
Heinrich Riethmüller
Heute Mittag fand im Literaturhaus in Frankfurt am Main das alljährliche Wirtschaftspressegespräch des Börsenvereins statt. Vorgestellt wurden die Branchenzahlen für das Jahr 2010.
Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, konnte eine positive Bilanz ziehen: „9.734 Millionen Euro Umsatz sind beachtlich für unsere Branche.“ Das Buch sei fest in der Gesellschaft verankert und unabhängig von Wirtschaftsschwankungen. Allerdings habe sich der Begriff Buch in den letzten Jahren gewandelt; entscheidend sei der Inhalt, nicht das Trägermedium.
Ende der 1990er Jahre sind die ersten Lesegeräte für E-Books auf den Markt gekommen, ein Durchbruch kam bisher nicht zustande, der E-Book-Umsatzanteil liegt bei 0,5 Prozent. Doch die Relevanz elektronischer Bücher nehme zu, in diesem Jahr wird eine Verdoppelung des Umsatzanteils, nämlich auf ein Prozent, erwartet.
Betrachte man die Umsatzentwicklung, biete sie verlässliche Rahmenbedingungen. Bei E-Books ist das nicht der Fall, denn die Bundesregierung habe bisher keine entsprechenden Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums und gegen Piraterie verabschiedet.
Ein Blick auf die Vertriebswege zeigt: Der Sortimentsbuchhandel hält noch 50,6 Prozent (4,92 Mrd. Euro) am Gesamtumsatz, muss jedoch einen Verlust von 2,8 Prozent im Vergleich zu 2009 verkraften, das entspricht etwa 300 Mio. Euro. Noch deutlicher fällt der Umsatzrückgang bei den Warenhäusern auf, ihr Umsatzanteil beträgt 2,1 Prozent (0,21 Mrd. Euro) und ist damit um 10,1 Prozent zurückgegangen. Der Versandbuchhandel (inklusive Internet) dagegen hat 17,1 Prozent Umsatzanteil (1,67 Mrd. Euro) und kannte 11,3 Prozent zulegen.
Die Verlage haben einen Umsatzanteil von 18,5 Prozent (1,8 Mrd. Euro, plus 1,5 Prozent), die sonstigen Verkaufsstellen sind mit 9,4 Prozent (0,91 Mrd. Euro, plus 1,7 Prozent) und die Buchgemeinschaften mit 2,3 Prozent (0,22 Mrd. Euro, minus 0,9 Prozent) am Umsatz beteiligt.
„Der Einzelhandel ist und bleibt wichtig“, unterstrich Jürgen Horbach, Wirtschaftssprecher und Schatzmeister des Börsenvereins, KV&H-Verlag. Allerdings machen die zehn führenden Unternehmen 40 Prozent des Gesamtumsatzes im Sortiment, Thalia und DBH allein 30 Prozent.
Etwa 33.000 Mitarbeiter sind in insgesamt 6.000 Buchverkaufsstellen, darunter circa 4.000 Buchhandlungen, beschäftigt. In der gesamten Branche arbeiten zwischen 57.000 und 58.000 Menschen. 3.900 wurden 2010 ausgebildet, 1.700 davon für das Sortiment.
Der Börsenverein verliert jährlich zwischen 100 und 130 Mitglieder, zwei Drittel davon kommen aus dem Sortiment. Es gibt weniger Neugründungen in der Branche als Schließungen. Dennoch könne die Branche als stabil betrachtet werden.
Im vergangenen Jahr erschienen 84.351 Erstauflagen, 2009 waren es noch 81.793. Die Zahl der Übersetzungen liegt bei 11.439 (2009: 11.800), 8.191 Lizenzverträge (2009: 6.278) konnten abgeschlossen werden.
Die Preise sind stabil geblieben – zum Leidwesen für den Buchhandel, denn die Umsatzrendite in diesem Bereich ist außerordentlich gering. „Es fehlt der kollektive Mut, die Preise zu erhöhen“, schätzt Jürgen Horbach ein.
„Fachbücher und wissenschaftliche Literatur finden in den Buchhandlungen nicht mehr statt“, konstatierte Heinrich Riethmüller, Vorsitzender des Sortimenterausschusses, Osiandersche Buchhandlung. Die Buchhandlungen müssen ihren Fokus auf einen Vertriebsmix richten; der Buchverkauf und die Beratung im Laden müssen durch Aktivitäten im Internet ergänzt werden, auch der Versand sollte nicht vernachlässigt werden.
Im Gespräch wurden Tendenzen deutlich. So habe sich der Buchhandel in den letzten zehn Jahren flächenmäßig ausgebreitet. Allerdings sei dieses Flächenwachstum in den letzten zwei Jahren rückläufig.
Die Entwicklung auf dem Schulbuchmarkt verdiene besondere Beachtung und erfordere neue Wege. In diesem Bereich setze die Politik eher auf eine gute technische Ausstattung der Schulen. 2010 ist der Anteil der Warengruppe Schule und Lernen um 0,4 Prozent auf 8,8 Prozent gesunken. Umso stärker muss sich die Branche in der Leseförderung engagieren, muss das Buch frühzeitig den Kindern nahe bringen.
Neueste Zahlen für 2011 belegen einen Umsatzzuwachs von 0,2 Prozent im bisherigen Jahresverlauf.
Das gesamte Zahlenwerk wird, so informierte Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins, Mitte August gedruckt vorliegen.
JF