
„Werte unserer starken
Traditionsmarken erhalten“
Wie die „global aufgestellte“ Wissenschaftsverlagsgruppe Springer Science+Business Media heute in einer Pressekonferenz mitteilte, geht Springer damit auch in diesem Segment – wie in seinem wissenschaftlichen Kerngeschäft – von einer dezentralen Geschäftspolitik zu einer integrierten Marktbearbeitung über.
Mit Beginn des Jahres 2012 bündelt die Gruppe ihre deutschsprachigen Verlagsgeschäfte mit der Zusammenlegung der Aktivitäten des Springer-Verlags und den Programmen des Gabler Verlags und des Spektrum Akademischer Verlag, des Vieweg+Teubner Verlags und des VS Verlags und wird damit „zum Marktführer für Lehr- und Fachmedien“, wie Dr. Ralf Birkelbach heute sagete, der die neue Einheit führen wird.
Birkelbach selbstbewusst: Das gelte sogar „für jeden seiner vier Schwerpunktbereiche Wirtschaft, Naturwissenschaften, Technik und Gesellschaft“ (der Bereich Medizin bleibt unabhängig).
Die Verlagsgruppe legt in diesem Zusammenhang auch seine dazugehörigen Marketing-, Sales- und Vertriebsfunktionen zusammen. Bedeckt hält sich das Unternehmen auch auf Nachfragen nach der neuen Umsatzgröße: Auf Nachfragen beziffert der Verlag die kumulierte Umsatzhöhe des standortübergreifend aufgestellten Geschäftsbereiches in Berlin, Heidelberg und Wiesbaden lediglich auf einen „hohen zweistelligen“ Millionen Euro Umsatz. Darin sei der Umsatz mit englischsprachigen Büchern aus dem globalen Springer-Programm in Deutschland nicht enthalten. Das gebündelte Portfolio besteht aus 2.000 Buchnovitäten per annum, fast 100 Fachzeitschriften und diversen Veranstaltungs- und Onlineangeboten.“ So ist man auf Schätzungen angewwiesen: Der Umsatz dürfte bei knapp unter 100 Mio Euro liegen – insgesamt macht die Gruppe weltweit einen Jahresumsatz von ca. 866 Millionen Euro (2010).
Martin Mos, Chief Operating Officer (COO) Springer Science+Business Media, sagt: „Wir verbinden mit der Zusammenlegung die Vorteile der globalen Verbreitungsmöglichkeiten der Springer-Gruppe mit dem nunmehr gebündelten Know how unseres primär in deutscher Sprache und sehr erfolgreich betriebenen Geschäftes der Lehr- und Fachmedien. In diesem Sinne werden wir auch die Standorte Berlin, Heidelberg und Wiesbaden weiter stärken.“
Dr. Ralf Birkelbach, Executive Vice President Business & Technology von Springer Science+Business Media und neuer Geschäftsbereichsleiter der standortübergreifenden Business Unit, wird etwas deutlicher: „Konkret habe man mit der Bündelung vor allem im Auge, die Digitalisierung der Lehr- und Fachmedien“ weiter voranzutreiben. Zentrale Stichworte seien dafür die Vergrößerung der Contentbasen und die standortübergreifende Zusammenführung der eKompetenzbereiche in diesem Segment.
Um diese strategische Neuausrichtung nachhaltig im Markt sichtbar zu machen, tritt Springer im deutschsprachigen Bereich zukünftig auf seinen Publikationen exklusiv mit den neuen Verlagsmarken Springer-Gabler, Springer-Spektrum, Springer-Vieweg und Springer-VS auf. „Wir erhalten damit die Markenwerte unserer starken Traditionsmarken, vereinfachen aber gleichzeitig den Aufbau digitaler Portalkonzepte, die durch eine modulare Markenpolitik effektiver umgesetzt werden kann“, so der ehemalige Geschäftsführer von National Geographic bzw. Hoffmann und Campe.
Dabei dürfte der Verlag sicherlich auch die Zusammenführung seiner 250köpfigen Mannschaft für dieses Geschäft im Blick haben. Denn deren Lektorate und Vertriebsmannschaften des Heidelberger Springer-Verlages und der Wiesbadener ehemaligen „GWV Fachverlage“ (Gabler, etc.) sind bis dato mitunter als interne Wettbewerber im Markt aufgetreten. „Statt als interne Wettbewerber in unseren etablierten Bereichen aufzutreten, setzen wir in Zukunft auf gemeinsames Wachstum in bestehenden und neuen Themenfeldern“ ist der vom Verlag heute distribuierten Pressemitteilung zu entnehmen.
Die gemeinsame Einheit schaffe Mehrwerte für die Kunden und Handelspartner, so Birkelbach weiter. Mit der Bündelung sei man in derLage, in allen Themenbereichen marktführende Contentangebote in neuen digitalen Portalkonzepten für Studierende und Professionals anzubieten. Als Beispiel führte er das neue Fachinformationsportal „SpringerProfessional“ an. Diese verbinde den Zugriff auf Zehntausende digitaler Fachbücher aus der Springer-Welt mit einer journalistischen Verdichtung auf die spezifischen Informationsbedürfnisse von Zielgruppen in Wirtschaft, Technik und Gesellschaft. Das zahlungspflichtige Portal will der Verlag Anfang des Jahres in den deutschsprachigen Markt einführen.
Dem Buchhandel komme man durch die parallel umgesetzte Zusammenführung der Vertriebs- und Auslieferungsorganisation entgegen. Die Handelspartner erhalten mehr Leistung aus einer Hand, denn man biete noch effizientere Abläufe mit weniger Komplexität sowie eine größere Auswahl an hochwertigen Inhalten, neuen medialen Formaten und attraktiven Angeboten. Der Verlag zielt mit der Bündelung offenbar auch darauf, seine Attraktivität im zunehmend hart umkämpften Markt für erfolgreiche Lehrbuchautoren zu erhöhen. So sollen zukünftig verstärkt die Möglichkeiten in der global aufgestellten Springer-Gruppe genutzt werden, deutschen Autoren parallel auch englischsprachige Publikationen durch die enge hausinterne Zusammenarbeit mit den international aufgestellten Lektoraten zu ermöglichen.