
In Essen wurde ihm ein roter Teppich ausgerollt [mehr…], gestern Abend im Düsseldorfer Heinrich Heine Haus brachte ihm das Publikum ein nachträgliches Geburtstagsständchen und überreichte ihm am Ende der Veranstaltung ein Gästebuch des Abends: Klaus Wagenbach (Foto) stellte sein Buch Die Freiheit des Verlegens vor.
Ein bißchen betrachtet Wagenbach dieses Buch als Autobiographie, in der seine „Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe“ kurzweilig versammelt sind. „Das ist keine runtergenudelte Biographie, die langweilig ist, oder so ein dickes Buch, wo man dem Helden noch auf die Toilette folgen muß.“

Wagenbach las einige Texte mit Geschichten über Mutter und Großvater, Texte über seine ersten Reisen nach Italien und plauderte mit Rudolf Müller launig über sein dienstältestes Witwendasein in Sachen Kafka. Wie er über den Anfang der 50er Jahre in Deutschland inexistenten Autor geforscht hat – in der Tschechoslowakei, wo man den Namen Kafka besser nicht in den Mund nahm.
Ein einziges Mal in seiner ganzen Verlegerlaufbahn sei er mit einem Buch seines Verlags auf der Bestsellerliste gelandet: „Aber mir hat das Buch da eher leidgetan. Das Leinenbändchen fühlte sich sichtlich unwohl zwischen all dem Hochglanz mit einer Halbwertszeit von höchstens drei Monaten“ – und das war natürlich die perfekte Überleitung zum Thema „Zukunft des Buches“: „Das Buch ist ein 2000 Jahre altes Objekt. Das geht nicht unter“ – mehr will Wagenbach zu diesen ganzen Untergangsszenarien, für die er das Wort „Quatsch“ benutzt, gar nicht sagen. „Unsere Bücher waren und sind allein durch die Ausstattung ein Attentat auf Wegwerfbücher“, und dann weiß er doch noch eine Geschichte: „Mit Büchern machen wir Zukunft. Stellen Sie sich den Urenkel vor, der auf dem Dachboden ein Buch und irgendso ein Plastikdings findet. Wonach wird er greifen? Nach dem Buch natürlich. Weil es für das ach so zukünftige elektronische Medium schon längst kein Abspielgerät mehr gibt…“