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„Geschäfte mit heruntergelassenen Jalousien“ – Martin Brüninghaus über Suchmaschinenoptimierung

Die Münchner CONTENTmanufaktur hat vor 14 Tagen zusammen mit buchmarkt.de eine Marktumfrage zur Sichtbarkeit von Buchverlagen im Internet begonnen [mehr…]. Ziel ist es, herauszufinden, wie gut Verlage im Internet zu finden sind und an welchen Stellen Verbesserungen möglich sind.

Martin Brüninghaus, in der Agentur zuständig für Kunden und Verkauf, zum aktuellen Stand und den Hintergründe.

Martin Brüninghaus

buchmarkt.de: Sie haben eine Analyse zur „Sichtbarkeit der Verlage im Netz“ begonnen. Tun denn nicht zwischenzeitlich alle Verlage etwas für ihre Suchmaschinenoptimierung?

Brüninghaus: Natürlich arbeiten viele daran. So mancher ist aber dennoch nicht gut auffindbar, und man hat manchmal fast den Eindruck von Geschäften in einer Fußgängerzone, bei denen die Jalousien heruntergelassen sind. Die Geschäfte sind da, die Interessenten auch, aber der Kunde sieht nicht, was es dort zu entdecken gibt.

buchmarkt.de: Google als das Schaufenster?

Brüninghaus: Die Motivation der Verlage, bei Google stattzufinden, kann doch ganz unterschiedlich sein. Ob man dann dort verkaufen will, seine Marke stärken oder die Themenhoheit in einem Bereich ausüben möchte, ist letztendlich jedem selber überlassen. Aber eins ist sicher: Google liefert den unmittelbaren Kontakt zum Kunden.

buchmarkt.de: Die Homepage allein reicht da nicht aus …

Brüninghaus: Nein. Ein Webauftritt, der nicht gefunden wird, bringt nicht viel. Den hat heute fast jedes Unternehmen und natürlich auch fast jeder Verlag. Doch in der Auffindbarkeit, der Sichtbarkeit im Internet, gibt es sehr große Unterschiede. Viele Unternehmen, und das ist überhaupt nicht verlagsspezifisch, nutzen das Potential, das Google bietet, noch nicht vollständig. Dies wollen wir exemplarisch am Beispiel der Buchverlagsbranche belegen und aufzeigen.

buchmarkt.de: Welche Relevanz haben denn Google und die Suchmaschinen überhaupt für die Reichweite im Internet?

Brüninghaus: An Google kommt man nicht vorbei, wenn man im Netz gefunden werden möchte. Innerhalb der Suchmaschinen liegt der Marktanteil von Google bei fast 90 Prozent. Wir haben Kunden, die bis zu 66 Prozent Ihrer Besucher über Google bekommen.

buchmarkt.de: Die zweite Seite bei Google bringt auch nicht viel …

Brüninghaus: Eine gute Platzierung bedeutet, dass eine Webseite bei möglichst vielen Suchanfragen mit thematischem Bezug zur Seite prominent bei Google dargestellt wird. Und auf die erste Seite muss man es heute tatsächlich schaffen, eigentlich sogar auf die ersten drei bis fünf Positionen, um spürbar mehr User auf die Seite zu bringen.

buchmarkt.de: Da dachte man lange Zeit, das Internet bringe Anbieter und Interessenten zuverlässig zusammen. Stichwort „Longtail“ beispielsweise. Wer ein ausgefallenes Hobby oder Interesse hat, findet im Netz problemlos Gleichgesinnte und passenden Anbieter. „Problemlos“ stimmt wohl nicht …

Brüninghaus: Interessenten, und damit potentielle zahlende Kundschaft, klicken bei ihren Suchen definitiv zum allergrößten Teil Links auf der ersten Trefferseite an. Dazu gibt es Untersuchungen. Das Internet bietet durchaus neue Möglichkeiten, man muss aber die Spielregeln kennen.

buchmarkt.de: Was sind denn so ein paar Grundprinizipien, die ein Verlag bei seiner Homepage in Sachen Suchmaschinenoptimierung beachten sollte?

Brüninghaus: Google zeigt seinen Usern gerne Seiten mit einzigartigen und übersichtlichen Inhalten – passend zur Suchanfrage. Deshalb sind nutzwertige Inhalte rein feuilletonistischen Texten überlegen, weil  bei sachlichen Texten für die Suchmaschine schnell erkennbar ist, worum es geht. Außerdem ist eine möglichst offene und flexible Struktur mit guter interner Verlinkung sehr günstig für die Suchmaschinenoptimierung. Und, natürlich, möglichst viele Links von anderen Seiten. Denn diese wertet Google als Reputation für die Webseite.

buchmarkt.de: Wie ist denn der Zwischenstand in Ihrer Umfrage?

Brüninghaus: Beim ersten Blick auf die Ergebnisse sieht man, dass einige Verlage ihre Optimierungs-Hausaufgaben für eine gute Positionierung bei Google gemacht haben. Das sind übrigens sowohl große als auch einige kleine Verlage. Doch die meisten Webseiten verkaufen sich noch deutlich unter dem Wert der Bücher, die dort zu finden sind. Manchmal könnte man fast meinen, es reiche dem Verlagsleiter, dass seine Bücher über Amazon.de gefunden werden. Damit ist man dann natürlich auch abhängig von der Strategie des Online-Händlers.

buchmarkt.de: Wie viele Verlage haben bis jetzt an der Umfrage teilgenommen?

Brüninghaus: Bisher haben sich 30 Verlage beteiligt. Damit sind wir ganz zufrieden, hoffen aber natürlich, dass noch weitere Teilnehmer dazu kommen. Je mehr Rückläufer wir haben, desto repräsentativer und auch aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

buchmarkt.de: Gibt es Unerwartetes in Ihren bisherigen Ergebnissen?}

[Brüninghaus: Ja, aber dazu können wir noch nichts sagen. Eine Gesamteinschätzung können wir erst abgeben, wenn genug Verlage teilgenommen haben. Wir lassen die Angaben natürlich nur anonymisiert in die Analyse einfließen und können natürlich auch keine Einzelfälle besprechen. Das erörtern wir dann nur mit den jeweiligen Verlagsleitern.

Noch bis zum 30.04. sind Verlage aufgerufen, an der Umfrage teilzunehmen. Teilnehmer erhalten als Dank sofort einen detaillierten Einblick in das bisherige Zwischenergebnis der Umfrage, noch vor der Veröffentlichung der Endergebnisse. Die wichtigsten Erkenntnisse der Marktanalyse werden dann in der Juli-Ausgabe von BuchMarkt veröffentlicht.

Hier können Sie an der Umfrage teilnehmen.

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