Heute veranstaltet PaperC in Berlin die Buch Digitale, eine Fachkonferenz für Neues Publizieren. Rund 160 Teilnehmer werden einen Tag lang über Open Access, E-Books und das Publizieren im Netz diskutieren.
Anlässlich der Konferenz sprach buchmarkt.de mit Martin Fröhlich und Felix Hofmann über ihr Unternehmen gesprochen.

Foto: PaperC
Bücher kostenlos ins Internet zu stellen, noch dazu auf eine Plattform, an der ein fremdes Unternehmen verdient – wieso sollte ein Verlag das tun?
Felix Hofmann: Das haben die Verlage sich am Anfang auch gefragt, aber mittlerweile werden sie immer aufgeschlossener. Wir sind eine übergreifende Plattform, die sich an den Endkunden richtet. Deshalb können wir den Verlagen Daten liefern, die sehr wertvoll sind: Welche Titel werden am häufigsten nachgefragt? Was sind die häufigsten Suchbegriffe? Wie viele Notizen machen sich die Leser, welche Stellen zitieren sie? Insgesamt gibt das ein Bild darüber, wie Leser von heute mit Fachbüchern umgehen. Und die Verlage erfahren auch, was sich Leser wünschen, wenn sie ein Buch online oder als E-Book lesen. Das sind ja ganz andere Dinge als beim klassischen Buch, darüber wissen die Verlage noch nicht viel.
Martin Fröhlich: Und natürlich haben die Verlage auch einen finanziellen Nutzen. Von den 10 Cent, die beim Ausdrucken einer Seite fällig werden, bekommen sie einen Teil. Wir verlinken von unserer Seite zu amazon oder zum Verlagsshop, demnächst bieten wir auch E-Books an. Und wir führen ein Leselimit ein. Die Nutzer können eine bestimmte Zeit in einem Buch lesen, danach müssen sie zahlen. An Bibliotheken verkaufen die Verlage ein unbegrenztes Leserecht. PaperC bietet nur ein begrenztes Leserecht an.
Die Verlage erfahren, welche Bücher am häufigsten gelesen werden. Aber ist die Lesehäufigkeit bei Fachbüchern überhaupt so relevant?
Fröhlich: Es geht nicht so sehr um die Lesehäufigkeit, sondern darum, von den Nutzern zu lernen. O’Reilly hat damit ja schon angefangen, als er Neuauflagen von Büchern mithilfe der Leser erstellte. PaperC geht in dieselbe Richtung.
Gibt es beim Open Access irgendeine Grenze? Kann man in zehn Jahren auf PaperC auch alle verfügbaren Romane lesen?
Fröhlich: Wir konzentrieren uns auf den wissenschaftlichen Content, wir wollen die Plattform für Fachbücher und Fachdokumente werden. An Fachzeitschriften haben wir uns bisher nicht getraut, wir bleiben erst einmal bei Büchern und aktuellen Studien. Da wollen wir das Fachportal weltweit werden. Wir sind in Verhandlungen mit Oxford University Press, gerade haben wir mit OECD einen Vertrag unterzeichnet.
Sind Sie so etwas wie die Bibliothekare der Zukunft?
Hofmann: So sehen wir uns nicht. Wir arbeiten kommerziell und werden nicht von öffentlichen Stellen gefördert. Wir möchten gewisse Tendenzen in Einklang bringen: Verlage und Autoren, die Geld verdienen wollen, und die Open Access-Bewegung. Wir können die Bibliotheken ja auch nicht ersetzen, wir fokussieren uns nur auf einen bestimmten Bereich. In einigen Bereichen sind wir gut, in anderen weniger gut aufgestellt. Aber ich denke, bei Fachbüchern hat eine digitale Bibliothek gegenüber einer klassischen Bibliothek extrem viele Vorteile: Man kann ganze Bücher nach Stichworten durchsuchen. In den Büchern findet man Kommentare von anderen Lesern, und gleichzeitig sieht man, ob diese Kommentare von Erstsemestlern oder von Doktoranden stammen.
Fröhlich: Die Bibliothek wird ihre Werthaltigkeit beibehalten, aber sie wird eine neue Rolle übernehmen. Dort findet in Zukunft eher Gruppenarbeit statt, oder man trifft sich mit seinem Doktorvater. Es wird auch immer Leute geben, die Bücher lieber aus dem Regal ziehen. Aber wir glauben, dass in Zukunft vieles im Internet stattfinden wird.
Interview: Katharina Bendixen