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„Gut zum Druck“: Erstmals feierten sächsische Verlage und Autoren

Mit der Verleihung des „Literaturförderpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst“ an den Dresdner Autor Jens Wonneberger ging gestern das Fest der sächsischen Verlage und Autoren „Gut zum Druck“ zu Ende.

Zwei Tage lang stellten neunzehn Verlage aus Sachsen im Leipziger Haus des Buches ihr Verlagsprogramm vor. Als Gastverlag war Suhrkamp aus Berlin angereist. Zahlreiche Lesungen rundeten die Verlagsmesse ab.

„Wir wollten das Kleine im Großen zeigen, deshalb haben wir uns auf die Region beschränkt“, erklärt Sibille Tröml, Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrats

Thomas Sparr (Suhrkamp) spricht mit Sibille Tröml
(Sächsischer Literaturrat) über das „zweiflüglige Wesen Buch“

e.V., der die Verlagsmesse ins Leben gerufen hatte. Die teilnehmenden Verlage zeigten sich angetan von der Idee einer Leipziger Herbstmesse, die Autoren auf dem Podium waren zufrieden. Nur die Besucherzahlen könnten noch steigen. „Die, die gekommen sind, waren sehr interessiert“, sagt Tröml. Leider hatten sich an zwei verregneten Herbsttagen nicht allzu viele Besucher ins Haus des Buches getraut – ein Problem, mit dem nicht wenige Literaturveranstaltungen in Leipzig zu kämpfen haben. Für eine Fortsetzung der Veranstaltung im kommenden Jahr werde über einen Ortswechsel innerhalb Leipzigs nachgedacht. „Man sollte uns nicht gleich beim ersten Mal an Kleinverlagsmessen in Berlin oder München messen“, so Tröml. Schließlich sei aller Anfang schwer.

Gemischt fiel auch das Urteil der sächsischen Verleger aus, die am Samstagnachmittag über das Verlegen in Sachsen diskutierten. Das Spektrum auf dem Podium reichte vom literarischen Hobbyverleger Lutz Graner (Eichenspinner Verlag), der mit seinen Büchern kein Geld verdienen möchte, über in der Literaturszene bereits etablierte Verlage wie Voland & Quist und poetenladen bis hin zum Sachbuchverleger Helmut Stadeler von Bussert & Stadeler, der mit einer Geschichte des FC Carl Zeiss Jena einen Bestseller landen konnte.

Wie kommen die Autoren zum Verlag? Wie kommen die Bücher zum Leser? Mit welchen Schwierigkeiten haben Verleger in Sachsen zu kämpfen? So lauteten die Fragen von Moderator Michael Hametner von MDR Figaro.

Andreas Heidtmann (poetenladen), Sebastian Wolter (Voland & Quist)
, Helmut Stadeler (Bussert & Stadeler), Michael Hametner (MDR Figaro),
Jonas Plöttner (Plöttner) und Lutz Graner (Eichenspinner) verständigen
sich über die Chancen und Probleme sächsischer Verlage

Dass der Vertrieb der Bücher – vor allem außerhalb der Region – die größten Schwierigkeiten bereite, darüber waren sich die Verleger einig. Sebastian Wolter (Voland & Quist) und Andreas Heidtmann (poetenladen) kritisierten, dass in Leipzig ein hochwertiges Feuilleton fehle, das die Bücher auf ihrem Weg in die Öffentlichkeit begleite.

Immerhin: „Gut zum Druck“ kann diese Öffentlichkeit für Verlage, Autoren und Bücher schaffen. Wenn die Veranstaltung in Leipzig zu einer Tradition wird, finden vielleicht im nächsten Jahr mehr Bücher ihren Weg zum Leser. Man muss es ja nicht so zynisch wie Andreas Heidtmann sehen, der – befragt zur Bücherflut und steigendem Novitätenausstoß – auf dem Podium formulierte: „Manchmal glaube ich, die Aufgabe von Verlagen ist es eher, Bücher nicht zu verlegen.“
BX

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