
Eben wird bekannt, dass Elisabeth Ruge (Foto) zum 15. März den von ihr und ihrem damaligen Mann Dr. Arnulf Conradi gegründeten Berlin Verlag verlassen wird, den sie seit 2005 als verlegerische Geschäftsführerin leitet und der seit 2003 zur Bloomsbury-Gruppe gehört. Ein Verlust für die gesamte Branche: Der Berlin Verlag war und ist eine der besten und wirkungsstärksten Neugründungen seit den Siebzigern.
Der Grund dürfte auf der Hand liegen (ohne jetzt die offizielle Version des Unternehmens zu kennen): Sie hat vergeblich versucht, die Londoner Zentrale von dem neuen Kurs abzubringen, der vor einigen Wochen bekannt wurde [mehr…]. Der Bloomsbury-Gründer Nigel Newton will den Verlag künftig zentral von London aus führen.
Seither – siehe auch das kommende BuchMarkt-Heft März, das nächste Woche erscheint download(klatsch_tratsch/k_t_03_11.pdf)- halten sich schon die Gerüchte, dass sie das Haus verlassen wird. Auch draußen wird nicht verstanden, wie man gerade einen belletristischen Verlag erfolgreich von London aus führen will – und ihr neuer „Chef“ Richard Charkin, an den sie berichten müsste, ist dazu ein ausgewiesener Fachbuch-Mann, dem man draußen trotz seiner bisherigen Erfolge in der Holtzbrinck-Gruppe die dafür nötige Sensibilität nicht zutraut. Elisabeth Ruge soll ihn allerdings sehr (und das gilt dem Hörensagen auch umgekehrt) geschätzt haben – es dürfte wirklich die Weltfremdheit des gesamten Konzeptes sein, das sie hat verzweifeln lassen.
Welche Konsequenzen das langfristig hat, darüber kann man nur spekulieren – und hoffen.
(Aktualisierung am 26.2. um 18 Uhr:) Dazu hat sich inzwischen ihr Geschäftsführer-Kollege Philip Roeder gemeldet, der diese Sorgen sichtlich nicht teilt, da sie auf Unkenntnis beruhen: „Die Strategie der Bloomsbury-Gruppe sieht nicht vor, dass der Verlag in Berlin von London aus geführt wird. Vielmehr soll unter anderem die bereits seit Jahren erfolgreich betriebenen Zusammenarbeit der Lektorate in England, den USA und in Berlin noch besser abgestimmt werden, wenn es um international vermarktbare Bücher geht.
Das originär deutschsprachige Programm gestalten wir aber selbstverständlich autonom. Ebenso werden wir auch weiterhin weltweit Rechte für den deutschsprachigen Markt erwerben. Die operative Verantwortung liegt bei der Verlagsleitung in Berlin. Wir werden also wie bisher auch zukünftig die Autorinnen und Autoren publizieren, deren Bücher für die Marke Berlin Verlag stehen – und ebenso unsere Marken Bloomsbury Berlin, Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher und BvT weiter ausbauen.“
Inzwischen ist auch die Hausmitteilung des Verlags publik:
Elisabeth Ruge verlässt den Berlin Verlag
Elisabeth Ruge, Mitgründerin des Berlin Verlags und seine verlegerische Geschäftsführerin seit 2005, verlässt das Unternehmen zum 15. März 2011. Die Trennung findet in gegenseitigem Einvernehmen statt und folgt kürzlich bekanntgegebenen globalen Umstrukturierungen der Verlagsgruppe Bloomsbury, zu der der Berlin Verlag gehört. Der Berlin Verlag sowie Bloomsbury danken Elisabeth Ruge für ihre erfolgreiche, engagierte Arbeit, die das Erscheinen so bedeutender Bücher wie der Romane von Ingo Schulze, Zeruya Shalev, Elke Schmitter, Péter Esterházy und Péter Nadás sowie Jonathan Littells NS-Epos ‚Die Wohlgesinnten‘, Orlando Figes Stalinismus-Geschichte ‚Die Flüsterer‘ sowie jüngst der Berthold-Beitz-Biographie von Joachim Käppner ermöglicht hat.
Nigel Newton, Gründer und Chief Executive von Bloomsbury: „Elisabeth Ruge ist eine großartige Verlegerin. Sie hat ganz wesentlich zu Ansehen und Erfolg des Berlin Verlags beigetragen. Es war eine große Bereicherung, mit Elisabeth Ruge zu arbeiten, und ich wünsche ihr alles Gute.“







