
Das Schwerste, nachdem er wußte, er habe den diesjährigen International IMPAC Dublin Literary Award gewonnen, sei es gewesen, darüber etwa noch einen Monat die Klappe zu halten. Dabei ist Gerbrand Bakker (Foto r.), dessen Figuren Meister des Schweigens oder irgendwie Drumrumredens sind, keiner, der das Herz auf der Zunge trägt. Mit seinem Verleger Christoph Buchwald, Uitgeverij Cossee in Amsterdam war er gestern im Düsseldorfer Heinrich Heine Haus.
Bis 2008 war Bakker in Deutschland völlig unbekannt. Zwar hatte der 1962 geborene Autor bereits bei Patmos einen Jugendroman veröffentlicht, aber richtig los ging es erst mit seinem erstaunlichen Werk Oben ist es still (Suhrkamp), für den er jetzt – neben zahlreichen anderen Auszeichnungen – den Impact erhielt. Das Buch ist in Holland 100.000mal verkauft (in Deutschland bislang 40.000mal) und in 17 Sprachen übersetzt, demnächst wird auch eine Verfilmung des Werkes zu sehen sein. Gekommen war Bakker mit seinem neuen Roman Juni, und in Holland wird im Herbst sein dritter Roman erscheinen: Der Umweg.
Dieser Titel sei ihm der liebste, verriet Bakker, der sich mit Christoph Buchwald gestern auf ein Werkstattgespräch einließ: Wenn er schreibe, wisse er eigentlich nicht, was in seinen Büchern los sein. Der studierte Literaturwissenschaftler und Diplomgärtner habe keinen Plan, wenn er schreibt; was da schließlich aufs Papier komme, komme direkt (und über Umwege?) aus seinem Hinterkopf. Was in seinen Büchern wirklich geschehe, erfahre er eigentlich erst durch seine Leser.
Beispiel: eine Lesung in Den Haag. Daß Bakker mit Religion nichts am Hut hat, glaubt man ihm nach der Lektüre seiner Werke sofort. Aber ein Leser meldete sich in einer Veranstaltung zu Wort, brillierte mit einer Exegese von Bakkers Debütroman: “Da war ich baff”, erzählt Bakker, “und ich hab dem Mann gesagt: Das ist gut. Können Sie mir das morgen bitte emailen?” Anekdoten? Eulenspiegeleien?
In seinem Werk ist mehr autobiographisch, als man auf den ersten Blick vermutet. Den Königinnenbesuch aus Juni hat er als Kind erlebt, und der schreckliche Unfall an diesem Tag – er kostete seinen kleinen Bruder das Leben. Bakkers Leser wissen, wie wie diese Geschichten sich in Juni unter der Hand des Autors gewandelt haben.
Aber man versteht nach diesem Werkstattgespräch besser, warum Bakkers Figuren so beredt schweigen können oder beim Reden nie aufs Eigentliche kommen. Das sei doch handwerklich schwer zu machen, fragte Buchwald. Och, meinte der Autor, wenn man man sieben Jahre niederländische Untertitel für englische Sitcoms geschrieben habe, weiß man, wie man wörtliche Rede “eindampft”…