
Im Tagungsraum der Ullstein Buchverlage in Berlin begann gestern Nachmittag die diesjährige Hauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj).
Der Vorstandsvorsitzende Ulrich Störiko-Blume konnte die mehr als 50 Teilnehmer mit einem Superlativ begrüßen. Der Verein verzeichnet seinen höchsten Mitgliederstand seit Bestehen. Immerhin 13 neue Verlage sind seit der letzten Sitzung im Juni 2010 hinzugekommen.
In den Wahlvorstand für die im kommenden Jahr anstehenden Vorstandswahlen wurden Monika Bilstein (Peter Hammer Verlag) und Wolfgang Foerster (Coppenrath Verlag) gewählt.
Diskutiert wurde unter anderem das Kundenmagazin Bücherbox, das mit der Ausgabe 2011 einem gründlichen Relaunch unterzogen wurde. Mit der Verlagsauslieferung Runge wurde zudem eine Kooperationsvereinbarung über den Vertrieb im Buchhandel getroffen und Family Media (Familie & Co., Spielen & Lernen) konnte als Partner gewonnen werden. Damit wurde die Auflage um 150 Prozent auf 200.000 Exemplare gesteigert. Dennoch sieht die avj Handlungsbedarf. Trotz der Aufwertung ist das Anzeigenvolumen leicht rückläufig. Nach einer lebhaften Diskussion fasste Störiko-Blume die wesentlichen Hausaufgaben zusammen: Der redaktionelle Teil soll noch weiter aufgewertet werden und es wird eine interaktive Online-Lösung geprüft. Zudem soll der Handel angeregt werden, die Titel des Magazins im eigenen Interesse auch vorrätig zu haben.
Auf der Tagungsordnung stand auch ein Vortrag über neue Wege der Marktforschung von Erik Flügge und Silke Borgstedt vom Sinus Instititut. Während die Kinder- und Jugendbuchstudie 2010 von avj und Börsenverein vor allem Kinder und deren Eltern im Blick hatte, sei das Verhalten der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren bisher kaum erforscht. Ein Thema, an dem das Institut in diesem Jahr arbeitet. Die Daten werden bis Ende des Jahres vorliegen.
Für Aufmerksamkeit sorgten die beiden Wissenschaftler vor allem mit der Präsentation der neuen Sinus-Milieus und deren Medienverhalten. Verschiebungen in der Gesellschaft und der Wertewelt haben in den letzten Jahren zu den neuen Sinus-Milieus Anlass gegeben. Exemplarisch wurden drei Milieus vorgestellt. Die gute Nachricht: Ob Hedonisten, Performer oder adaptiv-pragmatisches Milieu, Jugendliche lesen nach wie vor. Man weiß allerdings noch nicht genau, was, wie und wo sie lesen oder woher sie ihre Bücher beziehen. Fest steht nur eins: Jüngere Milieus nutzen das Internet, um sich über den Buchmarkt zu informieren. Der größte Feind des haptischen Lesens sei das Smartphone, so Flügge. Das bedeute aber nicht das Ende des gedruckten Buches. „Mit klugen Strategien lässt sich auch für das Medium Buch viel erreichen.“
Am Abend klang die Mitgliederversammlung mit einem von Klaus Kordon geführten Spaziergang durch das Scheunenviertel und einem gemeinsamen Abendessen in Sarah Wieners Kaffeehaus im Museum für Kommunikation aus.
Heute Vormittag wird die Mitgliederversammlung fortgesetzt. Auf dem Programm steht neben der Verabschiedung des Finanzplanes 2012 und einer Diskussion über DIN EN 71 ein Vortrag von Nikolaus Nützel, Journalist und Autor, zum Thema „Was geschieht beim Lesen im Gehirn?“.
ML