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Langenscheidt: 71 Stellen sollen wegfallen, der Verlag wird völlig umgebaut

In München ist das schon seit der Betriebsversammlung vor einigen Wochen Thema, auch weil sich schon überall Mitarbeiter des Verlages bei anderen Firmen bewerben: Da hatte Andreas Langenscheidt der Belegschaft schon sagen müssen, dass auch im Stammhaus einschneidende Veränderungen nötig sein werden, um das Unternehmen zu erhalten.

Der Verkauf des Logistik-Zentrums TVA an Rhenus [mehr…] war also nur der zweite Schritt der „Konzentration Langenscheidts auf das eigentliche Kerngeschäft Sprachen und Reisen“ (der erste war vor einigen Monatendie Trennung von der eigenen Druckerei in Singapur ). Der Umbau ist nötig, weil das Haus auf dem heimischen Markt mit massiven Umsatzeinbrüchen zu kämpfen hat (was in den Auslandsmärkten des Hauses nicht so deutlich wird und wo Langenscheidt im Einzelfall sogar zugelegt hat).

Jetzt veröffentlicht der Verlag eine Presseerklärung, in der die „vorgesehene schlankere Struktur“ deutlicher wird: „Einvernehmlich mit dem Langenscheidt Betriebsrat wurde in den letzten Wochen eine sozialverträgliche Lösung mit Interessenausgleich und Sozialplan erarbeitet. Bis Ende 2011 können so bis zu 71 Stellen abgebaut werden. Die Mehrzahl davon sind befristete Verträge, weitere Mitarbeiter erhalten Angebote für vorzeitigen Ruhestand, aktuell sind 20 betriebsbedingte Kündigungen unvermeidlich. Im Rahmen der Verhandlungen mit dem Betriebsrat wurde der Standort München gesichert und ein Fonds für soziale Härtefälle eingerichtet. Langenscheidt bietet darüber hinaus den Betroffenen unterstützende Outplacement-Maßnahmen an“, heißt es in der Presseerklärung.

Ab 2011 soll die neue Struktur umgesetzt werden: Der langjährige Redaktionsleiter Dr. Herbert Bornebusch (55) verantwortet künftig den Geschäftsbereich „Lehrwerke“. Alexandra Kiesling (39), bislang für das Auslandsgeschäft und Nebenmärkte zuständig, übernimmt die Unit „Sprachenlernen“. Barbara Lennartz (56), bislang Chefredakteurin Polyglott und verantwortlich für Prozessoptimierung in der Gruppe, wird die Bereiche „Wörterbücher“ sowie „Reise“ führen. Dorothee Ronge (35), bisher für internationale Kooperationen zuständig, wird das Geschäftsfeld „Kinder- & Jugendbuch“ und das „Entertainment-Programm“ weiterentwickeln. Die Redaktionsleiterin „Multimediales Lernen“, Silke Exius, verlässt das Unternehmen. Der bisherige Wörterbuch-Redaktionsleiter, Dr. Vincent Docherty, wird innerhalb der Verlagsgruppe künftig „Innovationen und den internationalen Bereich Sprachen“ verantworten.

Die Neuorganisation des Unternehmens sieht eine Aufteilung in Business-Units vor, deren Verantwortliche Mitglieder der Geschäftsleitung sein werden. Diese Positionen werden aus dem Haus besetzt. „Die neue Struktur soll gewährleisten, dass Redaktion, Herstellung und vor allem Vertrieb aus einer Hand kommen und somit ein hohes Maß an Synergien und Umsetzungsgeschwindigkeit entsteht“, heißt es in der Presseerklärung.

Verleger Andreas Langenscheidt wird so zitiert: „Dies ist ein zentraler Schritt in der Umsetzungsphase unseres im vergangenen Jahr begonnenen Neustrukturierungsprozesses. Wandel ist für uns nichts Neues. Seit über 150 Jahren hat sich unser Haus stetig dem veränderten Medienverhalten seiner Kunden angepasst und prägte mit richtungsweisenden Innovationen den Markt. Auf Basis der Stärke unserer Marken, mit einem engagierten Team, einer neuen, schlanken und agilen Struktur vollziehen wir nun einen umfangreichen, mutigen und zukunftssichernden Schritt, der es uns ermöglicht, schon ab 2011 neue Wachstumschancen wahrzunehmen.“

Was allerdings auffällt: Es fehlen Namen aus der bisherigen Geschäftsleitung, über deren Zukunft die Branche gern mehr wissen würde. Mehr auch dazu, wenn wir Verlässliches melden können – man ist mit ihnen noch im Gespräch,

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