Wie jetzt bekannt wird, ist der im Exil lebende chinesische Schriftsteller Bei Ling im Zusammenhang seiner Biografie über Liu Xiaobo am 3. November 2010 am Flughafen in Peking von über 20 schwerbewaffneten Polizisten festgenommen worden. Sein Buch soll am 10. Dezember beim Riva Verlag unter dem Titel Mein Freund Liu. Die ganz persönliche Biografie des Friedensnobelpreisträgers erscheinen und war bisher noch nicht angekündigt.
Wie der Verlag mitteilt, wurden ihm seine Manuskripte abgenommen, darunter wichtige Kapitel der Biografie. Diese wird am 10. Dezember trotzdem im riva Verlag erscheinen, teilt der Verlag nun mit.
Bei Ling befand sich am 3. November 2010 auf der Durchreise von Frankfurt über Peking nach Taipei (Taiwan). Am Morgen seiner Ankunft am Flughafen in Peking wurde er beim Verlassen des Flugzeugs an der Luke von über 20 schwerbewaffneten Polizisten empfangen und in Gewahrsam genommen. Nach zwei Stunden erst teilte ihm die Wachmannschaft mit, dass man in der Hauptstadt einen Befehl erhalten habe. Demnach dürfe er keineswegs den Anschlussflug der Air China CA 189 um zwei Uhr nachmittags nach Taipei nehmen, für den er bereits eine Bordkarte hatte. Anschließend wurde er zu derselben Maschine gebracht, mit der er gerade angekommen war und musste mit dem Flug CA 931 der Air China von Peking zurück nach Frankfurt fliegen.
Bei Ling über den Vorfall: „Obwohl ich keinen Widerstand leistete, packten mich die Polizisten und zerrten mich zu einem ihrer Lieferwagen, mit dem sie mich zum Flugzeug brachten. Als mich die immer noch ungefähr 20 Polizisten in den Wagen schoben, verrenkte ich mir den Rücken. Während des Fluges wurden die Schmerzen immer schlimmer. Ich hätte an einer Diskussionsveranstaltung der Dongwu-Universität teilnehmen sollen. Mein Gepäck wurde am Pekinger Flughafen von der Polizei eingezogen. Im Koffer befanden sich vor allem Manuskripte meiner Biografie über Liu Xiaobo.“
Liu Xiaobo sitzt in einem Gefängnis 500 Kilometer von seinem Zuhause in Peking entfernt. Der chinesische Dissident und Präsident des PEN-Clubs unabhängiger Schriftsteller in China wurde zu elf Jahren Haft verurteilt. Der Vorwurf: Untergrabung der Staatsgewalt. Am 10. Dezember erhält der Kämpfer für Menschenrechte den Friedensnobelpreis.
Sein enger Freund, der Schriftsteller und Dissident Bei Ling, hatte mit ihm den PEN-Club in China gegründet. Auch er wurde von den chinesischen Sicherheitsbehörden verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Bei Ling wurde freigelassen, weil sich namhafte Schriftstellerkollegen wie Günther Grass oder Susan Sontag für ihn einsetzen. Jetzt schreibt er die ganz persönliche Biografie von Liu Xiaobo und den gemeinsamen Kampf gegen das übermächtige Regime.