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Die zehn besten Krimis im Juni / Josh Bazell weiterhin auf Platz 1

Immer noch, zum dritten Mal auf Platz eins finden Sie Josh Bazell mit seinem aberwitzig witzigen Thriller um Mafia und Medizin: Schneller als der Tod. Auf Platz 2 finden Sie neu Pete Dexter, den immer noch viel zu wenig bekannten großen amerikanischen Romancier, mit seinem Debüt von 1983 God’s Pocket.

In diesem grandiosen Roman aus South Philadelphia definiert Dexter mit der ihm eigenen Mischung aus grotesken Witz und Lakonie die literarischen Muster von Zufall und Notwendigkeit neu – ein starkes Stück. Auf Platz 3 finden Sie Paco Ignacio Taibo II (gesprochen „Paco Ignacio Taibo Dos“) mit Der Schatten des Schattens. Viel zu lange – fast 25 Jahre – hat es gedauert, bis dieses Buch über vier Domino spielende Musketiere im Mexiko von 1922 ins Deutsche übersetzt wurde. (Jurysprecher Tobias Gohlis).

Hier die komplette KrimiWelt für Juni:

1. (1) Josh Bazell: Schneller als der Tod. S. Fischer
New York: Pietro Brwna heißt im Zeugenschutz Dr. Peter Brown und trotzt jetzt als Arzt dem Tod im Krankenhaus. Vergeblich. Das liegt am verluderten System und an seiner Vorgeschichte als Auftragskiller. Zum Brüllen intelligent: Bazell massakriert Medizin und Mafia. Viel besser als Koks. Macht schneller süchtig.

2. (-) Pete Dexter: God’s Pocket. Liebeskind
God’s Pocket, Philadelphia: In seinem Debütroman von 1983 enthält sich Pete Dexter jeder Erklärung. Gewalt geschieht, etwas geschieht immer. Antimetaphysisch, grotesk erzählt er aus dem Pandämonium einer amerikanischen Vorstadt von Bauarbeitern, Fleischschmugglern, Kleingangstern, Träumern. Furios.

3. (4) Paco Ignacio Taibo II: Der Schatten des Schattens. Assoziation A
Mexiko-City 1922: Vier Männer spielen Domino. Der Anwalt, der Dichter, der Journalist und der Anarchist. Nachdem alles vorbei ist – ein Aufstand, Schießereien, Massaker, Banküberfälle, ein Abendempfang, Verrat, eine Verschwörung – spielen sie Domino. Vier Gentlemen und das Chaos der Freiheit. Endlich auf Deutsch.

4. (-) Henning Mankell: Der Feind im Schatten. Zsolnay
Ystadt/Stockholm: Geplagt von Diabetes und Vergesslichkeit löst Wallander seinen letzten Fall. Überschwemmt von Erinnerungen ans Vergangene untersucht er das Verschwinden eines pensionierten Marineoffiziers und stößt auf eine verzwickte Spionagegeschichte. Das Vergangene vergeht nicht, Wallander schon. Adieu.

5. (-) Francisco González Ledesma: Der Tod wohnt nebenan. Lübbe
Barcelona: Es geht um Rache und Vergeltung. Ein Kind wurde bei einem Bankraub getötet, jetzt ist Miralles, der Vater, hinter den Mördern her. Inspector Méndez ermittelt, der letzte Irreguläre im Staatsdienst. Es wehen die Düfte des alten Barcelona. Die viel zu späte Entdeckung eines großartigen spanischen Autors.

6. (5) Arne Dahl: Dunkelziffer. Piper
Stockholm/Angermanland: Ein Mädchen verschwindet in nordischen Wäldern, wo Pädophile hausen. Das A-Team entdeckt, dass alles anders ist, als es gemeinhin scheint, als der erste Kinderschänder kopflos auf der Parkbank sitzt. Pädophilie: unheilbar. Rachedurst und Blutschande. Dahl probiert: das Schema umerzählen.

7. (-) Dominique Manotti: Letzte Schicht. ariadne im Argumentverlag
Pondange, Lothringen/Warschau/Paris: Ein Betriebsunfall, eine Fabrikbesetzung. Arbeiter geraten an Material, das die Fusion zweier Wirtschaftsgiganten beeinflussen und die Regierung stürzen könnte. Manotti ist eine Klasse für sich: lebensnah, realistisch, vertrackt. Der Krieg der Konzerne in den kleinen Städten. Superb.

8. (6) Michael Connelly: So wahr uns Gott helfe. Heyne
Los Angeles: Durch Mord am Verteidiger des Angeklagten erbt Michael Haller einen Promifall. Verfolgt von Harry Bosch, dem Seriendetective Connellys, versucht Haller, heil aus dem Justizbetrug zu flitschen, den sein Mandant samt Hinterleuten angezettelt hat. Connelly kennt sie, die US-Justiz. Ganz ohne Gottes Hilfe.

9. (-) Patricia Duncker: Der Komponist und seine Richterin. Berlin Verlag
Montpellier/Berlin/Lübeck/London/Schweiz: Sie bringen sich um – Eltern, Kinder, Freunde – um in die bessere Welt zu gelangen. Einer verlässt den Platz, der Mörder. Sektenjägerin Dominique Carpentier ermittelt gegen den charismatischen Komponisten Friedrich Grosz – und gegen ihre Liebe. Sehr edel.

10. (8) Adrian McKinty: Der sichere Tod. Suhrkamp
New York/Mexiko: Eigentlich ist Michael ein Glückspilz. Er ist schlau, hat einen guten Bums und die Frauen fahren auf ihn ab. In Darkeys New Yorker Iren-Gang kommt er auch voran. Mit Darkeys Braut auch. Bis ein Job in Mexiko schiefläuft. New York 1992: 2000 Morde pro Jahr. Und ein Ire auf Rachetrip.

Die KrimiWelt-Bestenliste wird heute auch in der Literarischen Welt, in den Literatursendungen des NordwestRadios und im Internet unter www.arte.tv/krimiwelt (unter What’s New ein ausführlicher Kommentar und unter Krimiautoren A-Z ergänzende Infos zu fast allen Autoren) vorgestellt.

Die Jury:
Tobias Gohlis, Zeit-Kolumnist, Moderator und Sprecher der Jury der Krimiwelt, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Volker Albers, Hamburger Abendblatt, Herausgeber „Kaliber .64“, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Andreas Ammer, „Druckfrisch“, DLF, BR,, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Sven Boedecker, Sonntagszeitung Zürich; Kathrin Fischer, Hessischer Rundfunk; Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung; Michaela Grom, SWR; Lore Kleinert, Radio Bremen, Jury Bremer Krimipreis; Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung; Ekkehard Knörer, Perlentaucher, Crime Corner, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Kolja Mensing, Tagesspiegel; Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Jan Christian Schmidt, www.Kaliber 38.de, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Jochen Schmidt, elder critic; Margarete v. Schwarzkopf, NDR; Ingeborg Sperl, Der Standard; Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises; Hendrik Werner, Die Welt; Thomas Wörtche, Titel-Magazin, Mitglied der Jury des Deutschen KrimiPreises

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