
Ein Jubiläum steht an: Auf 575 Jahre kann das heutige Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main in diesem Jahr zurückblicken. Grund genug, ein umfangreiches Programm aufzustellen, das im April beginnt und bis März 2012 reicht, und sich verstärkt in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Jubiläumsprogramm wurde gestern vorgestellt.
Als das erste Stadtarchiv Frankfurts eigene Räume – und zwar im Turm Frauenrode, heute befindet sich etwa an der Stelle das Stadtparlament im Römer – bezieht, schreibt man das Jahr 1436. Damit gehört das Frankfurter Archiv zu den ältesten und renommiertesten Deutschlands.
Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth hob hervor, dass im Institut allein etwa 100.000 Urkunden bis zum Jahr 1500 gesammelt wurden, das älteste Schriftstück stammt aus dem Jahr 882. Außerdem sind im Archiv 2 Millionen Bilder zu finden.
Dr. Evelyn Brockhoff, Leiterin des Instituts, wies auf das Botenbuch 23 des Henchin von Hanau aus dem Jahr 1439 hin, das auf dem Einband die Abbildung des Boten zeigt, ausgerüstet mit Botenspieß, Botenbüchse und Botenschild. Dieser Figur wird man künftig öfter begegnen, es ist das „Maskottchen“ des Jubiläums.
Zweifellos bekanntestes Exponat des Instituts ist die Goldene Bulle aus dem Jahr 1356. Auch die Wandgemälde von Jörg Ratgeb im zum Institut gehörenden Karmeliterkloster ziehen viele Besucher an. Wichtig für die Messe-Stadt Frankfurt ist selbstverständlich die Urkunde zum Messeprivileg von Kaiser Friedrich II. vom 11. Juli 1240. Doch es gibt noch zahlreiche spannende Objekte, einige wurden gestern auf der Pressekonferenz präsentiert.
So kann man beispielsweise in zwei Bürgermeisterbüchern Notizen über Giordano Bruno finden, der 1590 um Aufnahme in Frankfurt bat, um bei seinem Drucker Johannes Wechel sein Hauptwerk zu verlegen. Bruno wurde 1591 ausgewiesen, sein Ende neun Jahre später ist bekannt – er wurde übrigens bis heute nicht rehabilitiert.
In einer Prozessakte aus dem Jahr 1784 befindet sich der Schuhsohlenabdruck eines Mörders, schon damals gab es eine Spurensicherung mit eindeutigem Ergebnis: Der Raubmörder wurde nur wenige Monate nach der Tat enthauptet, an gleicher Stelle übrigens wie 1772 die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, das Vorbild für Goethes Gretchen im Faust I. Selbstverständlich befindet sich die 335 Seiten lange Criminalia 1771, Nr. 62 über die Kindsmörderin ebenfalls im Bestand.
Zwei der letzten Briefe Robert Schumanns aus dem Jahr 1854 werden ebenfalls im Institut aufbewahrt.
Das Jubiläumsprogramm offeriert verschiedenartige Einblicke in die Bestände und die Arbeit des Instituts für Stadtgeschichte. 13 Vorträge, ein Festakt im Kaisersaal und eine Ausstellung in den Institutsräumen, ein Symposion, ein Gesprächskonzert, das sich mit dem Nachlass Albert Mangelsdorffs beschäftigt, Führungen und Workshops werden angeboten.
„Vielleicht werden wir dann die Vorträge auch in einem Buch herausgeben“, überlegt Evelyn Brockhoff. Es würde die umfangreichen Publikationen des Instituts kongenial ergänzen.
JF







