
Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Katharina Scholz, Sprecherin der Nachwuchsorganisation „Junge Verlagsmenschen e. V.“
Katharina Scholz, (28), ist Kunden-Managerin im Piper-Vertrieb, ehemalige Nachwuchssprecherin beim Börsenverein des deutschen Buchhandels und aktives Mitglied der „Jungen Verlagsmenschen“, einem Verein, der sich Fortbildung und Vernetzung des Branchen-Nachwuchses zum Ziel gesetzt hat. Am 9. Juli 2011 beginnt unter dem Motto „Über den Bücherrand“ in München das dritte Jahrestreffen der „Jungen Verlagsmenschen“, das sie gemeinsam mit Claudia Feldtenzer (Pressereferentin Pantheon Verlag, Verlagsgruppe Random House) hauptverantwortlich organisiert.]

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Katharina Scholz – Ihnen steht das dritte Jahrestreffen der „Jungen Verlagsmenschen“ bevor. Was haben Sie bereits erreicht?
Katharina Scholz: Eine ganze Menge. Als vor drei Jahren Tine Mickliss, damals Volontärin beim C.H. Beck Verlag, per Rundmail spontan zu einem Münchner Volontärs-Stammtisch einlud, erwartete sie sicher nicht, eine Lawine loszutreten. Die Resonanz war damals überwältigend – 70 Leute kamen. Aus diesen sind mittlerweile 400 Mitglieder und eine Kartei von 2000 Adressaten geworden.
Was haben Sie denen zu bieten?
Katharina Scholz: Unsere Ziele sind informeller Austausch zu fachlichen Fragen, praktische Hilfen zum Beispiel für Berufseinsteiger oder neu Zugezogene, der Dialog der verschiedenen Verlagsbereiche und -funktionen…
… die ja in vielen Verlagen jeder für sich in seinem Graben sitzen …
Katharina Scholz: Das kann passieren ja, aber wenn man über die Verlagsgrenzen hinweg diskutiert und Kollegen aus anderen Bereichen kennenlernt, entstehen da durchaus leidenschaftliche, aber auch sehr fruchtbare Debatten, von denen ich persönlich enorm viel gelernt habe.
Sie zählen 400 Mitglieder – und darunter sicher nicht die inaktivsten Vertreter der Branche: das ist sicher ein Pfund, mit dem man wuchern kann?
Katharina Scholz: Wir werden ernst genommen. Nach dem Vorbild der englischen Society of Young Publishers, die es seit 60 Jahren gibt, suchen wir erfolgreich die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Personalern, Branchen-Gremien und natürlich mit der Leitung der Unternehmen selbst. Eines der Ergebnisse ist unser Jahrestreffen. In München erwarten wir 150 Gäste, ohne die Unterstützung der Unternehmen wäre das weder zu organisieren noch für Nachwuchskräfte zu finanzieren gewesen.
Sie werden gesponsert?
Katharina Scholz: Ohne die großzügige Unterstützung von Random House, die uns die Räume kostenlos zur Verfügung stellen und uns auch finanziell unter die Arme griffen, wäre das Treffen in dieser Form nicht möglich gewesen. Außerdem bekamen wir die Möglichkeit kostenlos Flyer bei der Druckerei Tutte drucken zu lassen und der Verlag Travel House Media stellte Merian Reiseführer von München zur Verfügung. Der Piper Verlag sponsert zudem den Keynote-Speaker Rainer Moritz, andere Referenten verzichten auf ihr Honorar. Das Networking ist umsonst und sicherlich zu beiderseitigem Nutzen.
Tut die Branche insgesamt genug, um ihren Nachwuchs zu binden? Aus dem Traum einer Verlagskarriere ist ja für manch einen ein Albtraum geworden, und gar nicht so selten kehren High Potentials der Branche den Rücken, sei es aus Gründen der Bezahlung, sei es aus Mangel an Zutrauen in die Zukunftsfähigkeit des Buchhandels.
Katharina Scholz: Ich bin kein Fan von Pauschalaussagen à la „da passiert zu wenig“. Es wäre ein bisschen unfair, hier den Zeigefinger zu heben. Der Berufsbildungsausschuss des Börsenvereins hat zum Beispiel das Nachwuchsparlament in Berlin initiiert, die Landesverbänden sponsern es. Die Jungen Verlagsmenschen sind, wie Sie gehört haben, quasi eine Grassroots-Organisation und werden genauso unterstützt. Das ist die makrokosmische Sicht – im Mikrokosmos der einzelnen Unternehmen kann es natürlich unterschiedlich aussehen…
… wo miese Bezahlung oft mit mieser Behandlung korrespondiert?
Katharina Scholz: Es gab vor einigen Monaten eine unglaublich hitzige Debatte auf einen Eintrag im Blog „Marginalglosse“ der Erlangen-Nürnberger Buchwissenschaftler mit dem schönen Titel: „Bezahlung wäre nett!“ Sicher serviert diese Branche einem nichts auf dem Silbertablett. Wer darauf wartet, kann lange warten. Aber wenn man sich organisiert, Gewicht bekommt, dann kann man kooperieren, wie zum Beispiel wir mit den „Bücherfrauen“, dann kann man gestalten – auch sein eigenes Schicksal.
Auch das Netzwerken gehört sicher in diesen Kontext. Wie man im Internetzeitalter bewusst und methodisch von Anfang an sein beruflich-soziales Umfeld gestaltet, das hat ja der Nachwuchs der älteren Generation erst beigebracht…
Katharina Scholz: Ich werde gelegentlich von Berufseinsteigern gefragt, wie man im Verlag Karriere macht. Neben unbeirrter Verfolgung der Ziele und dem „Glück des Vorbereiteten“ ist sicherlich erfolgreiches Networking untereinander und nach oben gleichberechtigt zu nennen.

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.






