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Eugen Emmerling: Braucht Frankfurt neben der Buchmesse wirklich noch ein Literaturfestival?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Eugen Emmerling.

Eugen Emmerling langjähriger Pressesprecher der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins, hat sich in der FAZ (Rhein-Main-Zeitung) mit dem Vorschlag für ein Lesefest während der Frankfurter Buchmesse zu Wort gemeldet [mehr…]. Sein Argument für ein Lesefest nach dem Vorbild von „Leipzig liest“: „Die Buchmesse, die auf dem Messegelände separiert stattfindet, sollte auch in der Stadt wahrgenommen und mitgefeiert werden.“

Eugen Emmerling

Braucht Frankfurt wirklich neben der Messe wirklich noch ein Literaturfestival?

Eugen Emmerling: Nein. Frankfurt hat ja bereits mit „literaturm“ und dem “lyrikfestival“ jeweils im Zweijahresturnus zwei anspruchsvolle Literaturfestivals. Und keine andere Stadt in Deutschland bekommt so viele Literaturangebote frei Haus geliefert, wie Frankfurt durch die Buchmesse. Was die Stadt allerdings braucht, ist mehr Engagement des städtischen Kulturamtes für die Vermittlung der von den Verlagen angebotenen Literaturveranstaltungen.
Das kann mit relativ geringen Mitteln erfolgen. Eine Dachmarke wäre zum Beispiel hilfreich, Plakate, eine bessere und offenere Website mit Veranstaltungsinformationen. Die Buchmesse bringt der Wirtschaft in Frankfurt jährlich eine Umwegrendite von mehreren hundert Millionen Euro. Seit zwei Jahren gibt es die Veranstaltungsplattform „Open Books“ in verschiedenen Kulturstätten; das ist ein wichtiger erster Schritt, um der Literatur und den Verlagen auch außerhalb des Messegeländes einen wirkungsvollen Auftritt zu schaffen. Es sollte allerdings auch künftig für die Verlage kostenfrei bleiben.

Wird das Publkum nicht überfordert – die lit.Cologne kommt doch auch…?

Eugen Emmerling: die lit.Cologne ist ein sehr professionell gestaltetes Festival, das die Frankfurter Buchmesse wirkungsvoll ergänzen kann. In Frankfurt kommt es meines Erachtens darauf an, die Buchmesse auch im Stadtbild erlebbar zu machen – mit einem Lesezelt im Zentrum zum Beispiel. Literatur soll ja nicht nur die Buchmesse-Habitués erreichen, sondern nach Möglichkeit auch die interessierten Gelegenheitsleser gewinnen. Ein paar niedrigschwellige Angebote mehr in der Buchmessestadt wären also gut.
Dabei sollte man auch mal einen Blick auf die Buchhandlungen werfen und überlegen, wie diesen Betrieben bei ihren Literaturveranstaltungen unterstützt werden können. Auch hier gilt: Es geht nicht um riesige Geldsummen, sondern um mehr Aufmerksamkeit, Gesprächsbereitschaft und Phantasie bei der Stadt.

Warum haben sie eigentlich die Seiten gewechselt?

Eugen Emmerling: Na, so ganz freiwillig, wenn auch durchaus freundschaftlich, war mein Ausscheiden als Pressesprecher des Börsenvereins im Jahre 2003 ja nicht gewesen. Seitdem arbeite ich als Journalist, unter anderem allem als Frankfurter Korrespondent des Aschaffenburger Main-Echos. Als stellvertretender Vorsitzender der Frankfurter SPD strebe ich bei der Wahl am 27. März ein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung an. Neben Stadtplanung werden Kultur- und Kreativwirtschaft meine Arbeitsschwerpunkte sein.
Der Wegzug von Suhrkamp ist nun wirklich nicht durch Versäumnisse der Frankfurter Kommunalpolitik veranlasst. Aber er ist ein Signal: Die Stadt muss die Kulturwirtschaft stärker in den Fokus nehmen. Verlage und Buchhandlungen fallen zu oft an der Schnittstelle zwischen Kultur und Ökonomie durch alle Raster. Ich will zum Beispiel, dass in Frankfurt künftig eine einzige Anlaufstelle für alle Fragen der Kreativ- und Kulturwirtschaft zur Verfügung steht. Nicht nur für ansiedlungswillige, sondern vor allem auch für die bestehenden Betriebe. So ganz praktisch kann Politik vor Ort eine Menge bewirken.

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.

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