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Berlin: Rendez-vous littéraire erfolgreich beendet

Eva Menasse, Jean-Claude Crespy, Yannick
Hene (v. l.)

Auch am Samstag, dem letzten Tag des französisch-deutschen Literaturfestes „Rendez-vous littéraire“ [mehr…] war der Saal der Akademie der Künste trotz des strahlenden Wetters voll besetzt. Auf dem Programm stand schon am Nachmittag eine Diskussion zum Thema „Transfer littéraire – ein Ausblick“.

Der Pariser Platz bot eine schöne Kulisse für das von Lothar Müller, Literaturredakteur der Süddeutschen Zeitung, moderierte bilaterale Gespräch über mögliche Wege aus der wechselseitigen „positiven Indifferenz“. Hinter dem Podium wehte die französische Fahne auf dem Dach der gegenüberliegenden Botschaft.

Die französische Literatur wird hierzulande zwar übersetzt, einen großen Markt – zumal für in Deutschland unbekannte Autoren – gibt es allerdings nicht. Ähnlich sieht es in Frankreich aus. Von Ingo Schulzes Neue Leben gingen gerade mal 600 Exemplare über die Ladentische unserer Nachbarn, wie der Übersetzer Alain Lance betonte. Literaturkritikerin Nelly Kaprièlian erzählte, dass in Frankreich die Literatur aus den USA derzeit hoch im Kurs stehe und deutsche Autoren von der Kritik kaum wahrgenommen würden. Überhaupt gebe es in der französischen Presse immer weniger Platz für Rezensionen, so Lance, der sich eine Entschleunigung des Literaturbetriebs wünschte: „Literatur braucht Zeit.“

Delf Schmidt, Lektor im Berlin Verlag, dürfte bald Post aus Paris bekommen. Er wünschte für die Zukunft, dass Frankreich sich stärker der Literatur aus den ehemaligen Kolonien öffnet. Das sah Heidi Warneke, zuständig für Rechte und Lizenzen bei den Editions Grasset, anders. Es gebe sehr wohl hervorrage Autoren beispielsweise aus Tunesien oder Haiti, in Deutschland bestehe aber kein Interesse an den Übersetzungen. „Ich schicke Ihnen mal ein Buchpaket.“

Sieben Autoren-Tandems lasen und diskutierten im Laufe des dreitägigen Festes und steckten das Publikum mit ihrer Begeisterung an. Besonders spannend war die Diskussion von Eva Menasse und Yannick Haenel zum Thema Erinnerung. Außerdem las Eva Menasse eine Passage aus Haenels jüngstem Roman Jan Karski, der bereits für viel Wirbel sorgte und in Frankreich mehrfach ausgezeichnet wurde. Darin schildert Haenel das Leben des polnischen Widerstandskämpfers Jan Karski, der als Kurier für die polnische Exilregierung in London arbeitete und als Augenzeuge dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt über das Warschauer Ghetto berichtete. In Claude Lanzmanns Film Shoah spielt er als Zeitzeuge eine Schlüsselrolle. Die deutsche Übersetzung von Claudia Steinitz erscheint im Herbst bei Rowohlt.

Dass viele Franzosen in Berlin leben, war in den Pausen nicht zu überhören. Autoren und Besucher setzten bei Wein und Brezeln den Dialog im Foyer fort. Auch der Büchertisch war als Tandem konzipiert. Das Angebot der französischen Buchhandlung Zadig fand ebenso viel Beachtung wie der Stand der Autorenbuchhandlung.

Das Konzept der Veranstalter, die dem bilateralen Dialog einen neuen Impuls geben wollten, ging auf. „Wir sind zufrieden mit dem Verlauf des Festes , sagte Micheline Bouchez, Attachée du livre der Französischen Botschaft, die gemeinsam mit Jörg Feßmann die Idee hatte, und das Fest mit Petra Metz und Guy Walter, dem Direktor der Villa Gillet in Lyon, plante.

Die Neugier auf die Literatur aus dem Nachbarland ist geweckt, beispielsweise auf den Roman Drei starke Frauen von Marie NDiaye, der übersetzt von Claudia Kalscheuer im Juni bei Suhrkamp erscheint. Der Auftritt der in Berlin lebenden Goncourt-Preisträgerin am Donnerstag war ein fulminanter Auftakt für den dreitägigen Lesemarathon. Im Herbst 2011 geht das Literaturfest in die zweite Runde. Dann trifft man sich in der Villa Gillet in Lyon.
ML

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