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Trauriges Kapitel erstmals ins Licht gerückt

Autorin Renate Hebauf

Anfang November präsentierte der CoCon-Verlag Hanau das Buch Gaußstraße 14. Ein „Ghettohaus“ in Frankfurt am Main, verfasst von der Autorin Renate Hebauf, die 1978 als Studentin in dieses noch heute stehende, 1911 erbaute Mietshaus einzog. 1981 erfuhr sie durch Zufall von der traurigen Geschichte des Gebäudes, es war zwischen 1941 und 1944 eines von etwa 300 „Ghettohäusern“ in Frankfurt, in denen jüdische Bürger auf engem Raum zwangseinquartiert worden waren.

Die Journalistin Renate Hebauf begann, unterbrochen von Auslandsaufenthalten und anderen Arbeiten, also bereits vor fast 30 Jahren mit der Spurensuche und erforschte das Schicksal einzelner Familien anhand von Dokumenten, Erzählungen, Briefen, Tagebüchern und Fotos. Die Bilanz ist erschütternd: 10 „Stolpersteine“ erinnern heute vor dem Haus an die Ermordeten, die dort ihren festen Wohnsitz hatten. Doch es gibt 30 weitere Opfer unter den ehemaligen Bewohnern, ihre Geschichte dokumentiert das Buch, das auch den Schicksalen der Überlebenden und Davongekommenen nachgeht.

„An den Geschichten der Familien wird der Prozess des NS-Terrors deutlich“, unterstreicht die Autorin. Die jüdischen Menschen waren vor Beginn der Nazi-Herrschaft in die Gesellschaft integriert und wurden dann immer weiter aus dem sozialen Umfeld herausgedrängt. Alle wissen heute, dass dieser Prozess bis zur Deportation und zum Völkermord führte.

Über die „Ghettohäuser“ ist bislang wenig bekannt und noch weniger veröffentlicht. Renate Hebauf ist es in aufwändiger Recherche gelungen, Licht in dieses dunkle Kapitel zu bringen. Sie hat damit den Opfern Gesichter gegeben und ein Stück ihrer Geschichte zurückgebracht.

JF

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