Eine beachtliche Kraftanstrengung hat die Langenscheidt Gruppe unternommen, um die mobile Welt zu erobern. Wo das gelb-blaue Unternehmen in Zukunft seine Märkte sieht, dazu äußert sich Verlagsleiter Rolf Müller im Interview mit buchmarkt.de

Buchmarkt.de: Langenscheidt geht 2010 mit rund 1000 digitalen Applikationen an den Start, wie behält man da die Übersicht?
Rolf Müller: Wir arbeiten derzeit daran, dass Langenscheidt-Produkte – im ersten Schritt unsere Wörterbücher – für die unterschiedlichen mobilen Betriebssysteme zur Verfügung stehen. Dabei kommen den Anwendungen für das iPhone, iPad sowie Android und Blackberry besondere Bedeutung zu. Gleichzeitig werden wir aber auch für Bada, Symbian, Java und Windows Mobile entwickeln. D. h., die Wörterbuchsubstanzen werden für viele Plattformen aufbereitet. Parallel dazu werden für den internationalen Markt die Substanzen unter den Marken Berlitz sowie für den italienischen Markt unter Mondadori Langenscheidt fertig gestellt. Nach den Wörterbüchern folgen zeitnah weitere Substanzen: Nach dem gleichen Schema setzen wir Sprachführer und Vokabeltrainer unsere Entertainment- und Kindertitel usw. für die mobile Nutzung um.
Bei den Wörterbüchern werden es in Summe rund 70 Titel sein, die am Ende für bis zu sieben mobile Betriebssysteme zur Verfügung stehen werden. Die Bandbreite wird vier Wörterbuchgrößen sowie verschiedene Fachwörterbücher abdecken – es dürfte also für jeden Sprachinteressierten etwas dabei sein.
Hinzu kommt, dass wir für das iPhone und den iBookstore spezielle eBook Applikationen entwickeln.
Wie wollen Sie das alles auf einmal bewerben?
…das ist eine gute Frage – eine Bewerbung jedes einzelnen Titels ist nicht zu leisten. Aber die Erfahrung zeigt, dass mit dem Einstellen der mobilen Applikationen in die Downloadportale sehr gutes „selektives Marketing“ möglich ist. D.h., wir schnüren zu besonderen Aktionen attraktive Verkaufsangebote, die dann auch preislich sehr attraktiv sein können und erhöhen somit die Aufmerksamkeit am Markt. Wie Sie vielleicht wissen, ist Langenscheidt schon seit vielen Jahren Aussteller auf dem World Mobile Congress in Barcelona – die Messe findet jedes Jahr im Februar statt – diese Messe ist für uns enorm wichtig, weil gerade hier die Geschäfte angebahnt und abgeschlossen werden – egal, ob OEM oder Kooperationen mit internationalen MNOs (Mobile Network Operators). Diese Vereinbarungen stellen sicher, dass unsere Inhalte und unsere Marken optimal in die mobile Vertriebsstrategie eingebettet sind.
Zeitungsverlage setzen darin viele Hoffnungen. Sehen Sie darin tatsächlich die Zukunft für einen Markt?
Viele Verlage müssen sich mit veränderten Käufergewohnheiten auseinandersetzen. Informationen zu Fremdsprachen werden häufig unterwegs benötigt. Mit den technischen Entwicklungen entsteht für uns ein sehr interessanter Markt.
Sind Apps auf dem iPhone nackte Verzweiflung?
Nein, Verlage sollten die Vielzahl der neuen Plattformen und Vertriebswege eher als Chance sehen. Verzweiflung würde bedeuten keine Angebote für den Markt zu haben. Wir verkaufen Inhalte. Und die müssen dort zu finden sein, wo sie unsere Kunden haben wollen. Also selbstverständlich auch auf mobilen Endgeräten.
Was versprechen Sie sich von der Aktion?
Es ist weniger eine Aktion, als ein genau getakteter Publishing-Plan für neue Plattformen. Wir passen uns seit jeher dem Markt und der Nachfrage an. Als Konsequenz erwarten wir Marktanteile und Zusatzumsätze.
Glauben Sie, dass digitale Angebote auch den Printmarkt fördern?
Nein – das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Dem Image der Marke ist es allerdings medienübergreifend förderlich, auf allen wichtigen Medien mit aktuellen Angeboten vertreten zu sein. Ist der Kunde mit einem digitalen Angebot zufrieden, wird er möglicherweise beim Kauf eines Printproduktes nach demselben Anbieter greifen.
Sie bedienen inzwischen viele Märkte gleichzeitig. Wie flexibel muss man heute sein?
Für unsere physischen Produkte ist der Buchhandel der wichtigste Partner. Wir wissen aber, dass Vertriebsart und –kanäle sich parallel zum Mediennutzungs-verhalten stark verändern. Heute heißt es sich immer wieder auf die Frage zu konzentrieren: „Was benötigen meine Kunden und mit welchen Angeboten und Services kann ich sie wo bedienen.“
Wie lauten Ihre Erfahrungen? Welche funktionieren am besten?
Seit 2005 vertreiben wir Wörterbucher für mobile Endgeräte – das ist ja kein neues Geschäft für uns. Schon damals haben die mobilen Applikationen sehr schnell bei den verkauften Stückzahlen mit dem Verkauf von CD-ROMs gleichgezogen. Englisch ist nach wie vor die wichtigste Sprache gefolgt von Spanisch und Französisch. Derzeit können wir festhalten, dass sich die iPhone Anwendungen aber auch die für Android äußerst gut entwickeln.
Die Fragen stellte Matthias Koeffler