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Berlin: Gestern startete das Internationale Literaturfestival

Mit einer Rede des marokkanisch-französischen Schriftstellers Tahar Ben Jelloun startete gestern Abend das internationale Literaturfestival Berlin (ilb) im Haus der Berliner Festspiele.

Der große Saal im frisch renovierten Haus war bis auf den letzten Platz besetzt, als der Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius, den literarischen Ausnahmezustand ausrief. Mit seinen drei Spielsälen, dem Garten, dem Autorenzelt und der temporären Buchhandlung werde der Ort auch in diesem Jahr zum Zentrum der Weltliteratur, so Sartorius, der zugleich an die Politik appellierte, endlich eine dauerhafte Lösung zu finden und dem ilb eine gesicherte, langfristige Finanzierung zu bieten.

Bis zum 17. September präsentieren sich in rund 200 Veranstaltungen über 140 Autoren aus 53 Ländern. Das Programm ist im Vergleich zu den Vorjahren schlanker und konzentrierter geworden. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Literatur aus Asien und dem Pazifikraum. In dieser Sparte werden unter anderem Pankaj Mishra (Indien) und Courtney Meredith (Neuseeland/Samoa) erwartet. Die Autorin ist für mehrere Wochen Gast im Literaturraum des Hotel Bleibtreu, den das Hotel gemeinsam mit dem ilb vor zwei Jahren initiierte (www.literaturraum.de). Einen Sonderapplaus gab es gestern Abend für Liao Yiwu, den Festivalleiter Ulrich Schreiber als Neu-Berliner begrüßte.

Tahar Ben Jelloun

Wie in den vergangenen Jahren haben die Veranstalter mit Tahar Ben Jelloun für die Eröffnungsrede einen großen zeitgenössischen Autor gewonnen. Gestern Abend sprach der Schriftsteller über den arabischen Frühling und darüber, was Literatur bewirken kann. Schweigen und resignieren sei keine Lösung, betonte er. „Vielleicht verringern Worte und Sätze die Leiden nicht, vielleicht ist es sogar grausam, eine schriftliche Erinnerung zu schaffen. Doch wir müssen schreiben, aussprechen, uns vorstellen, entlarven, schreien. All das verlangt anspruchsvolles und unerbittliches Arbeiten, denn es geht um ermordete Männer und Frauen, trauernde, zerstörte Familien und um unendliches, Seelen überwältigendes Leid.“ Eine gekürzte Fassung der Rede drucken heute Berlinder Zeitung und Frankfurter Rundschau ab: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0908/feuilleton/0003/index.html.

Um einen Mangel an Besuchern müssen sich die Veranstalter keine Sorgen machen. Allein für die Schulveranstaltungen der Sparte Internationale Kinder- und Jugendliteratur; die in diesem Jahr erstmals Christoph Peter verantwortet, haben sich 12.000 Teilnehmer angemeldet. Neu im Programm ist eine Auseinandersetzung mit verstorbenen Kinder- und Jugendbuchautoren und –illustratoren aus aller Welt, an die – ganz nach dem Konzept der „Erinnerung, sprich“ Veranstaltungen des Erwachsenenprogramms – erinnert werden soll. In diesem Jahr ist die Retrospektive Michael Ende gewidmet.

Die temporäre Buchhandlung im Foyer betreiben die Berliner BuchBox und die Internationale Kinderbuchhandlung Le Matou. Zum Festival ist im Verlag Vorwerk 8 wieder ein Katalog erschienen.

Das Programm des Festivals unter www.literaturfestival.com

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