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Ernst Ludwig Kirchner Retrospektive im Frankfurter Städel Museum

Kirchner, Selbstbildnis, 1929

Ab morgen ist im Städel in Frankfurt eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen, die erstmals nach 30 Jahren wieder einen Überblick über das Œuvre des die klassische Moderne prägenden Künstlers Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938) ermöglicht.

44 Museen und Galerien sowie zahlreiche private Leihgeber steuerten Kunstwerke bei, so dass die Exposition aus 180 Werken besteht, in erster Linie Bilder, aber auch Skulpturen.

Schon 1916 fand in der Frankfurter Galerie Schames eine der ersten Kirchner-Ausstellungen statt, 1919 erwarb das Städel die ersten beiden Gemälde des Künstlers. Die hauseigene Sammlung bildete nicht nur den Grundstein für die Retrospektive, sie erleichterte auch die Kooperation mit den Leihgebern in aller Welt.

Alle Schaffensphasen des Künstlers können so beleuchtet werden, sowohl wenig bekannte Früh- und Spätwerke als auch die Zeit der Künstlergemeinschaft „Brücke“, die Kirchner 1905 gemeinsam mit Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmitt-Rottluff in Dresden gründete und beeinflusste.

1911 zog der Künstler von Dresden nach Berlin. Die Großstadt verändert seinen Stil; eckige Formen, giftig fahle Farben dominieren. Hier entstehen die berühmten Straßenszenen.

Angst und innere Zerrissenheit sind das Ergebnis des I. Weltkriegs. Das Gemälde „Soldatenbad“, aufgrund der Aschewolke ist es aus dem New Yorker Guggenheim Museum noch nicht in Frankfurt angekommen, jedoch avisiert, thematisiert das Erlebte.

In Frankfurt fand Ernst Ludwig Kirchner Förderer und Sammler wie den Chemiker Carl Hagemann, ihm bzw. seinen Erben verdankt das Städel große Teile des Kirchner-Bestands.

1917 reiste Kirchner zur Erholung nach Davos, „es ist nicht das Davos, in dem Thomas Manns ‚Zauberberg’ spielt“, erläuterte Kurator Dr. Felix Krämer. Die Schweizer Berge spiegeln sich in Kirchners Gemälden wider, eine neue Stilrichtung, die an Picasso denken lässt, zeichnet sich in den Bildern ab.

Ernst Ludwig Kirchner, ein Mann mit vielen Gesichtern, korrigierte nicht nur die über ihn verfassten Beiträge, legte das Layout fest – er erfand sogar seinen eigenen Rezensenten Louis de Marsalle. Unter diesem Namen veröffentlichte Kirchner ab 1920 eine Reihe von Beiträgen zu Kunstthemen.

Als 1937 die Nationalsozialisten auf die Jagd nach „entarteter Kunst“ gingen, verschwanden über 600 Werke Kirchners aus deutschen Museen. Im März 1938 marschierte die Wehrmacht in Österreich ein; Ernst Ludwig Kirchner zerstörte einen Teil seiner Werke und nahm sich am 15. Juni 1938 das Leben.

Die spektakuläre Ausstellung konnte nur mit Hilfe erheblicher finanzieller Zuwendung des gemeinnützigen Kulturfonds FrankfurtRheinMain verwirklicht werden und ist Teil des zweijährigen Projekts Phänomen Expressionismus in der Region (2009 bis 2011). Geschäftsführer Prof. Dr. Herbert Beck schätzte die Arbeit des Städel unter Direktor Max Hollein hoch ein, fügte aber scherzhaft hinzu, dass man Vulkanologen und Meteorologen wohl künftig in die Planung von Ausstellungen mit einbeziehen müsse.

Begleitend ist im Hatje Cantz Verlag ein über 300 Seiten starker Katalog erschienen, außerdem gibt es ein Kirchner-Hörbuch und das Buch Ernst Ludwig Kirchner. Ein Künstlerleben in Selbstzeugnissen. Ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Lesungen und Führungen ergänzt die Exposition.

Die Retrospektive ist bis zum 25. Juli zu sehen.

JF

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