
Mit dem traditionellen Empfang der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) gab es gestern Abend bereits ein erstes Treffen der deutschen Kollegen. Der avj-Vorsitzende Ulrich Störiko-Blume hatte seine Ansprache auf dem iPad gespeichert.
„Ich mag das iPad, ich halte es technisch und vom Marketing her für einen Geniestreich der Sonderklasse. Aber ich falle nicht (wie es Axel Springer-Chef Döpfner offenbar tut) jeden Morgen auf die Knie“, erklärte Störiko-Blume.
Er fuhr fort: „Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle gesagt: ,Wir Verleger handeln mit Geschichten; in Form von Text, in Gestalt von Bild oder beides zusammen.‘ Und dann habe die Prognose folgen lassen: ,Wir werden uns auch in zehn Jahren mit den Kinderbuchverlagen der Welt treffen, hoffentlich hier in Bologna, und uns gegenseitig neue Geschichten anbieten; die meisten davon nach wie vor auf Papier, einige sicher auch in immer beeindruckenderen Formen auf elektronischen Medien.‘ Wir sind jetzt ein Jahr weiter, aber ich glaube, diese Aussage gilt immer noch.“
Die Kollegen, die e-Books und Apps entwickeln, berichteten von steil nach oben gehenden Zahlen. „Dem ist durchaus Glauben zu schenken, ich weiß das aus den Aktivitäten unserer
eigenen Verlagsgruppe. Die Entwicklung dieser beiden Buchformen – Börsenvereins-Vorsteher
Gottfried Honnefelder hat es in Leipzig das ,Prinzip Buch‘ genannt – folgt nicht dem Modell der kommunizierenden Röhren (das eine nimmt ab, und das andere wächst). Wenn wir es richtig angehen, haben wir hier eine Win-Win-Situation: Weil du das eine (die
umfassenden Buchrechte) hast, kannst du auch das andere machen (die digitale Buchvariante).“
Der avj-Vorsitzende kommentierte auch die Nominierungsliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis [mehr…], die in diesem Jahr allgemein auf viel Zustimmung innerhalb der Kinder- und Jugendbuchbranche trifft. „Respekt für die Kollegen der Sachbuch-Sparte: bei ihnen sind 5 von 6 nominierten Titeln Originale – das ist erfreulich. Anerkennung auch für die deutlich bessere Berücksichtigung der Altersstruktur unserer Käufer – die nominierten Bilderbücher sind auch tatsächlich für das Bilderbuchalter, etwa je die Hälfte der Titel sind für Kinder bis 10 und über 10 Jahren.“
Tadel gab es aber auch: „Kritik möchte ich äußern an der offenbar nicht abzustreifenden Unart der Jury, Bücher aus Belletristikverlagen zu nominieren. Wenn die Jugendjury so etwas macht, kann man das m. E. akzeptieren. Aber dass die aus erwachsenen Kritikern bestehende Jury die Kompetenz und Glaubwürdigkeit hat, aus dem Belletristik-Angebot die
besonderen Jugendbücher herauszufischen, glaubt sie vermutlich nur selbst. ,Tschick‘ ist schick, gehört aber nicht auf diese Liste.“
Die Vorsitzende des Arbeitskreises Jugendliteratur, der den Deutschen Jugendliteraturpreis ausrichtet, Regina Pantos, war etwas zu spät zum Empfang gekommen, im schönen Bologna hatten auch noch andere Kollegen die Umstellung auf die Sommerzeit ausgeblendet. Aber an vielen Tischen in den Lokalen der Stadt wurde gestern Abend dieses und vieles andere noch lange diskutiert.
Auch ein leidiges Dauerthema in Bologna: In diesem Jahr sind besonders viele Kollegen von „Kofferlosigkeit“ betroffen, beim Umsteigen in München sind zwar alle Kollegen mitgekommen, ihr Gepäck jedoch blieb auf der Strecke. Das bedeutete am Sonntag Nachmittag nicht nur eine kleine Shopping-Tour, sondern auch die Rekonstruktion von Terminkalendern u.a. Freuen wir uns trotzdem auf eine schöne Messe. buchmarkt.de liefert am Ende der Woche einen ausführlichen Bericht, dann haben wir sicher auch die Umlaute auf der italienischen Tastatur gefunden. (Haben wir jetzt…)







