Heute Mittag trafen sich zahlreiche Berliner Journalisten im Max Liebermann Haus am Brandenburger Tor. Anlass war die Premiere des neuen Buchs von Annette Schavan Gott ist größer, als wir glauben. Visionen für Kirche und Welt, das im Leipziger Benno Verlag erschienen ist.

In dem Buch spricht die CDU-Politikerin und Bundesbildungsministerin in einem persönlichen und zugleich politischen Interview mit dem Journalisten Volker Resing ungewöhnlich offen über die Kirche.
Bei der Buchpremiere nahm neben der Ministerin Bundesgesundheitsminister Philipp Rös¬ler (FDP) auf dem Podium Platz. Rösler ist wie Schavan praktizierender Katholik. Das hochaktuelle Buch seiner Kollegin schärfe das theologische Verständnis und beschreibe die Probleme der Zeit wie kein zweites. Es passe daher genau in die tagespolitische Debatte, so Rösler.
Die Bedeutung der Religion nehme weltweit immer mehr zu, sagte die studierte Theologin Annette Schavan und warnte vor falscher Scheu. Die Kirche dürfe das Politische nicht aus Angst vor Auseinandersetzungen aufgeben. Vielmehr müssten Christen ermutigt werden, in die Politik zu gehen. Schavan plädierte für einen gelassenen Katholizismus. Die Kirche liege ihr am Herzen, aber manchmal habe sie den Eindruck, dass ihr Vergangenes lieber ist als Zukünftiges. „Wo nichts Neues zugelassen wird, da bricht Tradition eher.“
Die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche müsse gestärkt werden, forderte die Ministerin. Ohne Frauen sei das Gemeindeleben in Deutschland nicht vorstellbar. Zugleich sei die Kirche auf der Ebene von Amt und Leitung eine Kirche der Männer, betonte Schavan. Das führe zu einer Entfremdung zwischen Frauen und der Kirche. Viele Frauen seien müde geworden, die immer gleichen Diskussionen zu führen.
Und was lernt man in der Kirche? Demut? Dazu die Ministerin: „Demut habe ich in der Politik gelernt.“
ML