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Sabine Janßen über Veränderungsprozesse in kleineren Läden und über deren unausgeschöpfte Potentiale

In Kooperation mit der Rid – Stiftung bietet der Landesverband Bayern spezielle Fortbildungsveranstaltungen speziell für Buchhandlungen an.

Das Seminar „Schwung holen durch Veränderungsprozesse“ am 20. und 21. Juli 2011 wurde in Zusammenarbeit mit Sabine Janßen entwickelt und besteht nicht nur aus zwei Seminar -Tagen, sondern auch einem Coaching und einem Reflexionsworkshop. Durch die Kooperation mit der Rid-Stiftung ist der finanzielle Aufwand für den Teilnehmer sehr gering. Anlass für unser Sonntagsgespräch war die Motivation, die hinter dem Seminar steht: Referentin und Veranstalter möchten dem Buchhandel Mut machen, Veränderungsprozesse positiv für sich zu nutzen.

Sabine Janßen:
Mut machen, Veränderungs-
prozesse zu nutzen“

„Schwung holen für Veränderungsprozesse“ – was für ein schöner Titel. Was können wir uns denn darunter vorstellen?

Sabine Janßen:Da muss ich ein bißchen ausholen. Für mich sind die Kleinunternehmer Helden der Arbeit – Menschen, die an sechs Tagen in der Woche morgens um 9 Uhr ihren Laden aufsperren und bis abends um 19 Uhr freundlich, kompetent und geduldig ihre Kunden bedienen, ihren Job machen und nicht müde werden, das mit Lust zu tun. Abends beim Abendessen überlegen sie dann noch, wie sie ihr Unternehmen weiter entwickeln können.

Also unsere Leser?

Ja, diese Veranstaltung richtet sich an genau solche Buchhändler. Es geht im besten Fall um die positive Verstärkung des Vorhandenen. Es geht überhaupt nicht darum, was man nicht tun soll. Wir erarbeiten in den zwei Seminartagen, was die Unternehmerinnen und Unternehmer unternehmen können oder sollten, um das Potential ihrer Buchhandlung zu heben.

Und was gibt es da für Möglichkeiten?

So viele wie es Buchhandlungen gibt und noch reichlich mehr. In jedem Unternehmen passiert irgendwie immer was – manchmal nicht genug, oder nicht das richtige, aber eigentlich ist da schon alles vorhanden. Gerade in einem Umfeld, in dem man über viele Jahre mit den gleichen Menschen zu tun hat, den gleichen Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, kann es manchmal schwierig werden neue Ideen zu bekommen und umzusetzen.
Da kommt die Initiative des Landesverbands Bayern in Zusammenarbeit mit der Rid-Stiftung wirklich wie gerufen.

Was passiert im Kern bei dem Seminar?

Wir regen an zum Nachdenken über das eigene Unternehmen, suchen Ideen für die Planung und die Umsetzung und prüfen die dann auch noch im Austausch mit den Kollegen auf Tauglichkeit – nach meiner Erfahrung passiert danach auch wirklich was.

Sie versprechen eine Menge?

Nach meiner Erfahrung helfen Seminarbesuche nur, wenn es um die eigene Sache geht. Das heißt das Seminar muß einen hohen Praxisanteil haben. Das geht nur mit einer kleinen, sehr überschaubaren Gruppe mit maximal sechs Unternehmen. Deshalb haben wir dieses Format entwickelt: an zwei Seminartagen wird es erst einen halben Tag Input geben über Zahlen, Fakten und Theorie. Danach widmen wir uns konkret jedem einzelnen Unternehmen, wobei die grade nicht betroffenen Teilnehmer Co-Berater sind.

Wie setzen Sie das konkret um?

Gemeinsam werfen wir einen wohlwollend kritischen Blick von außen auf jedes Unternehmen, seine Stärken und seine Schwächen, seine Entwicklungsmöglichkeiten. Das ist die Basis dafür, individuelle Lösungen für jede Firma und ihre spezifischen Probleme zu entwickeln.

Das klingt ja schon mal gut, aber was macht der Unternehmer dann, wenn er wieder zu Hause ist?

Gut, dass Sie das ansprechen. Die größte Herausforderung besteht darin, einen Seminarinhalt in der Praxis umzusetzen. Deshalb haben wir weitergedacht und bieten den Teilnehmern nach dem eigentlichen Seminar die Möglichkeit im persönlichen Coaching Fragen zu besprechen, nachzubessern und zu konkretisieren, was beim ersten Mal zu ungenau geblieben ist. Außerdem wollen wir den Austausch der Teilnehmer untereinander fördern und die Umsetzung der Veränderungen begleiten. Dafür wird es zu einem späteren Zeitpunkt noch ein weiteres Treffen geben, bei dem wir uns die Ergebnisse ansehen und überarbeiten.

Wo ist da der Unterschied zur Erfa-Gruppe?

Es ist ja nicht gesagt, dass die Teilnehmer nicht die nächste Erfa-Gruppe gründen. Alles ist möglich. Aber in diesem Fall wollen wir die hohe Aufmerksamkeit und den wachen Blick, den man bei allem Neuen hat, für die Veränderung nutzen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich durch eine jahrelange Erfa-Gruppe dieser wache Blick und die Disziplin, die das gemeinsame Arbeiten erfordert, manchmal abnutzen. Und da der Berater Teil des Systems ist, kann er diesen Prozeß meist nicht alleine aufhalten.

Veränderung erzeugt ja oft auch Unbehagen oder sogar Angst. Was kann man denn dagegen tun?

Wir tricksen ein bisschen.

Was heißt das?

Wir „Säugetier-Abkömmlinge“ haben evolutionär keine Begeisterung für Veränderung in unseren Genen verankert. Vielmehr bringt der Mensch an sich viel Energie auf, um jede ihn betreffende Veränderung zu verhindern. Erst wenn wir selbst die Veränderung anstoßen und gestalten, wenn der Prozess gut läuft, dann kommt das Endorphin mit den Glücksmomenten. Und bis dahin wollen und müssen wir kommen.

Ich verstehe immer noch nicht ganz…

… wir schauen uns für jedes Unternehmen an, wie wir Veränderung lustvoll besetzen können. Dafür ist es unglaublich wichtig alle Menschen in einem Unternehmen, nicht nur die Mitarbeiter sondern auch die Kunden und vielleicht die Lieferanten auf diesem Weg mitzunehmen.

Also ist „Führung“ ein zentrales Thema?

Unbedingt! Sie kennen mich doch. Der Impuls für eine Veränderung kann von überall her kommen, aber es gibt nur eine einzige Person die die Veränderung gestalten kann und das ist der Unternehmer.

Der muß alles selber machen?

Das nicht, aber er muss den Raum schaffen und das Klima, damit die Mitarbeiter Ideen entwickeln und umsetzen können. Führungsstärke zeigt der Unternehmer, wenn er mit seinen Mitarbeitern und Mitstreitern die Ziele formuliert und die Maßnahmen abstimmt. Dann allerdings muß er loslassen und sich auf seinen Part konzentrieren.

Und wer kontrolliert dann die Prozesse?

Selbstverständlich kontrolliert der Unternehmer – aber nur das Ergebnis. Denn jeder Mensch hat seinen eigenen Weg ein Ziel zu erreichen und das muß uns allen auch bleiben, sonst machen wir Dienst nach Vorschrift. Dann bliebe das ganze schöne Potential der Mitarbeiter ungenutzt.

Muss ich denn fürchten, wenn ich mich zu einem dieser Seminare anmelde, dass mein ganzes Unternehmen auf den Kopf gestellt wird?

Na, ein bißchen Mut brauchen Sie schon! Mut zur Veränderung. Und die Bereitschaft, Ihre Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Aber die Veränderung ist sowieso allgegenwärtig. Ich will es mal mit einem Bild versuchen: Die Branche hat sich in den letzten Jahren in einem unglaublichen Tempo verändert. Fast wie eine Flutwelle scheinen uns die Ereignisse überrollen zu wollen. Und oft haben wir nicht in der Hand, diese Ereignisse aufzuhalten. Aber anstatt nun Angst vor der Naturgewalt zu haben und uns mit aller Energie dagegen zu stemmen, können wir die Chance, das Positive finden. Vielleicht schaffen wir es ja auf dieser wunderbaren Welle zu surfen und zu neuen Ufern zu gelangen, die wir bislang noch nicht sehen konnten.

Eine letzte Frage noch, wieso hat man Sie als Referentin geholt, Ihre Themen sind doch eher Verlagsberatung und E-Books?

E-Books ist das Veränderungsthema der Branche schlechthin. Insofern passt das ja schon mal zum Seminarinhalt. Diese Entwicklung verstehen und gestalten zu können, das finde ich immer spannend und deshalb habe ich mich in den letzten Jahren sehr um das Thema digitales Publizieren gekümmert. Aber meine eigentlichen Themen Führung und Kommunikation standen auch dabei immer im Vordergrund. Ich bin davon überzeugt, dass das die Schlüsselqualifikationen zum Erfolg sind. Deshalb habe ich auch meinen Firmenauftritt relauncht zu „Erfolge möglich machen“. Und darum geht es in allen Unternehmen, ob groß, ob klein, ob Handel, Verlag oder Dienstleistung. Erfolg ist wichtig, er motiviert uns. Erfolg macht zufrieden.

Bewerben kann man sich mit bis zu zwei Mitarbeitern noch bis zum 7. Juli 2011 per E-Mail an seminare@buchhandel-bayern.de.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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