Den Thriller „Cagot“ gibt es jetzt auch als multimediale Version: Warum Hoffmann und Campe das Buch auch als „enhanced“ E-Book herausgebracht hat [mehr…] – darum geht es im heutigen Sonntagsgespräch mit Markus Klose (Foto), dem Marketing-Geschäftsführer des Hamburger Verlags.
Denn: Das E-Book besticht mit aufwendigen Zusatz-Infos wie animierten Karten, Stammbäumen, Orten und Ereignissen; der Autor Tom Knox ist mit einer Reisereportage und per Video ebenso in das Buch eingebunden wie auch das Hörbuch Teil des Angebot ist. Aber: Sind die Kosten für solche E-Buch-Produktionen überhaupt einzuspielen? Und – gleich als erste Frage:

„Da geht noch was!“
Herr Klose, warum wagen sich Verlage auf solch unsicheres Neuland?
E-Books sind Medien der Zukunft. Wie die einmal genau aussehen werden, wie die Ausgabegeräte funktionieren, welche Technologie Standard sein wird, all das wissen wir allerdings noch nicht wirklich. Aber das, was wir jetzt lernen, können wir für die Zukunft nutzen. Es spielt auch keine Rolle, welchen Umsatzanteil das digitale Lesen irgendwann mal ausmachen wird. Ich persönlich glaube allerdings nicht an schnelle, explosionsartig wachsende Marktanteile in naher Zukunft. Aber es geht um eine spannende und uns neugierig machende neue Möglichkeit, Texte „enhanced“ darzustellen, zu unterstützen, eben anzureichern. Die Digitalisierung der Inhalte gibt uns die Möglichkeit, neben dem normalen Text auch Zusatzelemente einzubauen wie Fotos, Videos, Kartenmaterial etc. – die Leser können sich dann über den Text hinaus informieren und werden dabei z.B. spielerisch animiert, selbst zu recherchieren.
Ihr behauptet, bei „Cagot“ von Tom Knox sei dafür ein neuer Standard entstanden?
Enhanced E-Books gibt es im Augenblick vor allem für Sachbücher. Schöne Beispiele sind da einzelne Bände der Rowohlt-Monografien. Tolle Lösungen gibt es auch im Kinderbuch-Bereich. In der Belletristik gibt es bisher wenige und tendenziell kleinteiligere Ansätze. Klar – Zusatzmaterial ist so einfach nicht zu beschaffen. Wir haben hier aber mal alles zusammengebracht, was möglich war.
Woher hatten Sie denn das Material für „Cagot“?
Wir hatten das Erscheinen des Romans von Tom Knox mit einer intensiven viralen Marketingkampagne begleitet; unter anderem gab es dort auch eine Reise zum Hauptschauplatz des Romans im Baskenland. All das wurde per Video aufgezeichnet. Zusätzlich haben wir animiertes Kartenmaterial geschaffen, ein Wörterbuch mit den

wichtigsten baskischen Begriffen ist integriert, jede relevante auftauchende Person hat ein eigenes kleines Wiki, das durch Tippen auf den jeweiligen Namen auftaucht. Außerdem wird das vollständige Hörbuch mitgeliefert, und es gibt ein Rätselspiel, das, wenn man es löst, „Genesis Secret“, den ersten Roman von Tom Knox, ebenfalls als E-Book gratis zur Verfügung stellt. Es ist also wirklich eine bunte Mischung in ambitionierter optischer Menuführung, die es in dieser Form bisher noch nicht gab.
Ich denke an die Kosten. Werden so umfänglich animierte E-Bücher wirklich die Zukunft sein?
Das weiß natürlich keiner ganz genau. Vergleicht man diese Entwicklung mit der zum Beispiel bei den Blu-rays oder DVDs, gibt es eben solche Kunden, die die Zusatzinformationen wie Trailer oder Making of mit Vergnügen betrachten und andere, die sich wirklich nur auf den Film konzentrieren. Ähnliches könnte ich mir auch bei E-Büchern vorstellen. Aber, dass dort, wo es Material gibt, dieses auch mit angeboten wird, halte ich durchaus für wahrscheinlich und auch sinnvoll. In diesem speziellen Fall ist das E-Buch letztlich auch ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Marketingkampagne. Für uns war es logisch, hier all das anzubieten, was zuvor produziert wurde.
Aber noch mal gefragt: Ist das nicht alles ziemlich teuer? Das spielt der Verlag doch nicht wieder ein.
Ohne Frage muss man eine Menge investieren, und bei den augenblicklichen Absatzzahlen im E-Buch-Bereich ist das wahrscheinlich auch nicht so einfach zurückzuverdienen. Aber wir haben eine neue Technologie, wir haben neue Möglichkeiten, und wir müssen damit Erfahrungen sammeln. Da entstehen dann auch einmal Investitionen, die sich aber später beim Produzieren weiterer E-Bücher als sinnvoll erweisen werden.
Und wie groß ist neben den Kosten der Arbeitsaufwand?
Der ist tatsächlich groß. Wir kooperieren hier mit Partnern, wie der Agentur vm people, die sich insbesondere um die viralen Marketingaspekte gekümmert hat, und der Appsfactory in Leipzig, die die Technologie zur Verfügung stellen und die Programmierung vornehmen. Ein spannender und hoch kommunikativer Prozess mit immer wieder neuen Fragestellungen und Herausforderungen aber auch etwas, was hier im Verlag allen Spaß gemacht hat, und uns alle ein deutliches Stück weitergebracht hat.
Was sind an der Stelle die wesentlichen Herausforderungen der Zukunft?
Das Ziel muss es auf Dauer sein, E-Bücher mit gleichem Standard für alle Lesegeräte zur Verfügung halten zu können.
Das ist zurzeit nicht der Fall…
Ja, iPhones oder iPads können ganz andere Animationen darstellen als die sozusagen klassischen e-ink-Lesegeräte. Wir brauchen deshalb Standards, mit denen man arbeitet und die uns die Programmierung erleichtern und den Lesern den Zugriff auf die Inhalte. Die epub 3.0-Version, die auf uns zukommt, wird dazu einen wesentlichen Schritt darstellen, aber es gibt immer wieder neue Ideen, die auch diesen Standard auf Dauer erweitern werden. Da geht also noch was!
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz







