
Die zwei bestellten Busse fassten alle 80 Teilnehmer am 16. Literarischen Picknick, das Monika Steinkopf, Inhaberin der Berger Bücherstube in Frankfurt Bergen-Enkheim, und ihre Kollegin Kathrin Diederichs am Samstag, 19. Juni, organisiert hatten – kein Platz blieb leer.
Abwechselnd mit dem Hessischen Literaturtag findet, so hatte man im Vorjahr beschlossen, das Literarische Picknick alle zwei Jahre statt.
Das Ziel der Fahrt sollte erraten werden, findige Teilnehmer waren schon auf die Lösung gekommen: Die Tour ging nach Steinau an der Straße.
Im Mittelpunkt standen die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sowie das für den Herbst angekündigte Buch Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung von Günter Grass, das im Steidl Verlag, Göttingen erscheint.
Aus dieser Liebeserklärung las Buchhändlerin Monika Steinkopf einige Passagen während der Fahrt nach Steinau vor und informierte über das Leben der „Wortschnüffler“.
In der Brüder-Grimm-Stadt an der ehemaligen Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig – heute verbinden A5, A4 und A9 die Städte, die einstige Straße existiert nur noch in Teilabschnitten – ging es über die eindrucksvolle Schlossanlage und den Marktplatz mit dem Märchenbrunnen zum 1998 als Museum eingerichteten Brüder Grimm-Haus.
Die Teilnehmer erhielten hier schöne Karten mit den Buchstaben A, B und C, illustriert von Günter Grass und Bestandteil des angekündigten Buches, und wurden in drei Gruppen eingeteilt.
Maria Link führte durch das Grimm-Haus und erzählte Wissenswertes und auch manche Anekdote über die berühmte Familie. Das 1562 mit vielen sehenswerten Details von Asmus erbaute Amtshaus wurde 1791 Wohnsitz der Familie, die von Hanau nach Steinau zog, Vater Philipp Wilhelm Grimm, in Steinau geboren, bekleidete hier die Stelle des landgräflichen Amtmanns. Nach seinem Tod 1796 musste die Familie das Amtshaus verlassen und zog ins Huttische Spital, später in ein Gebäude der „Alten Kellerei“ in Steinau.
1798 reisten Jacob und Wilhelm Grimm zur Tante Zimmer nach Kassel, um dort das Gymnasium zu besuchen. Die sieben Kindheits- und Jugendjahre in Steinau prägten die Brüder und legten wohl den Grundstein für ihre bekannte Märchensammlung.
Der wissenschaftliche Raum des Grimm-Hauses beherbergt neben zahlreichen Erstausgaben auch das 1838 von Jacob und Wilhelm Grimm in Angriff genommene Deutsche Wörterbuch, das größte und umfassendste Kompendium der deutschen Sprache. Erst 1961 wurde die erste vollständige Fassung vollendet – die Brüder kamen zu ihren Lebzeiten vom Buchstaben A nur bis zum Wort Frucht. Der Quellband 33 erschien 1971.
Auf dem Hof des Grimm-Hauses, Treffpunkt für die drei Gruppen, lud die Berger Bücherstube zwischendurch zu einem Imbiss mit Apfelkuchen.
Selbstverständlich ging es im Ort an der Deutschen Märchenstraße auch um Märchen. Erzählerin Gudrun Rathke begeisterte in einem mit weichen Polsterstühlen ausgestatteten Raum des Museums die Zuhörer mit kurzen Märchen, Schwänken und Sagen.
Nach einem Bummel durch die schöne Altstadt luden Monika Steinkopf und Kathrin Diederichs zur Brotzeit ins Michael Meyenburg-Haus, hier konnten sich die Teilnehmer vor der Rückfahrt stärken und zum Abschluss noch einem Märchen, erzählt von Gudrun Rathke, lauschen.
Mit viel Applaus wurde den beiden engagierten Buchhändlerinnen für ihre Organisation gedankt; es war ein überaus gelungenes Literarisches Picknick, dem der Regen auf der Rückfahrt nichts mehr anhaben konnte. In Bergen erwartete schließlich wieder Sonnenschein die Ausflügler bei ihrer Rückkunft.
JF