Hommage an Berthold Beitz: Gestern Abend stellte der Berlin Verlag im Haus der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin Joachim Käppners Biographie über Berthold Beitz vor, den Mann, von dem John F. Kennedy sagte „Endlich mal ein unverkrampfter Deutscher.“

Elisabeth Ruge, Fritz Pleitgen
Berthold Beitz. Die Biographie ist ab morgen im Handel, doch schon im Vorfeld fand das Buch von Joachim Käppner, promovierter Historiker und Redakteur der Süddeutschen Zeitung, viel Beachtung in den Medien. Der Verlag druckt bereits nach, denn die erste Auflage von 40.000 Exemplaren ist komplett ausgeliefert.
Moderiert von Fritz Pleitgen stellte Käppner sein Buch im Gespräch mit Peer Steinbrück, dem früheren Bundesfinanzminister und Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp, vor. Die „Jahrhundertbiografie“ beschreibe einen ausgezeichneten Mann mit herausragenden Eigenschaften lobte Steinbrück, der die „konkret gelebte Menschlichkeit“ des 97-Jährigen Berthold Beitz hervorhob.

Lange hatte Käppner darauf gewartet, ein Interview mit Beitz zu führen. Als es dann zustande kam, war er auf Anhieb fasziniert von dem Mann, der Krupp in den 50er Jahren zu einem weltweit anerkannten Unternehmen machte. Das sei der Auslöser für das Buch gewesen, erzählte Käppner. Zwei Jahre lang hat er daran gearbeitet und gründlich recherchiert. Er durchforstete Archive im Hause Thyssen-Krupp, führte viele Gespräche mit Berthold Beitz und auch mit Weggefährten. Besonders beeindruckt habe ihn ein Besuch in Israel, wo er Menschen traf, die Beitz in Boryslaw begegnet waren, so Käppner. Lange habe Beitz nicht darüber gesprochen, dass er zwischen 1942 und 1944 in Polen Hunderten von verfolgten Juden das Leben gerettet hatte. Von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde er dafür als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.
Es war eine beeindruckende Diskussion über Beitz‘ Lebensleistung, bei der man gerne noch länger zugehört hätte. „Sie wissen noch gar nichts“, gab Pleitgen dem Publikum abschließend mit auf den Weg. „Sie müssen das Buch lesen!“ befahl er den 130 geladenen Gästen. Ein Jahrhundertbuch eben, das auch Einblick in rund hundert Jahre bewegte deutsche Geschichte gibt. „Was für ein Leben! Und was für eine Lebensleistung!“, schreibt Helmut Schmidt im Vorwort.
ML







