Im Rahmen der zweiten Buch Digitale, die das Leipziger Unternehmen PaperC [mehr…] gemeinsam mit SWOP.Medien und Konferenzen gestern im Ludwig Erhard Haus in Berlin veranstaltete, wurde tredition mit dem mit 1.000 Euro dotierten Buch Digitale Innovation Pitch (BUDIP) ausgezeichnet. Die Geschäftsführer Sandra Latußeck und Sönke Schulz (Foto) nahmen den Preis entgegen.
Das Hamburger Unternehmen, das Autoren eine innovative Veröffentlichungsmöglichkeit jenseits der klassischen Verlage bietet, konnte sich gegen vier weitere Start-Ups der Endrunde durchsetzen. Auf seiner Website www.tredition.de bringt tredition Autoren mit Lektoren, Illustratoren, Übersetzern und Sprechern zusammen und veröffentlicht das fertige Werk als E-Book, Audio-Book und gedrucktes Buch.
Der BUDIP-Award wurde in diesem Jahr erstmals verliehen. Alle Teilnehmer der Buch Digitale konnten per SMS abstimmen, nachdem die Jury, der Christophe F. Maire (CEO textr), Friedemann Stier (Investment Director CFH Beteiligungsgesellschaft) und der Berater und Blogger Leander Wattig angehörten, ihr Urteil abgegeben hatten.
Die diesjährige BuchDigitale war mit 170 Teilnehmern, darunter Verlage, Dienstleister und Universitäten, restlos ausgebucht. Martina Tittel, Consultant für Handels- und Kulturmarketing, führte schwungvoll durch den Tag.
In Vorträgen kamen nicht nur Experten wie Christophe Maire, Frances Pinter (Bloomsbury Academic) und Investor und Berater Rob Kniaz zu Wort, in diesem Jahr stand der direkte Austausch der Teilnehmer mit Experten und Kollegen im Vordergrund. Dazu hatten sich die Veranstalter zehn verschiedene Round Table Sessions einfallen lassen.
Besonders umlagert waren unter anderem die Tische von Giles Grant, Strategy & Business Development Director bei Thomson Reuters, der E-Reader-Lösungen für professionelle Anwender vorstellte, und von Markus Hartmann, dem Leiter Produktionsservice der hgv publishing services. Hartmann führte vor, wie E-.Books und die begleitende Produktinformationen zum Verkaufsportal kommen und wie Verlage große Portale und Nischenmärkte bedienen können. Viel beachtet wurde auch der runde Tisch der jungen Expertinnen Claudia Feldtenzer (Pressereferentin und Social-Media-Beauftragte bei Pantheon und DVA) und Katharina Scholz (Kundenmanagerin bei Piper und Nachwuchssprecherin des Börsenvereins) zum Thema „Digital Natives meet Book Industry“, an dem die Teilnehmer erfuhren, wie junge Menschen lesen und wo und wie man Bücher künftig ins Gespräch bringen sollte.
Eins wurde in allen Diskussionen deutlich: Für die Branche ist es höchste Zeit, sich auf die neuen Marktverhältnisse einzustellen. Wer zu lange zögert, könnte bald abgehängt werden. Neue Geschäftsmodelle, die Zukunft von Open-Access, die Bedeutung sozialer Netzwerke, Distributoren und Aggregatoren, Apps, enhanced E-Books, Reader- und Tabletlösungen – es standen viele Fragen auf der Agenda.
Es komme nun darauf an, die verschiedenen Einzelaspekte zu vernetzen. Alles andere gleiche einem Verkehrsstau, bei dem die vielen Autos nicht weiterkommen, weil sie sich gegenseitig ausbremsen, betonte Okke Schlüter, Professor an der Hochschule für Medien in Stuttgart, in der Abschlussdiskussion „Quo vadis Verlagswelt?“. „Das Buch wird nicht verschwinden, aber es muss einen Teil seiner Aufmerksamkeit an andere Medien abgeben“, sagte er in der von Arnoud de Kemp moderierten Runde.
Die Verlage sollten den Mut haben, viele junge Leute einzustellen, die das Thema E-Book-voranbringen, riet Ralf Birkelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung Springer Fachmedien Wiesbaden. Vor allem im Lehrbuchbereich sieht Birkelbach das gedruckte Buch bedroht. Die Digitalisierung stecke zwar noch in den Kinderschuhen, doch in fünf bis zehn Jahren werde sich in diesem Bereich das E-Book durchgesetzt haben. Fachbuchhandlungen blieben zwar ein wichtiger Partner der Verlage, doch ihre Bedeutung nehme ab. Studenten suchten künftig nicht mehr einzelne Bücher, sondern E-Book-Pakete, die sie sich nach ihren Bedürfnissen zusammenstellen. Denkbar seien auch Abosysteme über Bibliotheken, die den Studenten den digitalen Zugang zu Fachliteratur ermöglichen.
Es sei ja das Gute am Medienwandel, dass er den Kunden in den Mittelpunkt rückt, betonte Leander Wattig und frei nach Alice im Wunderland schloss Arnoud de Kemp die Konferenz: „Man weiß sehr wenig, darum geht man so gerne hin.“
Das Thema bleibt spannend: Die nächste Buch-Digitale findet im September 2011 in Berlin statt.
Informationen unter www.buch-digitale.de
ML