Daniel Gremm ist Facebook Marketing Berater & Dozent und als solcher u.a. auch mit einem Facebook Marketing Crashkurs an der Akademie des Deutschen Buchhandels am 9. Juni 2011 präsent. In diesem Sonntagsgespräch geht es unter anderem darum, ob Facebook Marketing für den Buchhandel überhaupt sein muss und worauf man achten sollte, wenn man statt Lehrgeld zu bezahlen, Umsatz- und Gewinnsteigerung erzielen will.
BuchMarkt: Gestern Second Life, heute Facebook und morgen eine andere Plattform. Warum soll der Buchhandel sich mit diesen kurzfristigen Trends überhaupt beschäftigen?

„Hören Sie zu, kommunizieren
Sie, lernen Sie
Daniel Gremm: Zum Teil stimme ich Ihnen ganz klar zu. Plattformen wie heute z.B. MySpace zeigen, dass irgendwann der Zenit einer Plattform erreicht ist und sich dessen Bedeutung in jeder Hinsicht relativieren wird.
Steht diese Zukunft irgendwann nicht auch Facebook bevor?
Das mag sein, deshalb wäre es ein Fehler, alle seine Ressourcen nur auf eine Plattform zu konzentrieren. Trotzdem hört man aktuell immer wieder, dass auch Unternehmen aus dem Buchhandel darüber nachdenken, die eigene Webseite zu schließen und sich nur noch auf Facebook präsentieren wollen.
Sie reden auch darüber, was man dabei beachten muss…
Ja, bei der Fokussierung auf einzelne Plattformen wird oft vollkommen übersehen, dass sich die Art und Weise, Marketing im Internet zu betreiben, vollkommen verändert hat. Aus dem klassischen Marketing bekannte und bewährte Strategien und Instrumente funktionieren größtenteils im Internet auf Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. nicht mehr. Wer sich, insbesondere im Buchhandel, nicht zeitnah mit der übergreifenden Thematik des Social Media Marketing intensiv auseinandersetzt, wird künftig unter anderem bei Facebook zwar weiterhin Marketing betreiben können, er wird nur nicht mehr wahrgenommen werden.
Nicht mehr wahrgenommen? Das ist mir zu allgemein. Was meinen Sie damit?
OK, machen wir es konkret. Klassisches Marketing arbeitet überwiegend mit Werbekanälen. Jahrzehntelang hat man Strategien und Instrumente entwickelt, die hier perfekt funktionieren. Bei Facebook, Twitter & Co. handelt es sich hingegen um Kommunikationskanäle. Hier müssen eigene Strategien und Instrumente her. Zudem muss hier beachtet werden, dass Individualität im Mittelpunkt steht und erfolgsentscheidend ist. Deshalb kommt der Buchhandel mit „alten Verhaltensweisen“ in dieser „neuen Welt“ nicht weit.
Das hört sich gefährlich danach an, als ob viel Zeit und Geld investiert werden müsste. Macht das wirtschaftlich gesehen überhaupt Sinn?
Dreimal ja. Leider denken immer noch viele, dass das Eröffnen eines Facebook-Accounts und das Anlegen einer Facebook Page ausreiche. Danach müsse man nur noch auf die Kundenströme warten. Facebook Marketing muss man genauso lernen wie klassisches Marketing, das meist auch kein Selbstläufer ist. Deshalb hat die Akademie des Deutschen Buchhandels auch einen eigenen Facebook Marketing Crashkurs geschaffen.
Was lernt man da?
Dass auch Geld investiert werden muss. Der generierbare und klar greifbare Nutzen von Facebook Marketing ist aber dafür sehr vielfältig. So kann der Buchhandel u.a. die Markenbekanntheit steigern, Kunden gewinnen, Kunden binden, Personal akquirieren, schnell und kostengünstig kommunizieren, und, und, und.
Sie glauben an Facebook…
…Ja, weil der wichtigste Punkt das Thema Effizienz ist. Facebook Marketing ist bei richtiger Anwendung wirtschaftlich hoch lukrativ. Beispielsweise stellt Facebook selbst Statistiken über das eigene Besucherverhalten und die eigene Besucherzusammenstellung zur Verfügung. Facebook Ads, das Werbesystem von Facebook, erlaubt die Kundenansprache ohne Streuverluste. Wenn man Facebook richtig zu nutzen weiß, dann ist die hier investierte Zeit und das investierte Geld nicht selten deutlich effizienter verwendet als in vielen klassischen Marketingmaßnahmen.
Das Thema Datenschutz kann man ignorieren? Selbst wenn der Buchhandel nun Facebook als Marketing-Instrument nutzen wollte – er darf es doch nicht. Stichwort: BDSG (Bundesdatenschutzgesetz)…
Natürlich kann und darf nur ein Anwalt rechtlich beratend aktiv sein. Auch ohne Anwalt zu sein ist meiner Ansicht nach die Nutzung einer Facebook Page rechtlich unproblematisch.
Bei der Nutzung der vielen Elemente, die Facebook zum Einbau auf der eigenen Webseite anbietet, sieht die Situation meiner Meinung nach rechtlich jedoch anders aus. Hier kommt unter anderem das von Ihnen erwähnte BDSG in Bezug auf die Erfassung und Übermittlung von personenbezogenen Daten ins Spiel. Bei Nutzung der Elemente laufen die rechtlich verantwortlichen Webseitenbetreiber jederzeit Gefahr, diesbezüglich angezeigt und mit hohen Geldstrafen belegt zu werden. Hier besteht bei vielen Webseiten des Buchhandels Anpassungsbedarf, will man die Rechtssicherheit erhöhen.
Wenn Sie zum Abschluss dieses Sonntagsgesprächs einen einzigen Tipp zum Thema Facebook Marketing aus Ihrem Seminar für unsere Leser herausgreifen müssten – welcher wäre das?
Hören Sie zu, kommunizieren Sie, lernen Sie! So einfach sich das anhören mag, so schwer können oder wollen dies die meisten Unternehmen aktiv umsetzen. Dabei ist dies die Grundlage jedes nachhaltig erfolgreichen Unternehmens bei Facebook. Die Masse der bei Facebook tätigen Unternehmen ist jedoch derzeit noch ziel- und planlos unterwegs und betreibt Facebook Marketing nicht wirtschaftlich effizient. Der Buchhandel könnte hier Vorreiter werden.