
Ein Netzwerk aus Autoren, Agenten, Verlagen und anderen Rechteinhabern, um Synergien herzustellen und mehr Hörbücher zu vertreiben – ein verlockendes Instrument, das die Amazon-Tochter Audible.com in den USA gerade gestartet hat. Der Marktplatz www.acx.com sorgt für Produktion und Vertrieb von Titeln, die auf „klassische“ Weise vielleicht nicht entstehen würden. Deutschland schaut indes jedoch nur zu: Die Einführung hierzulande ist vorerst nicht geplant.
Das Konzept von ACX sieht vor, dass Autoren, Agenten, Verleger bisher ungenutzte Hörbuch-Rechte auswerten und sich für die jeweilige Produktion mit Sprechern, Studios bzw. Verlagen zusammenschließen können – sogar eine eigene Produktion mit Hilfestellung von Audible ist möglich, ebenso der digitale und auch physikalische Vertrieb. Vor allem durch das Versprechen hoher Umsatzanteile wird ACX wohl viele Rechte-Anbieter und -Auswerter anlocken können, denn der exklusive Vertrieb über ACX (= Amazon, iTunes und Audible) bringt 50 bis 90 Prozent Provision, ansonsten 25 bis 75 Prozent. Und wer mit seinem neuen Hörbuch Audible Neukunden beschert, wird mit 25 Dollar pro Kunde extra belohnt.
„Unsere Mission ist es, dazu beizutragen, dass das Hörbuch zu einem alltäglichen Produkt für Millionen Menschen wird“, erklärt Kathrin Rüstig, Content-Leiterin bei der deutschen Tochter Audible.de, den Hauptbeweggrund der Audible-Familie für die Installation des Marktplatzes. Denn: „Eines der wesentlichen Hindernisse für ein noch schnelleres Wachstum des Hörbuchmarktes besteht darin, dass nur ein äußerst geringer Anteil bestehender und neu erscheinender Bücher auch als Hörbuch produziert wird.“
Zu den vielfältigen Bemühungen von Audible, die Breite und Tiefe des Hörbuch-Angebots gemeinsam mit Partnern zu erweitern und so die Attraktivität des Marktes insgesamt für die Kunden zu steigern, gehöre der neue Online-Marktplatz ACX.com, der in Absprache mit US-Hörbuch-Rechteinhabern und US-Hörbuch-Produzenten speziell für den US-Markt entwickelt worden sei, so Kathrin Rüstig. „Im Prinzip handelt es sich dabei um nichts anderes als den Versuch, die Stärken des Mediums Internet dazu zu nutzen, um den Kontakt zwischen Rechteinhabern und Produzenten zu vereinfachen. Da in den USA nur etwa 5 Prozent aller neuen Bücher als Hörbuch erscheinen, ist dieses Potential enorm.“
In Deutschland wiederum gibt es bisher nur Ansätze eines Rechte- und Produktionsnetzwerkes: zum einen der Arbeitskreis Hörbuchverlage des Börsenvereins (115 Mitglieder), der in Arbeitsgruppen zu verschiedenen „Problemfeldern“ den Markt gemeinsam anzuschieben versucht, zum anderen der als gemeinnützig anerkannte Verein Hoerspiel-Gemeinschaft e.V. (65 Mitglieder), der neben rund 30 Verlagen auch Sprecher, Autoren, Medien und Dienstleister vereint.
„Dementsprechend interessiert beobachten wir bei Audible.de den Beitrag unserer US-Kollegen zur Entwicklung des Hörbuchmarktes in den USA, nicht zuletzt um die wichtigen Erkenntnisse aus diesem Markt für unsere Partner in Deutschland gegebenenfalls zu erschließen“, resümiert Kathrin Rüstig. „Sollte ACX.com oder ein ähnliches Modell aus unserer Sicht den deutschen Hörbuchmarkt bereichern, so werden wir uns langfristig mit unseren Partnern, deutschen Rechteinhabern und Hörbuchproduzenten dazu abstimmen. Momentan ist im deutschen Markt eine Einführung der ACX-Plattform auf absehbare Zeit jedoch nicht geplant.“
rw