
„Unbeschreiblich weiblich“, das ist das Motto der edition ebersbach, die heute ihr 20jähriges Verlagsjubiläum feiert. Das elegante Logo – eine spitze Schreibfeder, die auf Papier aufsetzt – ist ein inzwischen ebenso bekanntes Erkennungszeichen wie das gepunktete Sommerkleid mit den Spaghettiträgern. Brigitte Ebersbach hat im Laufe der vergangenen 20 Jahre ihrem Verlag ein klares Profil gegeben: Er steht für ein engagiertes Literaturprogramm mit einem ausgeprägten Fokus auf die weibliche Kulturszene.
Warum sie in ihrem Programm fast ausschließlich auf Frauen setzt, ist die Verlegerin in der Vergangenheit mehr als einmal gefragt worden. Irgendwann war sie es furchtbar Leid zu erklären, dass sie beileibe nichts gegen Männer hat. „Ganz im Gegenteil! Nur erschien mir die weibliche Perspektive immer schon spannender. Es gibt so enorm viele Künstlerinnen − Malerinnen, Schriftstellerinnen, Fotografinnen u.a. −, deren Arbeit viel zu wenig gewürdigt wurde, obwohl sie in ihrem Werk oft radikaler, freier und unabhängiger waren als ihre − sehr viel bekannteren − männlichen Kollegen. Mir geht es in meinem Verlag nicht um Provokation. Die edition ebersbach macht Bücher von und über Frauen. Einfach so.“
Vor 25 Jahren kehrte die Germanistin Brigitte Ebersbach der Wissenschaft den Rücken und gründete gemeinsam mit anderen Frauen den ersten und einzigen Frauenverlag in der Schweiz. Ermutigt durch den Erfolg hob sie 1990 in Dortmund die edition ebersbach aus der Taufe. Zehn Jahre später verlegte sie den Hauptsitz nach Berlin. Spätestens seit dem Verkaufsschlager „Paris war eine Frau“ von Andrea Weiss im Jahr 1996 ist der Verlag eine bekannte Größe. Dieses Buch war ein Meilenstein in der Verlagsgeschichte, hat es doch das gesamte nachfolgende Programm beeinflusst.
Neben reich bebilderten Biografien finden sich im Programm der edition ebersbach Romane, Erzählungen, Reise- und Gourmetliteratur, Kalender und Buchaccessoires wie das Büchertagebuch oder die erfolgreichen Buchhüllen. Neben dem etablierten literarischen Frauenkalender und dem Künstlerinnen-Kalender gibt es seit einigen Jahren auch einen Männerkalender − natürlich in erster Linie für Frauen! Dazugekommen sind literarische Regional− und Städtekalender und − ganz aktuell – der Kalender „Geheimnisse der Mode“.
Im hart umkämpften Büchermarkt 20 Jahre unabhängig geblieben zu sein, wertet die Verlegerin rückblickend als ihren größten Erfolg. Nach ihrem Lieblingsbuch aus der edition ebersbach befragt, wird sie nachdenklich. Zu viele „glückliche Funde“ hat sie schon verlegt. „Spontan fällt mir Marianne Brentzels Biografie über die Nesthäkchen-Autorin Else Ury ein, ein Buch, mit dem ich mich sehr viel beschäftigt habe. Ich erinnere mich, wie wir es 1992 gegen die Widerstände des Buchhandels auf den Markt brachten. Egal, dachte ich, wir wagen es.“ Der Erfolg gab ihr Recht. Das Buch ist bis heute auf dem Markt.
Innehalten und Entschleunigung ist das Credo, das die edition ebersbach immer schon befolgt hat, indem sie wichtige und starke Titel lieferbar hält und neu auflegt. Das 20jährige Verlagsjubiläum nahm Verlegerin Brigitte Ebersbach zum Anlass, die SLOW Book-Bewegung anzustoßen. Die SLOW Book-Philosophie ist gegen eine Fast Food-Literatur und plädiert für Nachhaltigkeit auch beim Lesen. Die Kunst des Bücherlesens besteht darin, jedem Buch die Zeit zu geben, die es braucht. Mitunter auch die Zeit, es mehrmals zu lesen. Slow Book-Plakat und Postkarte zeigen eine Buchstaben-Schnecke: „Lesen und die Zeit vergessen“, lautet die Überschrift, „mit Büchern aus der edition ebersbach“.