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Eichborn – fällt am Montag eine Entscheidung?

Nach wie vor ist die Lage unübersichtlich, scheint sich aber zuzuspitzen. Vorgestern hat es eine Mitarbeiterversammlung gegeben, bei der deutlich wurde, dass nach wie vor das Angebot von Aufbau-Verleger Matthias Koch vorliegt, den Eichborn Verlag in einem „Asset deal“ als ganzes zu übernehmen. Was nach unseren Informationen heißt: Mindestens sechs Mitarbeiter haben die feste Zusage, dass sie übernommen werden, um den Verlag mit einem eigenständigen Programm und eigenem Profil weiter zu führen; Herstellung und Vertrieb sollen dann allerdings von Aufbau betreut werden.

Nach uns vorliegenden Informationen favorisiert der Insolvenzverwalter aber eine andere Lösung, die Zerschlagung des Verlages durch den Verkauf einzelner Filetstücke des Verlages (etwa die Andere Bibliothek). Das scheint jetzt auch einen Keil in die bislang eng verschweißte Belegschaft zu treiben, die bei dieser Lösung einen höheren Anteil aus der Insolvenzmasse erwarten könnte. Aber bei einem Teil der Belegschaft mehren sich die Zweifel, ob und wieviel wirklich zum Schluss an Masse für die Mitarbeiter übrig bleibt, wenn sich der Verkauf noch weiter hinzieht (auch der Insolvenzverwalter wird schließlich daraus bezahlt).

Am Montag soll der Gläubigerausschuss über die vorliegende Konzepte entscheiden – und damit auch darüber, was mit den Ansprüchen der Autoren im Falle der Zerschlagung passiert, die ja auch in die Insolvenzmasse wandern und die dann weiter ebenso lange auf etwaige Quoten warten müssen wie die Mitarbeiter.

In Berlin hat man vehement für die „einzig sinnvolle Alternative“ geworben: Dort will man „ein eigenständig geführtes Programm“ unter dem Dach einer unabhängigen Verlagsgruppe. Autoren, die fortgeführt werden (und das sollen sie nahezu alle), erhalten ihr Geld mit Übergang des Verlages an den neuen Eigentümer, der ein Erwerberkonzept vorgelegt hat. Für Härtefälle, die dem Kündigungsschutz unterliegen, stünde ein Sonderfond bereit. All dies gilt allerdings nur, wenn bis 30.9. ein Interessenausgleich mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern gefunden ist.

Die Lage ist ernst: Danach wird niemand mehr den Verlag fortführen können. Bei der dann unvermeidlichen Zerschlagung dürften Mitarbeiter und Autoren bis zum St. Nimmerleinstag auf die Erfüllung ihrer Ansprüche warten.

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