dir mexikanisch bei.
Der 2002 verstorbene Kabarettist Matthias Beltz ist ebenfalls in Rotlicht im Kopf vertreten, und zwar mit einem 1997 gemeinsam mit Peter Zingler verfassten Text über das Frankfurter Nachtleben, den damals niemand drucken wollte.
Die Neuerscheinung aus dem B3 Verlag enthält übrigens ein Kapitel mit der Aufzählung von Prominenten und Stammgästen des „Sudfasses“ – auf nachdrücklichen Hinweis des für den Verlag tätigen Anwalts wurden die Namen allerdings geschwärzt.
Die Intention Dieter Engels war es 1971, als er das „Sudfass“ gründete, die Prostitution aus schummrigen Straßenecken in ein angenehmes Ambiente zu holen, Sicherheit sowohl für die Mädchen als auch für die Freier zu schaffen.
Nicht vergessen werden sollte außerdem, dass Dieter Engel nicht nur das legendäre Etablissement mit den Herzchen an den Fenstern, sondern auch 1985 die Romanfabrik in Frankfurt im Keller seines Hauses in der Uhlandstraße gründete. 1999 zog die Romanfabrik dann an ihren heutigen Standort in die Hanauer Landstraße.
In der Uhlandstraße ist der Keller seit 1999 zu einem erotischen Museum und einer Bar geworden; Lesungen finden hier immer noch statt.
JF