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Gerd Stedtfeld (60)

Gerd Stedtfeld

Gerd Stedtfeld wird heute 60 Jahre alt. BuchMarkt-Chefredakteur Christian von Zittwitz gratuliert dem Premio-Verleger zum runden Geburtstag:

Noch heute habe ich den leuchtend blauen Bildband „Lebensraum Ozean“ vor Augen, mit dem Gerd Stedtfeld gerade den Sprung in die Selbständigkeit als Verleger gewagt hatte. Meine Frau gründete ein Jahr später ihre Buchhandlung und hatte sich von mir überreden lassen, den teuren Band als einziges Buch im Fenster zu dekorieren. Es war ein toller Start für sie – immerhin kostete das Buch 89,- DM. Damals war das ein mutiger Preis – sie konnte am Starttag ihres kleinen Ladens gleich drei Exemplare verkaufen.

Gerd Stedtfeld hat halt den richtigen Blick für verkäufliche Bücher, aber der leidenschaftliche Büchermacher hat sein Handwerk auch gründlich gelernt: Nach einer Lehre als Industriekaufmann bei Bayer Leverkusen und einem BWL-Studium an der Uni Münster startete er als Assistent von Olaf Paeschke, dem damaligen Geschäftführer der Verlagsgruppe Bertelsmann und stieg sehr schnell die Karriereleiter hinauf: Zuerst durchlief er die wichtigen Stationen (Vertrieb, Redaktion, Herstellung) beim Mosaik Verlag, um dann mit der Verlagsleitung von Orbis seine Berufung zu finden: Dort lernte er, wie man für branchenfremde Anbieter Bücher in Großauflagen produziert, auch wenn das damals wie heute vom klassischen Buchhandel mit Argusaugen beäugt wird. Damals sagte er mir am Telefon: „Schreiben Sie bloß nicht, dass wir auch Bücher produzieren, die es nicht im Handel gibt, sonst bekomme ich überhaupt keinen Fuß in das Sortiment“. Das war 1984; zwei Jahre später zog es ihn als Vertriebs- und Marketingleiter nach Bielefeld zum Ceres Verlag (heute Dr. Oetker Verlag).

Die nächsten Stationen absolvierte er im Grunde immer in drei Jahresschritten: Nach drei Jahren in Bielefeld gründete er in Münster den eigenen Stedtfeld Verlag mit den Schwerpunkten Sachbuch und Bildband. Vorbild war damals sichtlich der Erfolg von Friedrich-Karl Sandmann – damals ein Einzelkämpfer wie er – und, wenn ich mich recht erinnere, auch sein Vorgänger bei Ceres.

1992 nahm er seinen Verlag mit nach Rastatt, wo er die Leitung der Verlagsgruppe Pabel Moewig übernahm: Zur Gruppe gehörten damals neben Stedtfeld die Verlage Moewig, Paul Zsolnay, Hestia, Diana, Neff. Wiederum drei Jahre später richtete er sich ein Büro als Verlagsberater ein und arbeitete mit Langzeit-Mandaten wie dem Versandbuchhandel „Bestseller“, der damals zum Bertelsmann Club gehörte, Dornier, Econ und Coppenrath. Und 2000 ging Stedtfeld nach Bayreuth, um dort die Verlagsleitung des Gondrom Verlags zu übernehmen, und gründete dort den Imprint-Verlag Gondolino.

Das Geschäft mit Modernem Antiquariat und Sonderausgaben ließ ihn von da an nicht mehr los: 2003 übernahm er für Guido Zanolli die Geschäftsführung des Verlags Karl Müller in Köln und stampfte binnen kürzester Zeit ein riesiges MA-Programm aus dem Boden – die Titel der von ihm begründeten Labels Paletti, Bellavista und Universo sind ebenso im Branchengedächtnis eingegraben wie die Pleite seines Arbeitgebers. Manches wäre vielleicht anders gekommen, wenn er nicht die schweren Folgen einer Bandscheiben-OP hätte ertragen müssen: Es folgten ein zweijähriger Kampf, um wieder zu gesunden. Ich schaudere heute noch, wenn ich an eines unserer Telefonate denke. Damals war er zu schwach, um überhaupt den Hörer zu halten – Gerd, ich gestehe: Da habe ich nicht daran geglaubt, dass Du wieder völlig gesunden würdest.

Und dann hatten wir Dich 2006 wieder mit der Gründung Deines eigenen auf Kinder- und Jugendbuch spezialisierten Premio-Verlages. Das „Büchermachen hat mir immer besonderen Spaß gemacht“, hattest Du mir lange zuvor einmal geschrieben, aber auch: „Ich sehe mich lieber als Aufbauer und Wühler in Häusern mit Problemfeldern denn als Wahrer eines kaum mehr steigerbaren Status.“ Da Du Premio nun schon im fünften Jahr betreibst, hast Du wohl noch viel vor. Ich bin gespannt.

Kontakt: stedtfeld@premio-verlag.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

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