
Joachim Jessen wird heute 60 Jahre alt.
„Du kannst mich einfach nicht verstehen“ – der Bestseller von Deborah Tannen war sein wohl größter Buch-Erfolg in dem von ihm und seinem damaligen Partner Detlev Lerch 1979 gegründeten Kabel Verlag. Und „einfach nicht verstehen“ mochte mancher nicht, dass er sich etwa zehn Jahre später vom „Traumberuf Verleger“ verabschiedet hat und radikal die Seiten wechselte: Er wurde Agent und Partner in der großartigen Agentur Schlück.
Klar, dort in einer der wichtigsten deutschen Agenturen zu arbeiten – das war sicherlich auch ein Traumberuf, auch wenn er sich vor ein paar Jahren einmal den Spaß machte und auf einem Verlagsempfang am Vorabend der Buchmesse ein Sakko trug, auf das er sich hinten unübersehbar „Autorenknecht“ hatte sticken lassen.
Wer Joachim Jessens hanseatisch-trockene Art richtig deutet, der weiß, dass das eine Liebeserklärung an die von ihm vertretenen Autoren war. Für die hatte er übrigens zuvor im Team mit dem Agentur-Gründer Thomas Schlück den Leitfaden „Traumberuf Autor” geschrieben. Hier bin ich mir zwar auch sicher, dass der Titel ironisch gemeint war – frage mich allerdings, ob er das damals bei mvg erschienene Bändchen (ist in überarbeiteter Ausgabe jetzt beim Autorenhaus Verlag lieferbar) – selbst auch je gelesen hat. Denn unter dem Pseudonym Robert Clausen ist Jessen auch als Krimi-Autor tätig geworden. Ob dieser Ausflug in die Literatur ein einmaliger Ausrutscher war oder weitere Bände nach sich zog, das habe ich nicht verfolgt, würde es aber gern wissen. Vielleicht verrät er mir: War das ein Traum oder Albtraum?*
Lieber Joachim,
zum heutigen Geburtstag gratuliere ich Dir herzlich. Du hast an einer Stelle in meinem Leben mitgeholfen, eine Weiche richtig zu stellen. Das vergesse ich nicht.
Dein C.
*Inzwischen hat er es mir verraten: Schon als Student hat er einen Krimi geschrieben, den Jürgen Roland dann als TATORT („Zahltag“) verfilmt hat. Unter Clausen hat er vor ein paar Jahren dann das Krimischreiben wieder aufgenommen und drei Bücher geschrieben, dazu eine Handvoll unter seinem Namen und noch einem anderen. Er sagt: „Ich schreibe nur, wenn ich eigentlich eine Therapie brauche. So ist es Therapie und weder Traum noch Albtraum. Was ökonomisch gesehen nicht unclever ist, während andere ihre Therapie bezahlen müssen bekomme ich die meine bezahlt.“
Kontakt: j.jessen@schlueckagent.com
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