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Pétur Gunnarsson las in Bonn bei Buchhandlung Böttger

Pétur Gunnarsson

Den Isländer, der Pétur Gunnarssons Roman punkt punkt komma strich (gerade auf Deutsch hervorragend übersetzt von Benedikt Grabinski bei Weidle erschienen) nicht kennt – den finden Sie erstmal. Und wenn es einer tatsächlich behauptet, lügt er wahrscheinlich. Oder ist kein echter Isländer.

Denn auf der Insel, Ehrengast der nächste Woche beginnenden Frankfurter Buchmesse, wurde dieser 1976 veröffentlichte Roman inzwischen über 20.000mal verkauft. Das klingt für unsere Ohren nicht viel – aber bei einer Einwohnerzahl von mehr als 320.000 Isländern insgesamt sieht das schon anders aus. Gunnarsson hat mit seiner Art der Weltsicht eine ganze Autorengeneration beeinflußt, und da diese Kindheitsgeschichte paßgenau aus dem Blick des Kindes geschrieben ist, ist das Buch Kult in Island. Jetzt endlich kann man diesen großartigen Roman auch auf Deutsch lesen. Und vielleicht entdeckt das deutsche Feuilleton diesen Titel ja auch noch…

Buchpremiere war gestern Abend in der Bonner Buchhandlung Böttger – eine über die Stadtgrenzen hinaus bekannte literarische Institution. Weshalb es auch kein Wunder ist, daß das Publikum so reichlich in den Laden strömte wie der fast isländische Regen draußen vor der Tür…

Birte Schrein vom Bonner Theater las ausgewählte Textpassagen, und man hatte ein bißchen den Eindruck, der Autor habe dazumal beim Schreiben des sprachgewaltigen, witzigen, melancholischen und doch rotzfrechen Textes genau diese deutsche Interpretin seines Werkes im Auge gehabt.

Die, wie sie zugab, beim Lesen ein wenig schummeln wollte. Man weiß ja, was für ein Kreuz das ist mit den isländischen Namen… Pech gehabt, Frau Schrein, daß Gunnarsson für seine Lesung auf Isländisch (damit wir endlich mal den Sound des Originals in Ohr bekommen) eine solche „Schummelpassage“ ausgesucht hat. Den doch recht langen Namen eines Hausmeisters einer Schule, der da eine Rolle spielt, hat der Autor einem Helden der isländischen Sagas gestohlen – womit auch klar sein dürfte, wie gespickt mit subtilen Anspielungen dieser Text ist. Wir versagen es uns aus bekannter Tippfehleranfälligkeit, diesen Hausmeisternamen hier zu wiederholen und verweisen auf Kapitel V.

Im Gespräch mit Verleger Stefan Weidle war dann zu erfahren, daß es zu diesem isländischen Kultroman auch Fortsetzungen gibt – die sind gerade in Übersetzung für den Weidle Verlag. Der auch nach dem Buchmesseschwerpunkt seinen isländischen Autor weiter veröffentlichen wird. Weidle verwies auch auf einen weiteren auf Deutsch erschienenen Titel seines Autors: Reykjavík (Insel), ein sehr persönliches Buch über die isländische Hauptstadt und seine Dichter. Die Gunnarsson natürlich alle gut kennt – war er doch lange Chef des dortigen Schriftstellerverbands.

Übersetzer ist dieser freundliche und zurückhaltende Autor auch noch. Man glaubt es angesichts seiner eigenen Texte kaum, aber er hat er hat sogar Proust übersetzt, Perec und jüngst auch Claude Lévi-Strauss. Und vor Jahren einen Handke-Text. Aus dem Französischen.

Wer gern ein signiertes Exemplar von punkt punkt komma strich ergattern will: Buchhändler Alfred Werner Böttger hat einen Riesenstapel signieren lassen. Steigen Sie bei der nächsten Durchreise durch Bonn einfach fünf Minuten aus und springen in den Laden in der Maximilianstraße. Länger brauchen Sie nämlich nicht. Außer, Sie fangen an, sich im Laden umzuschauen…

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