
„So wird Ihr Laden zum Magneten – Aktiv handeln gegen Standort-Erosion und Frequenzverlust“. So lautet das Motto der diesjährigen drei Libri.Campus-Blöcke. In je zwei aufeinanderfolgenden Tagen bietet das Barsortiment seinen Kunden Vorträge und Workshops rund um das Themengebiet „Standort“. Die erste Runde ist gestern zu Ende gegangen.
Mit Frequenzverlusten sehen sich viele Sortimente konfrontiert. Im Idealfall, erläutert Mit-Organisator Arnd Roszinsky-Terjung, könne man der Frequenz hinterherziehen. Da das aber selten möglich sei, gelte es, der eigenen Lage wieder Attraktivität zu verleihen. Dass das auf sehr verschiedene Arten geht, bewiesen die Referenten des ersten Tages.
„Net(t)working und Service-Kamasutra“ – Strategien zur Erhöhung der eigenen Attraktivität
Beeindruckend hat Thomas Schmitz in den letzten Jahren gezeigt, dass weder eine 2b- noch eine 4b-Lage ein Todesurteil sein muss. Im Gegenteil hat es Schmitz mit seinem „JuniorClub“ für Kinder zwischen 0 und 14 Jahren geschafft, den Essener Teilort Werden aufzuwerten. Mit der schlechten Lage wird auf der Homepage offensiv umgegangen: „Zugegeben, ein bisschen suchen muss man uns schon. Unsere Buchhandlung liegt am Rande der Werdener Altstadt, in einem Hinterhof, in einer alten Druckerei. In einer 4B-Lage also.“ Dennoch ist der Laden voll. Neben dem JuniorClub hat auch das hauseigene Lesemagazin Schmitzkatze für Bekanntheit gesorgt. Im Jahr 2008 wurde die Buchhandlung mit dem BuchMarkt-Award in Gold ausgezeichnet.
Schmitz‘ Engagement ist kostenintensiv, dennoch betonte er: „Wir machen das nicht in erster Linie, um Geld zu verdienen, sondern weil es uns Spaß macht.“ Daraus, so seine Überzeugung, käme der Umsatz dann.
In diesem Punkt war er sich mit Bernd Reutemann einig, dem einzigen Referenten, der nicht aus dem Buchhandel kommt, sondern das 5-Sterne-Hotel Bischofsschloss in Markdorf leitet. Auch er betonte in seinem Beitrag unter dem Motto „Das Service-Kamasutra“ anhand zahlreicher kreativer Serviceleistungen in seinem Haus, dass Freundlichkeit und Service mit Lust angeboten werden müssen: „Nettworking“ nannte das der Schwabe und rief dazu auf, immer wieder die Kundensicht einzunehmen.

Das klassische Networking ohne Doppel-t ist auch der zentrale Kern der Strategie von Claudia Ricken-Bollinger. Sie hat es geschafft, namhafte Rechnungskunden über systematisches Netzwerken an sich zu binden. Die ehemalige S. Fischer-Vertreterin ist sicher: „Buchhändler müssen mehr nach außen gehen!“
Das verwirklicht Wolfgang Thönes in Dortmund mit Hilfe eines professionellen Pressemanns. Wie für Ricken-Bollinger spielt auch für ihn das Rechnungskundengeschäft eine große Rolle.
Auf etwas andere Art „networken“ Reiner Gollenstede von der gleichnamigen Buchhandlung in Heinsberg und Jean-Paul Ternes von der Luxemburger Buchhandlung Libo. Gollenstede hat sich über konsequentes Crossmarketing zu einem Zentrum im Kulturleben Heinsbergs gemacht. Einen ungewöhnlichen Weg ist Ternes gegangen, der einen Shop-in-Shop-Partner für seine Fläche suchte, und nun im Erdgeschoss der Buchhandlung mit Exki ein Schnell-Restaurant mit hochwertigem Convenience Food einen Partner, der vergleichbare Wertvorstellungen ökologischer und ethischer Art hat und zugleich eine größere, jüngere Zielgruppe in den Laden bringt.
Einen ganz anderen Weg ist Jürgen P. Lipp von der spirituellen Buchhandlung Wrage in Hamburg gegangen. Er hat sich spezialisiert auf spirituelle Themen und bietet seinen Kunden rund um das Thema neben Büchern natürlich auch Non-Books, aber auch Dienstleistungen. Beim Blick in die Zukunft nimmt er an: „Wir werden weniger Ware verkaufen, sondern mehr Information“. Dementsprechend organisiert Lipp auch Vorträge, Seminare u. ä. und generiert nur noch ein Drittel seines Umsatzes mit Büchern.
So unterschiedlich die Strategien der einzelnen Buchhandlungen sind, um trotz Frequenzverlust und suboptimaler Lage Kundschaft zu halten und neue hinzuzugewinnen, eint sie doch der Mut, eigene Wege zu gehen, Konzepte zu überdenken und auf eigene, individuelle Art wieder anzugehen.
Innovationen entwickeln und umsetzen – Workshops

Eine Anregung, wie man in der Praxis seine eigenen Wege finden und ausarbeiten kann, die Grundlagen der Innovation also, boten die Workshops des zweiten Tages. Janto Oellrich, Dr. Rüdiger Lang und Gerret Lebuhn des Beratungsunternehmens Metalog Trainingstools ließen die Teilnehmer zunächst in einem Brainstorming kreative Ideen sammeln, um später die wichtigsten in Gruppen wirklich ausarbeiten zu lassen. Zuvor zeigten sie aber in einem von viel Gelächter begleiteten Teamspiel, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist. Mit Hilfe einer Spinne aus Schnüren sollten die Gruppen Holzklötze bewegen und zusammenbauen. Sehr schnell wurde den Teilnehmern klar, was für eine Bedeutung Kommunikation und Gemeinsamkeit hat.
„Das wirklich wichtige Know-how liegt bei den Buchhandlungen selbst“

Tilman Rammstedt
Wie in jedem Jahr spielte der Austausch mit den Kollegen für viele der Anwesenden eine große Rolle. Vor allem am Abend des ersten Tages, an dem Tilman Rammstedt als Überraschungsgast mit einer kleinen Lesung auftrat, bot sich dazu bei einem Essen Gelegenheit. Auch für Libri selbst ist der enge Kontakt zu seinen Buchhandlungen wichtig. „Wir wollen von den Bedürfnissen des inhabergeführten Buchhandels lernen, damit wir unsere Libri-Leistungen kontinuierlich weiterentwickeln können“, erläuterte Geschäftsführer Dr. Pascal Zimmer im Gespräch mit buchmarkt.de [mehr…]
Noch einen Schritt weiter ging Marketing- und Vertriebsleiter Dr. Bertram Pfister in seiner Begrüßung: „Das wirklich wichtige Know-how, haben wir gemerkt, das liegt nicht bei den Referenten, bei Libri oder den Organisatoren. Das wirklich wichtige Know-how, das liegt bei Ihnen“, zog Bertram Pfister Bilanz aus den vergangenen sieben Jahren Libri.Campus.