Weiter auf Platz eins steht Josh Bazell mit seinem aberwitzig witzigen Thriller um Mafia und Medizin: Schneller als der Tod. Auf Platz 2 finden Sie Martin Cruz Smith mit Die Goldene Meile. Weiter mit dabei sind Ian Rankin mit Ein reines Gewissen (Platz 3), Arne Dahl mit Dunkelziffer (Platz 5) und Paulus Hochgatterer mit Das Matratzenhaus (Platz 7).
Neu ist auf Platz 4 Paco Ignacio Taibo II (gesprochen „Paco Ignacio Taibo Dos“) mit Der Schatten des Schattens. Viel zu lange – fast 25 Jahre – hat es gedauert, bis dieses Buch über vier Domino spielende Musketiere im Mexiko von 1922 ins Deutsche übersetzt wurde. (Jurysprecher Tobias Gohlis)
Hier die komplette KrimiWelt für Mai:
1. (1) Josh Bazell: Schneller als der Tod. S. Fischer
New York: Pietro Brwna heißt im Zeugenschutz Dr. Peter Brown und trotzt jetzt als Arzt dem Tod im Krankenhaus. Vergeblich. Das liegt am verluderten System und an seiner Vorgeschichte als Auftragskiller. Zum Brüllen intelligent: Bazell massakriert Medizin und Mafia. Viel besser als Koks. Macht schneller süchtig.
2. (3) Martin Cruz Smith: Die Goldene Meile. C. Bertelsmann
Moskau: Maja flieht aus einem Provinz-Bordell in die Metropole. Trickbetrüger klauen ihr Baby. Die 15-Jährige im Fight mit Luden, Mördern, Polizei und Straßenkinderbanden. Ermittler Arkadi Renko sucht derweil einen Serienkiller. Moskau unter Putin: Gier und Gewalt. Apokalyptisch. Erschütternd.
3. (9) Ian Rankin: Ein reines Gewissen. Manhattan
Edinburgh: Bauruinen, flüchtige Banker. Eine Leiche am Kanal. Malcolm Fox, Interne Ermittlungen, ist involviert: Der Tote war sein Schwager. Lokale Gangster fürchten um Investments, Fox wird kaltgestellt. Glaubhafte Figuren, trockener Humor: Mit Fox beginnt Rankins Krimileben nach John Rebus.
4. (-) Paco Ignacio Taibo II: Der Schatten des Schattens. Assoziation A
Mexiko-City 1922: Vier Männer spielen Domino. Der Anwalt, der Dichter, der Journalist und der Anarchist. Nachdem alles vorbei ist – ein Aufstand, Schießereien, Massaker, Banküberfälle, ein Abendempfang, Verrat, eine Verschwörung – spielen sie Domino. Vier Gentlemen und das Chaos der Freiheit. Endlich auf Deutsch.
5. (8) Arne Dahl: Dunkelziffer. Piper
Stockholm/Angermanland: Ein Mädchen verschwindet in nordischen Wäldern, wo Pädophile hausen. Das A-Team entdeckt, dass alles anders ist, als es gemeinhin scheint, als der erste Kinderschänder kopflos auf der Parkbank sitzt. Pädophilie: unheilbar. Rachedurst und Blutschande. Dahl probiert: das Schema umerzählen.
6. (-) Friedrich Ani: Die Tat. dtv
München: Kinder werden geschlagen, in aller Öffentlichkeit. Ungesehen. Einer guckt hin, bestraft Prügler und Prüglerin. Und verrennt sich. Der dritte Fall des blinden Kommissars Jonas Vogel führt ins Eishaus Familie. Und nicht wieder hinaus. „Der Mensch heißt Mensch, weil er zu feige ist, sich Viech zu nennen.“
6. (-) Michael Connelly: So wahr uns Gott helfe. Heyne
Los Angeles: Durch Mord am Verteidiger des Angeklagten erbt Michael Haller einen Promifall. Verfolgt von Harry Bosch, dem Seriendetective Connellys, versucht Haller, heil aus dem Justizbetrug zu flitschen, den sein Mandant samt Hinterleuten angezettelt hat. Connelly kennt sie, die US-Justiz. Ganz ohne Gottes Hilfe.
7. (-) Gerben Hellinga: Dollars. Alexander Verlag
Amsterdam: Nach Knast und Holzfällen in Schweden kommt der smarte Sid Stefan ins heimatliche Amsterdam zurück. Statt mit Jeanette im Bette landet Sid in einer Mord- und Totschlagsgeschichte, in der alles von 1966 ist. Cordanzüge, knackige Stewardessen und Hochprozentiges. Amsterdam vor der Hasch-Ära.
7. (5) Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus. Deuticke
Furth am See: Unmerklich wie im wirklichen Leben sickert das Verbrechen ins Bewusstsein derer, die es erkennen müssten. Psychiater Raffael Horn und Kommissar Kovacs zweifeln: an sich selbst, an den Methoden ihrer Profession. Gewalt gegen Kinder, Missbrauch – bei Hochgatterer eindringlich entspektakulisiert.
8. (-) Adrian McKinty: Der sichere Tod. Suhrkamp
New York/Mexiko: Eigentlich ist Michael ein Glückspilz. Er ist schlau, hat einen guten Bums und die Frauen fahren auf ihn ab. In Darkeys New Yorker Iren-Gang kommt er auch voran. Mit Darkeys Braut auch. Bis ein Job in Mexiko schief läuft. New York 1992: 2.000 Morde pro Jahr. Und ein Ire auf Rachetrip.
Die KrimiWelt-Bestenliste Mai wird in der Literarischen Welt, in den Literatursendungen des NordwestRadios und im Internet unter www.arte.tv/krimiwelt (unter What’s New ein ausführlicher Kommentar und unter Krimiautoren A-Z ergänzende Infos zu fast allen Autoren) vorgestellt.
Die Jury:
Tobias Gohlis, Zeit-Kolumnist, Moderator und Sprecher der Jury der Krimiwelt, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Volker Albers, Hamburger Abendblatt, Herausgeber „Kaliber .64“, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Andreas Ammer, „Druckfrisch“, DLF, BR,, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Sven Boedecker, Sonntagszeitung Zürich; Kathrin Fischer, Hessischer Rundfunk; Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung; Michaela Grom, SWR; Lore Kleinert, Radio Bremen, Jury Bremer Krimipreis; Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung; Ekkehard Knörer, Perlentaucher, Crime Corner, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Kolja Mensing, Tagesspiegel; Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Jan Christian Schmidt, www.Kaliber 38.de, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Jochen Schmidt, elder critic; Margarete v. Schwarzkopf, NDR; Ingeborg Sperl, Der Standard; Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Hendrik Werner, Die Welt; Thomas Wörtche, Titel-Magazin, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises