Home > News > Literaturprofessor mit Initiative zur Rettung der Staatsfinanzen – und eine hilflose Antwort von Wolfgang Schäuble

Literaturprofessor mit Initiative zur Rettung der Staatsfinanzen – und eine hilflose Antwort von Wolfgang Schäuble

Gemeinhin fühlen sich Literaturprofessoren nicht berufen, sich mit maroden Staatsfinanzen zu befassen. Nicht so Jochen Hörisch: Mit dem Soziologen Alexander Dill hat er die Initiative „Hurra, wir tilgen“ gegründet: Sie wollen Deutschland per Vermögensabgabe von seinen 1,7 Billionen-Euro-Schulden befreien, meldet der Spiegel.

„Freiwillig wird der durchaus üppige Betrag kaum zusammenkommen. Deshalb soll der Staat nach Meinung der Initiatoren eine Vermögensabgabe beschließen. In Höhe von zwei Prozent über zehn Jahre. Nach Dills Berechnungen beträgt das private Nettovermögen der Deutschen 8,2 Billionen Euro. Somit kämen jedes Jahr gut 160 Milliarden Euro zusammen – und die benötigten 1,7 Billionen Euro binnen eines Jahrzehnts“ rechnet der Spiegel nach.

Die Abgabe müsste allerdings auf jeglichen Besitz erhoben werden – vom Festgeldkonto über das Aktiendepot bis hin zur Immobilie. Weil den reichsten zehn Prozent der Deutschen gut 60 Prozent des gesamten Vermögens gehören, würden sie die Hauptlast tragen.

„Natürlich wissen auch Hörisch und Dill, dass Menschen glaubwürdiger sind, wenn sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb hat Literaturprofessor Hörisch 10.000 Euro für die von ihm mitgegründete Tilgungsinitative gespendet. Das sind nach seinen Angaben immerhin 20 Prozent seines liquiden Vermögens“, schreibt der Spiegel. Bis Ende Dezember allerdings kamen gerade einmal 14.250 Euro zusammen.

Bundesfinanzminister Schäuble hat die Initiative auch auf den Schreibtisch bekommen. Er beauftragte einen Referenten mit dem Schreiben eines Antwortbriefes. Darin heißt es gleich zu Beginn: „Die Bundesregierung hat bereits in der Vergangenheit verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Staatsverschuldung zu reduzieren.“ Das ist – so kommentiert der Spiegel – durchaus eine gewagte Sicht der Dinge.

Und lässt weiter schreiben: „Das mögliche (Netto-)Aufkommen einer Vermögensabgabe bewegt sich insgesamt im spekulativen Bereich.“ Was insofern nicht stimmt, weiß der Spiegel, da es durchaus Zahlen über die Vermögen der Deutschen und ihre Verteilung gibt. Nur das Finanzministerium hat davon wieder mal keine blasse Ahnung.

Und es folgt das politische Todesurteil für die Tilgungsintiative: „Wenn (…) die Staatsschulden innerhalb von 10 Jahren getilgt werden sollen, ist eine Belastung breiter Bevölkerungskreise unvermeidlich.“

Weiterlesen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,739469,00.html

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

literaturpodcasts.de erweitert sein Team

Die Plattform literaturpodcasts.de erweitert ihr Team und steckt neue Ziele. Im Jahr 2024 wurde die Plattform literaturpodcasts.de mit dem Ziel gegründet, die Vielfalt der unabhängigen Literaturpodcasts im deutschsprachigen Raum gebündelt

weiterlesen