
Viele waren am Vormittag zur Abschluss-Pressekonferenz ins Forum der Frankfurter Buchmesse gekommen, in dem sich Island ungewöhnlich, unspektakulär und äußerst beeindruckend vorstellte.
Halldór Guðmundsson, Direktor von Sagenhaftes Island, begrüßte die Gäste und stellte die Gesprächsrunde vor, an der Buchmesse-Direktor Juergen Boos, Rakel Björnsdóttir, Leiterin Koordination bei Sagenhaftes Island; die Autorin und Vorsitzende des isländischen Schriftstellerverbandes, Kristín Steinsdóttir; Simone Bühler, Buchmesse, Kristján B. Jónasson, Vorsitzender des isländischen Verlegerverbandes, sowie Kristof Magnusson teilnahmen.
Juergen Boos lobte den Gastland-Auftritt: „Hier wurden die Menschen hinter den Büchern gezeigt, das ist das Wichtigste.“ Bereits seit März fanden in Deutschland Lesungen isländischer Autoren statt, Schriftsteller der Vulkaninsel waren auch messetäglich im Forum zu finden – Island zum Anfassen eben.
Den Isländern ist trotz schwieriger finanzieller Bedingungen ein grandioser Auftritt gelungen.
„Dieser Erfolg ist ein Ergebnis guter Kooperation“, unterstrich Rakel Björnsdóttir. Bereits im Frühjahr 2008 wurde das Team gegründet, dem ein herzliches Dankeschön gilt. Das Projekt „Sagenhaftes Island“ wird auch nach Ende der Buchmesse weitergeführt.
„Der Gastland-Auftritt hat uns die Fenster in die Welt geöffnet, und viele unserer Werke sind hinausgeflogen“, formulierte Kristín Steinsdóttir poetisch. Die Sagen erzählen, dass sich Isländer mehr um Literatur als um Lebensmittel sorgen; so nahmen sie bei Umsiedlungen die Bücher zuerst mit und mussten sich das Werkzeug von anderen borgen.
Weniger als eine halbe Million Menschen sprechen Isländisch, damit gibt es für Bücher in dieser Sprache auch nur eine kleine Lesergemeinde. Mit der Teilnahme als Ehrengast an der Buchmesse und den mehr als 200 Übersetzungen ist diese Gemeinde gewachsen. Gerade der deutsche Buchmarkt, so hob die Schriftstellerin hervor, ist von großer Bedeutung.
Sie dankte allen, die eine solche Präsentation ermöglicht haben, ebenso dem isländischen Literaturfonds, den vielen Übersetzern, den Verlagen und dem isländischen Staat.
„Möge das Fenster in die große Welt auf bleiben, möge man unsere Bücher lesen und genießen“, schloss Kristín Steinsdóttir.
Kristján B. Jónasson bezeichnete die Messe als gute Möglichkeit, Werke in die Öffentlichkeit zu tragen. 40 Mitglieder hat der isländische Verlegerverband, sie vertreten 150 Verlage in Island.
In Deutschland wurden einige wenige isländische Autoren in den 1990er Jahren bekannt, davor hatte man eigentlich nur den Namen Halldór Laxness gehört. Jetzt aber gibt es in Deutschland mehr Bücher aus dem kleinen Island als aus dem großen China – das ist fast ein Witz.
„Der Gastland-Auftritt hat all das möglich gemacht, wir sind sehr froh!“, resümierte er.
Die Pressekonferenz wurde auch genutzt, um die Gewinner des Schaufensterwettbewerbs, organisiert von der Frankfurter Buchmesse und „Sagenhaftes Island“, bekannt zu geben. Über 700 Buchhandlungen hatten mit originellen Gestaltungen zum Thema Island teilgenommen. Den 1. Platz belegte die Buchhandlung Bindernagel, Friedberg (Hessen); den 2. Platz die Buchhandlung Witthuhn, Uttenreuth (Bayern), und den 3. Platz die Buchhandlung Athesia, Traunstein (Bayern).
Autor und Übersetzer Kristof Magnusson erzählte von einer Lesung am Vorabend, auf der nicht nur gelesen, sondern auch diskutiert wurde. Er zeigte sich beeindruckt, wie die großartige isländische Natur als „Lockmittel“ für isländische Literatur genutzt wird. Das ist in der Präsentation hervorragend gelungen. Ein Weg in eine andere, unbekannte Welt erschließt sich damit. Beispielhaft nannte er das Buch Bei betagten Schiffen – Islands „Atomdichter“, erschienen als Band 242 der Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik die horen. Dieses Buch ist selbst in Island so noch nicht erschienen, es müsste also eigentlich zurückübersetzt werden.
Abschließend formulierte Halldór Guðmundsson: „Vielleicht hat unser Auftritt bewiesen: Wir sind kein kuscheliges Elfenvölkchen, sondern waren das erste Opfer der Finanzkrise. Wir sind gerade dabei, uns wieder aufzurappeln.“
Mit beeindruckenden filmischen Szenen von der Vulkaninsel ging die Pressekonferenz zu Ende. „Ein großes Heulen“ bei der Verabschiedung eines lieb gewordenen Gastes, das Messedirektor Juergen Boos für den Abschieds-Sonntag voraussagte, deutete sich hier schon an.
JF







