
Im Jüdischen Museum Frankfurt präsentierte gestern Abend die Autorin Antje Vollmer im Gespräch mit der Journalistin und Autorin Wibke Bruhns ihr Buch Doppelleben, das soeben in der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK im Eichborn Verlag erschienen ist.
Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt durchgeführt, ihr Vorstandsvorsitzender Andreas von Schoeler begrüßte die Gäste und stellte beide Autorinnen kurz vor.
Christian Döring, Lektor und ab 1. Januar 2011 Leiter der bibliophilen Verlagsreihe, sprach über die Geschichte dieses 309. Bandes der Reihe, in dessen Mittelpunkt das junge Paar Heinrich und Gottliebe von Lehndorff steht. Beide wagten den Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop, Heinrich von Lehndorff engagierte sich maßgeblich im Kreis um Stauffenberg und Tresckow. Nach dem gescheiteten Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 wurde auch Heinrich von Lehndorff festgenommen, am 4. September wurde er unmittelbar nach dem Prozess hingerichtet.
Die Doppelbiografie enthält nicht nur neues, bislang unbekanntes Material und viele Dokumente – darunter den zehnseitigen Abschiedsbrief Heinrich von Lehndorffs als emotionalstes Zeugnis der Liebe und Überzeugung –, sondern auch zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos.
Christian Döring hob die Beschaffungsleidenschaft der Autorin und ihr Gespür für historische Gerechtigkeit hervor. Das Buch ist geschrieben worden, um einer zweiten Niederlage der Attentäter entgegenzuwirken – dem Vergessen ihrer mutigen Tat in der Öffentlichkeit.
Im Gespräch zwischen Wibke Bruhns, deren Vater Hans Georg Klamroth zur Gruppe der Attentäter des 20. Juli 1944 zählte und der ebenfalls hingerichtet wurde, und Antje Vollmer wurde die Bedeutung dieses Kampfes gegen ein menschenverachtendes Tyrannenregime deutlich.
Doppelleben. Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop, wie der vollständige Buchtitel lautet, befasst sich mit dem facettenreichen Widerstand im eigenen Land und holt ein Kapitel deutscher Geschichte, dass droht, in Vergessenheit zu geraten, in die Öffentlichkeit zurück.
JF