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Nikolaus Hansen (60)

Nikolaus Hansen

Nikolaus Hansen wird heute 60 Jahre alt. Peter Lohmann (Harbour Front, Hamburg) gratuliert dem Arche/Atrium-Verleger zum runden Geburtstag:

Nikolaus Hansen ist auf verschiedene Bühnen dieser Welt zu Hause, aber auf der Straße mit dem Fahrrad oder auf den Weltmeeren mit dem Segelboot besteht die größte Chance ihn zu treffen. Wenn man nicht gerade irgendwelche Messen oder entsprechende Events besucht.
Nehmen wir das Meer und die Branche aus, weil andere kompetenter darüber zu berichten wissen.

Nehmen wir die Straße. „Der Niko fährt mit jedem Gefährt immer so schnell wie möglich“, sagte mir erst neulich sein bester Freund. Das war zwar nicht der Grund, mir in Frankfurt auf dem „Russenmarkt“ das eher langsame Hollandrad mit Dreigangbetrieb zu kaufen. Und doch sollte diese alte „Scheese“ in unserer Freundschaft viel wichtiger werden als das angebotene Gästebett.

Denn nachdem ich in Frankfurt anheuerte, fragte mich Niko sehr bald und rechtzeitig, ob ich zur Buchmesse eine Schlafmöglichkeit hätte. Ich bejahte und von da an lebte Niko während der Messe bei mir, ein guter Gast, den ich kaum zu Gesicht bekam. Aber ich glaube und bin mir ziemlich sicher, das eigentlich attraktive an meinem Angebot war das günstig geschossene Hollandrad. Es wurde von mir nie regelmäßig benutzt, aber wenn Niko kam, zur Messezeit, war es ständig im Einsatz.

Er sauste damit durch Frankfurts Straßen, so schnell es ging, im Anzug bei Wind und Wetter, vom Frankfurter Hof zum Hessischen Hof, zur nächsten Verabredung, zurück zur Messe, am Abend zu den jeweiligen Verabredungen und Partys und früh am Morgen zurück in die Steinlestraße. Dort hatte das gute Stück nur wenige Stunden Pause, bis der Drahteselreiter wieder aufs Rad stieg und davonbrauste. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Eine ganze Woche lang. Jahr für Jahr, immer zur Buchmesse.

Das Fahrrad muckte nicht auf, täuschte keine Schwäche vor, sondern gefiel sich in der Rolle, ja blühte geradezu auf, und es war als spräche Niko mit dem Fahrrad. Nun wurde es rechtzeitig jedes Jahr im September gewartet, herausgeputzt, neues Licht und Rücklicht beschafft, alles für den großen Auftritt während der Messe. Wenn es dann mit seinem Reiter, dessen Rockschöße heftig im Wind flatterten, spritzig durch die Frankfurter Straßen schoss, oder an der Mauer eines wichtigen Gebäudes lehnte und auf seinen Herrn wartete, strahlte es vor Glück.

Nach sieben Jahren verließ ich Frankfurt und ließ das Fahrrad zurück. Für Niko. Im Hof der Fischer Verlage. Dort wartete es ein ganzes Jahr geduldig auf seinen Herrn, der es freudig abholte und mit ihm davoneilte. Als die Messe sich dem Ende näherte, geschah das Unfassbare: Nach einer langen Nacht im Frankfurter Hof wollte Niko das wartende Ross besteigen. Doch es war weg, verschwunden, nicht mehr da. Kein Irrtum, es war geklaut, an einer Adresse, von der man nicht glauben würde, dass dort Fahrräder gestohlen werden.
Verführerisch, einige Meter weit entfernt, lag ein altes Damenfahrrad, achtlos hingeschmissen, ohne Schloss, auf der Straße. Besser als nichts, musste sich Niko gedacht haben, als er dieses Gefährt bestieg, um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.

Doch nach kurzer Zeit bockte der Esel, warf ihn ab, und Niko verletzte sich schwer.
So endete nicht nur meine Zeit als Gastgeber in Frankfurt, sondern auch die Beziehung zwischen Niko und meinem auf dem Russenmarkt erbeuteten Hollandrad mit Dreigangschaltung. Es war eine schöne Zeit und ein trauriger Abschied.

In Hamburg gibt es kaum Tage, an denen Niko sein Fahrrad nicht benutzt. Ein großer Mann auf einem immer zu kleinen Rad, mit wehenden Kleidern. Da saust der sympathische und erfahrene Verleger Nikolaus Hansen, mein Freund, auf schneller Fahrt dahin, ungeduldig von einem Treff zum anderen.

Das dieser schnelle Junge einen Lorbeerkranz mit einer goldenen Sechzig nun zum Besten trägt, ist ihm nicht anzusehen, und schon gar nicht zu verstehen. Warum auch?
Ach, ich vergaß zu erwähnen, dass Nikolaus Hansen ein leidenschaftlicher Verleger der traditionellen Garde ist, er liebt Bücher und ist ein wunderbarer Zeitgenosse. Aber das wissen Sie ja alle längst.

Zu Deinem Geburtstag, wünsch ich Dir vor allem Gesundheit, den Rest machst Du schon! Und über unsere gemeinsame Zeit bei Harbour Front schreib ich zum 70. Geburtstag.

Kontakt: n.hansen@vgo-arche-atrium.de

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