Druckfrisch liegt die inzwischen sechste Ausgabe von Ausgezeichnet! Internationale preisgekrönte Bücher und Autoren und die Preise der deutschen Schallplattenkritik vor.
Die Redaktion hat wieder zur Vorweihnachtszeit eine aktuelle Auswahl der interessantesten Auszeichnungen in den Segmenten Biografie, Comic, Hörbuch, Kinder- und Jugendbuch, Kriminalroman, Belletristik, Lyrik, Phantastik, Reiseliteratur, Sachbuch und Übersetzung zusammengestellt und präsentiert sie im Licht der Jurybegründungen und Medienkritik.

buchmarkt.de sprach mit Herausgeberin Margrit Philipp.
Fangen wir mit ein paar Eckzahlen zur 6. Ausgabe von „Ausgezeichnet!“ an: Wo überall bekommt man es, und wie lange haben Sie eigentlich dran gearbeitet?
Margrit Philipp: Tja, die viele Zeit, die darin steckt, sieht man dem Heft im Taschenbuchformat nicht an. Zusammen mit der Preisrecherche, dem Lesepensum der Bücher, der Verkaufe, den organisatorischen Anforderungen über die vielen Verlage hinweg, dem Internetauftritt und den aufwändigen Aktivitäten drum herum erstreckt sich das Projekt über ein halbes Jahr. Dann wandert es zur Vorweihnachtszeit über KNV in rund 3500 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um dort neben den vielen opulenten, hochglänzenden Verlagspublikationen zu bestehen.

Aber der Zwerg mopst sich und wird zunehmend vom Publikum nachgefragt. Eine große Auflage verschenken wir im Zusammenhang mit Buchausstellungen im Rahmen der süddeutschen Bücherschauen und auf der Buchmesse Leipzig, wo wir seit drei Jahren einen großen Kooperations-Stand mit Lesebühne für Preisstifter und preisgekrönte Häupter in der Glashalle direkt neben dem Deutschlandfunk bespielen.
Das Programm 2011 steht mit bisher 19 Slots übrigens schon.
Verraten Sie schon, wer da alles kommt?
Wir freuen uns auf die Preisträger Roland Kamzelak (Herausgeber der Tagebücher Harry Graf Kesslers, NDR Sachbuchpreis), auf Andreas Maier, Ulrike Draesner, Michael Kleeberg, Angela Krauß, Abbas Khider, Eva Baronsky, Klaus Ensikat, Thomas Glavinic, Matthias Politycki, Ulrike Almut Sanders, Jürgen Banscherus …, Tobias Gohlis stellt ausgezeichnete Kriminalliteratur vor und es findet die Preisverleihung der „MIMI 2011“ statt und weitere neue Preisträger werden vorgestellt. Das Programm kann online unter www.ausgezeichnet-literaturpreise.de eingesehen werden, ist aber noch nicht druckreif formuliert.
Wie hat sich „Ausgezeichnet!“ – inzwischen ja ein richtiges Taschenbuch – im Laufe der Jahre verändert?
Die aktuelle Ausgabe ist bei identischem Format und Seitenaufbau grafisch vollkommen überarbeitet. Sie ist auffallend bunter und enthält viele Applikationen wie zum Beispiel Preistrophäen, Preislabels und es sind große historische Literaten abgebildet, in deren Andenken heute Literaturpreise vergeben werden. 2005 haben wir vorsichtig mit einem 80-Seiter begonnen, in dem viele wichtige Preise fehlten und der uns haptisch-optisch überhaupt nicht gefiel. Aber unsere Idee fand auf Anhieb Anklang bei Buchhändlern und beim Publikum. Mit den folgenden fünf Ausgaben haben wir aus rund 600 nationalen und internationalen Auszeichnungen dann ein 196 Seiten umfassendes Kompendium mit rund 160 Buchpreisen und rund 250 Titelabbildungen zusammengestellt. Seit vier Jahren präsentieren wir darin auch den renommierten „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ – ausgewählt in einem breiten Spektrum von Klassik über Oper bis Pop und Nu & Extreme von rund 130 unabhängigen Musikkritikern im deutschsprachigen Raum. Beides passt sehr gut zusammen.
Verändert hat sich noch die Auswahl der Literaturpreise. Wir legen heute noch größeren Wert auf die Präsentation von Nachwuchsliteraten wie zum Beispiel Abbas Khider (Adelbert-von-Chamisso-Förderpreisträger 2010) oder Roman Graf (Mara-Cassens-Preis 2010). Und es freut uns, noch kaum bekannte Autoren unter die vorherrschenden großen Namen mischen zu können. Und die Publikation hat sich zu einem performenden Gesamtkonzept entwickelt, das vermutlich noch in den Kinderschuhen steckt.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Partner aus – so ganz allein stemmt man ja ein solches Projekt nicht. Wer macht was?
Das ist wohl wahr! Wir sind ein kleines, kompetentes Redaktions- und Produktionsteam, das im virtuellen Raum zusammen arbeitet und ein eng verzahntes Projekt, an dem über die Jahre viele Partner und Förderer mitwirken – geldwert wie finanziell und ich zähle mal dankbar auf: FOCUS als publizistischer und finanzieller Partner, der auch an unserem Auftritt auf der Buchmesse Leipzig mitwirkt. Dann KNV, Kooperationspartner für Werbung, Vertrieb und Auslieferungslogistik und in den Anfangsjahren haben uns zusätzlich die Hanser Vertreter und die Marketingabteilung von Felicitas Feilhauer auf die Beine geholfen.
Die Teilnahme an den Bücherschauen mit Organisation der Stände in München, Stuttgart und Karlsruhe ermöglichen die BV-Landesverbände Ba-Wü und Bayern. Das schon beschriebene große Engagement auf der Buchmesse Leipzig basiert auf einer engen Zusammenarbeit und Unterstützung des Teams von Herrn Zille. Und weil das Büro Philipp zur Finanzierung der redaktionellen Herstellkosten beitragen muss, danken wir allen Buchhändlern, die uns zusätzlich zu den Gratis-Exemplaren ein paar zusätzliche Kataloge abkaufen sowie allen Inserenten, die uns über die Jahre mit einer Good-Will-Anzeige unterstützt haben. Wir zittern von Jahr zu Jahr, dass das Kartenhaus nicht zusammenfällt. Angesichts der dramatischen Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise ist uns trotz prognostiziertem Wirtschaftsaufschwungs immer noch ganz mulmig.
Wie kommen denn die Informationen über all die Preise zusammen – es sind ja Auszeichnungen aus aller Welt?
Ja, und es sind tausende … Aber es bilden sich schon Schwerpunkte heraus, wenn man sich von wenigen Ausnahmen abgesehen auf die renommierten Kritikerpreise fokussiert. Wir kommunizieren weltweit, auch mit Autoren.
Gab es auch schon mal Falschinformationen – oder andersrum: Wie hütet man sich davor?
Fehler können immer passieren, wir bemühen uns um eine gründliche Recherche und Dokumentation.
Gibt es Rückmeldungen, wie „Ausgezeichnet!“ wirkt?
Ja, vom Publikum und von Buchhändlern. „Ausgezeichnet!“ wird als Kaufempfehlung genutzt. Dafür haben wir viele Hinweise und was auch die Dankschreiben an uns belegen. Und auf der Buchmesse Leipzig brummt der „Ausgezeichnet!“-Buchverkaufsstand von Regina Vogel, der direkt neben unserem Messe-Stand die Kundenwünsche erfüllt.
„Ausgezeichnet!“ gibt es wie schon genannt auch online unter www.ausgezeichnet-literaturpreise.de. Wird es da Erweiterungen, z. B. Leseproben oder Autoreninterviews geben?
Wir haben uns gerade von der statischen Präsentation der Ausgaben getrennt und eine Web-Lösung gebastelt, die interaktive Elemente ermöglicht. Wir bilden das aktuelle Heft jetzt im PDF-Format originalgetreu ab und verlinken zu Preisträgern, Autorenwebsites, Preisverleihungen, Lesungen und sonstige spannende Movies, die gerade zur Verfügung stehen. Die vorherigen Ausgaben werden wir sukzessive nachbearbeiten. Schauen Sie mal, was die Maus auf den Seiten so findet …
Ein so über Preise informiertes Redaktionsbüro wie das Ihre hat doch sicher auch noch ein paar andere Preis-Produkte zu bieten?
Wir konzipieren und organisieren im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der ITB Berlin und einem kompetenten Jurorenkreis die jährlichen ITB BuchAwards im Reisesegment samt Preisverleihung, Broschüre und Streifenplakat. Zudem gelüstet es uns seit Jahren, im Segment Sachbuch mit Partnern einen relevant durchkategorisierten Preis ins Leben zu rufen – aber uns fehlt hierfür die Zeit und, Sie ahnen es: das notwendige Geld. Das Sachbuch ist auf jeden Fall unterrepräsentiert.
Als Macherin haben Sie unter den Preisträgern doch bestimmt einen Favoriten?
Ja, unter all den vielen, vielen wunderbaren Büchern schwärme ich geradezu hymnisch für Wilhelm Genazino, kann sein neues Buch, das er, wie ich von Ulrike Kramer erfahren habe, in Arbeit hat, kaum erwarten und habe mich riesig gefreut, dass er als Büchner-Preisträger von 2004 in diesem Jahr mit dem Rinke-Preis ausgezeichnet worden ist und ins Heft aufgenommen werden konnte. Das spannende Gespräch zwischen dem Literaturkritiker Wend Kässens und Wilhelm Genaziono kann man bei uns im Web auf seiner Seite ansteuern.
Und auch einen Favoriten, der leider keinen Preis erhalten hat?
Mein Mann und ich warten und warten und warten, dass Philip Roth endlich mit dem Höchsten geehrt wird, mit dem Literatur-Nobelpreis, obwohl die Vergabe in diesem Jahr an Mario Vargas Llosa ja auch schon ein Trost war 😉