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Neue Buchhandlung in der Rostocker Altstadt

Carmen Hamann an der „Buchbar“

Für Carmen Hamann wurde am 25. Juni in diesem Jahr ein Traum Wirklichkeit: Sie eröffnete in der Altschmiedestraße 32 in Rostock ihre Buchhandlung buch … bar.

Die gelernte Buchhändlerin, die ihre Ausbildung in der Universitätsbuchhandlung Berlin begann und sich auf eine diesbezügliche Ausschreibung des Aufbau-Verlags beworben hatte, begründet ihre Affinität zum Beruf so: „Ich wollte immer gern mit Menschen umgehen, ursprünglich (zu DDR-Zeiten) auf Schiffen in die Welt hinaus fahren. Dieses Vorhaben war 1990 nicht mehr wichtig. Bei meiner Ausbildung zur Buchhändlerin hatte ich mit dem Handel und gleichzeitig mit dem Verlag zu tun, das war eine schöne und erlebnisreiche Zeit, in der ich viel gelernt habe. Buchhändlerin ist wirklich mein Traumberuf.“

2007 hat Carmen Hamann im eigenen Haus ihre erste, sehr private „Buchhandlung“ eingerichtet: Das etwa zehn Quadratmeter große Gästezimmer des Hauses wurde kurzerhand umgestaltet, Besuchstermine respektive Öffnungszeiten wurden abgesprochen, man saß mit den Kunden gemütlich bei Kaffee und Tee zusammen. Der Vorteil dieses Modells war es, dass sie sich zu Hause um ihre beiden Kinder kümmern konnte.„Lesungen waren schwierig unter den Raumverhältnissen, jedes Mal musste das Büro meines Mannes umgeräumt werden, um allen Besuchern Platz zu bieten“, erzählt sie.

Dennoch hat sie von Anfang an Buchvorstellungen angeboten, präsentiert jeweils zehn ausgewählte Bücher am Abend. Diese Veranstaltungen werden dreimal im Jahr durchgeführt und sind sehr beliebt.

Vor der offiziellen Eröffnung des Ladens in der Altschmiedestraße hatte Carmen Hamann bereits drei Präsentationsabende hinter sich, bis zu 55 Interessierte waren in das neue Domizil gekommen. „Viele kennen sich auch untereinander, mein Kundenkreis ist in den Jahren gewachsen und ich hoffe, er wird mit dem neuen Laden noch größer“, erläutert die stolze Geschäftsfrau. Bei der Auswahl ihrer Buchempfehlungen zieht sie lieber ihr eigenes Empfinden und die Wünsche ihrer Kunden zu Rate als Bestsellerlisten. Gerne nimmt sie auch ein älteres, aber wichtiges Buch mit in ihre Vorstellungsreihe auf.

Der Zufall verhalf Carmen Hamann zu den Räumen in der Altschmiedestraße 32. Das Haus, dessen Fundamente im 15. Jahrhundert gelegt wurden und dessen Neuaufbau nach einem Brand im 17. Jahrhundert datiert, stach der Buchhändlerin, die mit ihrer Familie nur zwei Ecken weiter wohnt, schon lange ins Auge. Die Druckerei, die bis vor kurzem hier ihren Sitz hatte, musste schließen, plötzlich war das begehrte Objekt zu mieten – Carmen Hamann nutzte die Chance. Der originale rötliche Farbton hebt dieses Gebäude von den anderen in der Straße ab, er wiederholt sich nun in verschiedenen Nuancen im Interieur der Buchhandlung.

Der hübsche und einladende, 54 Quadratmeter große Laden (davon stehen 35 Quadratmeter als Verkaufsfläche zur Verfügung) mit dem hellen Fußboden bietet Platz zum Stöbern, eine Sitzecke zum Blättern und eine Theke mit einem Stück Original-Wand im Hintergrund. Der Tresen kann auch als Bar dienen. „Bei der Namensgebung hatte ich eher das ‚buchbar’ im Kopf. Ich bin nämlich zu buchen, stelle meine Bücher auch in Firmen, Kindergärten und Schulen vor“, erklärt Carmen Hamann. Darüber hinaus fragten einige Besucher, was es denn mit der ‚Bar’ auf sich habe. Einen Kaffee kann man allemal bekommen, darüber hinaus – wer weiß, was der findigen Buchhändlerin noch einfällt. Weinflaschen mit dem passenden Label „Lesegut“ stehen schon im Regal.

Carmen Hamann, der ein Kollege als Aushilfe zur Seite steht, bietet ein allgemeines Sortiment an, wird allerdings den Bereich Architektur verstärken: „Hier in der Altstadt haben sich viele Architekturbüros niedergelassen.“ Die Verbindung zum Viertel ist ihr wichtig, so veranstaltet der Stadtteil einmal jährlich, im Juni, eine Kunstnacht, auch Carmen Hamann engagiert sich dabei.

Ihre Wünsche für die Zukunft sind bescheiden und weitreichend zugleich: „Ich möchte noch zwanzig Jahre als Buchhändlerin arbeiten“, sagt sie. Konkurrenz zur buch … bar sieht sie in den etwa zehn Rostocker Buchhandlungen nicht, die vom Stadthafen bis nach Warnemünde recht gut verteilt sind. Der Wettbewerb auf dem Markt wird eher von Amazon angeheizt.

Carmen Hamann aktualisiert ihre Internetseite www.buchbar-hamann.de ständig, weist auf Veranstaltungen hin und bietet ihren Service an.

Eine süße Kuriosität fällt im Non-Book-Bereich, das außerdem eine kleine, aber exklusive Auswahl an Papeterie enthält, auf: Hamann-Schokolade. „Wir sind nicht miteinander verwandt, aber ich fand den Namen der hochwertigen Schokolade so passend, dass ich sie mit in mein Portfolio aufnahm“, verrät die Buchhändlerin schmunzelnd.

JF

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