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Rund um die Uhr: Sechstes Literaturfest Niedersachsen vom 8. bis 25. September

Im nunmehr sechsten Jahr seines Bestehens macht sich das Literaturfest Niedersachsen auf eine Reise durch die vierte Dimension: „Die Zeit“ als Ewigkeit und knappes Gut, als Erinnerung oder Zukunft ist das verbindende Thema der insgesamt 28 Events, für die die anreisenden Autoren, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler oft ein gerüttelt Maß ihrer Zeit mitbringen müssen.

Denn das von der VGH-Stiftung finanzierte und von NDR Kultur als Kulturpartner unterstützte Veranstaltungsmarathon führt auch und vor allem zu abseits der großen Zentren gelegenen Orten, um die Literaturszene des norddeutschen Flächenlandes zu stärken und lokale Initiativen zu vernetzen.

Auf der Pressekonferenz in der hannoverschen VGH-Zentrale konnte die künstlerische Leiterin Susanne Reuter ihre diesjährigen Programmhighlights allerdings nicht persönlich vorstellen, weil sie ihre knappe Zeit dem neugeborenen Sohn Paul Friedrich überließ. Die Präsentation übernahm mit deutlichem Vergnügen Dr. Sabine Schormann, Geschäftsführerin der VGH-Stiftung und – nebenbei – auch Germanistin.

Die Suche nach der (verlorenen) Zeit beginnt am 8. September in Hannover mit 24 Texten für 24 Stunden, gelesen von Birgitta Assheuer und dem Schauspieler Boris Aljinovic, bekannt als alleinerziehender Tatort-Kommissar Felix Stark. Die Dramaturgie des Abends stammt übrigens von Ulrich Woelk. Weiter geht’s dann tags darauf im Worpsweder Rathaus mit einer rezitativen und musikalisch angereicherten Hommage an den Zeit-Sucher Marcel Proust mit TV- und Hörbuch-Star Heikko Deutschmann oder einer langen Lesenacht im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum mit Thomas Gsella, Nadja Küchenmeister und Henning Nöhren, angereichert mit Poetry Slam aus der ersten Berliner Liga.

Wie zeitgemäß gerade außergewöhnliche Orte sein können, zeigen die GeZEITen auf dem Feuerschiff Amrumbank, wo auf und unter Deck, in Maschinenräumen und Kajüten nicht nur Tidezeiten vorgelesen werden; die Dramaturgie für die ungewöhnlichen Lesungen stammt übrigens von Susanne Reuter herself. Konventioneller, aber keinesfalls von der Stange sind Uwe Timms Zeitsprünge und Literaturerinnerungen, die er im Deister-Flecken Springe zum Besten gibt, moderiert von „Welt“-Feuilletonist Richard Kämmerlings.

Neben Günter Grass, der in der Göttinger Uni-Aula über sein Jahrhundert räsonieren wird, und Thomas Rosenlöchers „Tagebuch-Dialogen“ mit dem Schauspieler Stephan Schwartz in Nartum, der philosophisch-Literarischen „Zeitnahme“ durch Katharina Hacker und Thomas Lehr auf dem Neuenkirchener Springhornhof sind natürlich auch wieder Martina Gedeck und das renommierte Kairos Quartett dabei und geben auf Schloss Hämelschenburg in Emmerthal (wo liegt denn das?) dem Müßiggang die gebührende Zeit. Zu einer literarischen Zeitmessung in Lüneburg an der Salzstraße treffen sich schließlich zum Ausklang des Literaturfestes Niedersachsen noch Stefan Klein, Steffen Kopetzky, Artus Knabe und Iris Radisch..

Wer mehr über die Spurensuche nach diesem Menschheitsrätsel will, klicke auf www.literaturfest-niedersachsen.de. Die Verlage jedenfalls buchen für ihre Autoren alljährlich gern das Niedersachsen-Ticket für einen Ausflug in die niedersächsische Provinz, bevor es dann im Okober auf die Frankfurter Buchmesse geht. Mit von der Partie in diesem Herbst u. a. btb, dtv, S. Fischer, Hanser, Piper, Schöffling, Steidl und Suhrkamp.

Jürgen Christen

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