
Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Es gibt nur einen noch heute existierenden Verlag, dessen Gründer nachweislich zu Gutenbergs Lebzeiten in Mainz – vermutlich beim Meister selbst – das Schriftgießen und Drucken erlernt hat. Nach diesem ältesten Verlag der Welt fragen wir heute.
Er wurde 1488 in der Stadt errichtet, in der er bis zum heutigen Tage ansässig ist, einem frühen Zentrum des Druckwesens, das um 1500 unter seinen damals 9.000 Einwohnern bereits 70 Drucker zählte.
Wie alle Branchenpioniere jener Zeit war der Gründer gleichzeitig Drucker, Verleger und Buchführer, eine Struktur, die – wie wir sehen werden – noch heute aktuell ist. Wertvolle Frühdrucke aus den Anfangsjahren sind erhalten geblieben und werden im Verlagsarchiv in einem klimatisierten Schrank aufbewahrt. Die am Ort ansässige Universitätsbibliothek verzeichnet in ihren Beständen rund 4.000 Titel aus dem gesuchten Verlagshaus, erschienen in Laufe von über 500 Jahren.
Der Neffe des Gründers führte das Unternehmen erfolgreich fort. So erwarb er auf der Leipziger Buchmesse von 1522 ein Exemplar von Martin Luthers so genanntem Septembertestament, ließ es in seiner Druckerei neu setzen und brachte es innerhalb von drei Monaten als Nachdruck heraus, ergänzt um ein Glossar, das verschiedene mitteldeutsche Ausdrücke Luthers ins Hochdeutsche und Alemannische übertrug. Gerade weil es noch kein Urheberrecht gab, verbreitete sich das reformatorische und humanistische Gedankengut durch solche Nachdrucke wie ein Lauffeuer.
Erwähnt aus einer großen Reihe bahnbrechender Editionen seien nur zwei: die erste gedruckte Gesamtausgabe eines spätantik-frühmittelalterlichen Kirchenvaters in sieben Bänden von 1506 (noch heute als CD-ROM im Verlagsprogramm) und eine umfassende Weltbeschreibung aus der Feder eines Polyhistors, der die Witwe des Neffen des Verlagsgründers geheiratet hatte. Sein Porträt zierte übrigens die Vorderseite der 100-DM-Banknote, die von 1962 bis 1991 im Umlauf war. Sein enzyklopädisches Werk, ausgestattet mit 1.400 Holzschnitten, erreichte von 1544 bis 1650 rund 40 Auflagen.
Es ist erstaunlich, dass das in der Anfangszeit des Buchdrucks etablierte Unternehmen noch immer der Gründungsstruktur folgt: Es vereinigt unter einem Dach mehrere Verlage, eine hochmoderne Druckerei und eine eigene Buchhandlung. Dabei präsentiert es sich als eigenständiges Medienhaus auf der Höhe der Zeit, ist wirtschaftliche erfolgreich und konnte in den vergangenen zehn Jahren die Mitarbeiterzahl auf 160 verdoppeln.
Alle Verlagswerke sind durch inhaltliche Qualität, editorische Sorgfalt und drucktechnisches Niveau gekennzeichnet. Verlagsgebiete sind die Geisteswissenschaften mit dem Schwerpunkt Philosophie, ferner Kunst und Fotografie, Medizin sowie populäre Sachbücher. Der Verlag leistet sich den Luxus eines achtköpfigen akademischen Lektorats mit Fachleuten aus allen Disziplinen, die er pflegt. Langfristige, zum Teil auf Jahrzehnte angelegte Projekte gehören noch immer zum Programm.
Belletristik erscheint seit 2010 unter einem Imprint, das nach dem Gründer aus dem Jahre 1488 benannt ist. Der Verlag und das Gesamtunternehmen tragen den Familiennamen des Mannes, der das Traditionshaus 1868 nach wechselvoller Geschichte, dreihundertachtzig Jahre nach seiner Gründung, übernahm.
Heinold fragt: Wie heißt der Verlag und wo im deutschsprachigen Ausland ist sein Sitz?
Senden Sie die Lösung an heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 20. Juni 2011. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.