Home > ARCHIV > Soeben in Stockholm verkündet: Die Auszeichnung geht an Tomas Tranströmer / Michael Krüger: „Für mich sitzt Du immer im Zentrum der poetischen Wahrnehmung“

Soeben in Stockholm verkündet: Die Auszeichnung geht an Tomas Tranströmer / Michael Krüger: „Für mich sitzt Du immer im Zentrum der poetischen Wahrnehmung“

Tomas Tranströmer ist ein schwedischer Lyriker. Er wurde 1931 in Stockholm geboren.
Tranströmer debütierte 1954 als 23-Jähriger mit dem Buch 17 dikter (17 Gedichte). Tranströmer gehört zu den meistübersetzten skandinavischen Dichtern in der englischsprachigen Welt des 20. Jahrhunderts.

Im Carl Hanser Verlag sind erschienen:
1981 Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel
1985 Der wilde Marktplatz. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel
1993 Für Lebende und Tote. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel
1996 Sämtliche Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel
1999 Die Erinnerungen sehen mich. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel
2005 Das große Rätsel. Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel

Im Verlag Kleinheinrich liegt druckfrisch vor: UNGDOMSDIKTER / JUGENDGEDICHTE

Hanser-Verleger Michael Krüger: „Zum achtzigsten Geburtstag von Tomas Tranströmer im Stadttheater in Stockholm habe ich am Schluß meiner Rede auf den Dichter gesagt: ‚Lieber Tomas, Du gehörst nicht gerade zu den Autoren, die zur Freude von Verlegern alle zwei Jahre einen großen Roman abliefern, sondern Du gehörst den Meistern der Langsamkeit, den Meistern der Stille und der schmalen Zone zwischen innen und außen. Aber für mich sitzt Du immer im Zentrum der poetischen Wahrnehmung und Dein Gedicht Schubertiana wird mich bis zum Ende meines Lebens begleiten.‘ Und jetzt der Nobel-Preis, da ist die Freude groß.“

Schubertiana (Auszug):

Im Abenddunkel auf einem Platz außerhalb von New York, ein Aussichtspunkt, von dem aus man mit einem einzigen Blick die Wohnungen von acht Millionen Menschen umfassen kann.

Die Riesenstadt in der Ferne dort ist eine lange glitzernde Wehe, ein seitlich gesehener Spiralnebel.

Drinnen im Spiralnebel werden Kaffeetassen über die Theke geschoben, die Schaufenster betteln die Vorbeigehenden an, ein Gewimmel von Schuhen, die keinerlei Spuren hinterlassen.

Die kletternden Feuerleitern, die Fahrstuhltüren, die zusammengeleiten, hinter Türen mit Sicherheitsschlössern ein ständiger Stimmenschwall.

Zusammengesunkene Leiber dösen in den Wagen der Untergrundbahn, den vorwärts rasenden Katakomben.

Ich weiß auch – ohne jede Statistik –, daß jetzt in irgendeinem Zimmer in der Ferne dort Schubert gespielt wird und daß für jemanden diese Töne wirklicher sind als all das andere.

(aus: Tomas Tranströmer. Sämtliche Gedichte. Edition Akzente, München 1997 © Carl Hanser Verlag)

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